Die Resultate unserer Schnelllade-Analyse gelten auch für Opel Corsa-e, Opel Mokka-e etc.

Der Peugeot e-208 soll laut Hersteller mit bis zu 100 kW Gleichspannung geladen werden können. Der Ladenetz-Anbieter Fastned hat eine interessante Ladekurve zu dem Elektro-Kleinwagen veröffentlicht, die zeigt, ob dieser Wert auch in der Praxis erreicht wird – und wie lange er gehalten werden kann. Unsere Schnelllade-Analyse zeigt außerdem, wie schnell man bei dem kleinen Peugeot Reichweite nachladen kann und mehr. 

Der Peugeot e-208 basiert auf der Plattform (e-CMP), auf der auch noch etliche andere Modelle des Stellantis-Konzerns aufsetzen, so dass unsere Ergebnisse wohl auch für diese gültig sind – zumal auch bei allen e-CMP-Autos die gleiche 50-kWh-Batterie eingesetzt wird:

Ladekurve: Abfall in Stufen

Die Ladekurve bestätigt, dass die Batterie mit fast 100 kW geladen werden kann. Der Spitzenwert lag bei etwa 99 kW. Nach Erreichen eines Ladestands (State of Charge, SOC) von etwa 12 bis 13 Prozent beginnt die Kurve leicht zu sinken, aber auch bei 20 Prozent liegt sie immer noch bei etwa 95 kW.

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Dann fällt die Ladeleistung in mehreren Stufen ab – zunächst auf etwa 76 kW (21-48 Prozent),  dann auf ein Plateau bei 50 kW (52-65 Prozent) und 43 kW (68-71 Prozent), schließlich auf 27 kW (74-84 Prozent) und etwa 10-11 kW bis zu etwa 93 Prozent. Insgesamt ist das keine schlechte Ladekurve.

Durchschnittliche Ladeleistung: 53 kW

Werfen wir nun einen Blick auf die durchschnittliche Ladeleistung. Sie ist nicht so hoch wie beim VW ID.3 Pro, dessen Ladekurve wir ebenfalls bereits analysiert haben. Aber der VW hat mit brutto 62 kWh (netto 58 kWh) auch fast ein Viertel mehr Batteriekapazität als der e-208.

Aber viel zu meckern gibt es auch bei unserem Peugeot nicht. Die durchschnittliche Ladeleistung im wichtigen Bereich von 20 bis 80 Prozent SOC beträgt 53 kW (im Diagramm markiert): 

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Da die e-CMP-Autos mit 11 kW Wechselstrom laden können (serienmäßig oder optional, je nach Modell), macht es nicht viel Sinn, Gleichstrom-Schnellladesäulen zu verwenden, wenn der Akku zu über 80 Prozent voll ist. Denn die Nutzung einer Wechselstrom-Ladesäule ist in der Regel billiger und die Ladeleistung dann auch nicht mehr viel größer als mit Gleichstrom, wie die Grafik oben zeigt: Beginnt man bei 80 Prozent "Starting State-of-Charge (SOC)", dann liegt die Ladeleistung auch mit DC nur noch bei 27 kW.

C-Raten

Sehen wir uns nun die so genannte C-Rate an, also das Verhältnis zwischen Ladeleistung und Batteriekapazität. Die maximale C-Rate (also die maximale Ladeleistung von 99 kW, geteilt durch die Batteriekapazität von 50 kW) liegt bei fast 2C, was großartig ist. Der Wert wird nicht lange gehalten, aber insgesamt ist die C-Rate der e-CMP-Batterie in Ordnung.

Zur Erinnerung: Die C-Rate gibt an, wie sich die Ladeleistung zur Kapazität des Akkupacks verhält. Zum Beispiel ergibt sich 1C, wenn ein 50-kWh-Akku in einer Stunde mit 50 kW Ladeleistung vollgeladen wird. Dauert der Ladevorgang nur eine halbe Stunde, dann werden 2C erreicht.

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Wie schnell wird Reichweite nachgeladen?

Wichtig auf Langstrecken ist, wie schnell man zum Beispiel Reichweite für weitere 100, 200 oder 300 Kilometer nachladen kann. Dieser Wert (hier in Kilometer Reichweite pro Minute Ladezeit angegeben) hängt ab vom Stromverbrauch. Letzteren berechnen wir hier aus der WLTP-Reichweite (340 km) und der angenommenen Netto-Batteriekapazität von 45 kWh.

So ergibt sich ein Stromverbrauch von etwa 132 Wattstunden pro Kilometer oder 13,2 kWh/100 km. Dabei sind die Ladeverluste nicht berücksichtigt. [Anmerkung: Peugeot gibt den Stromverbrauch mit "bis zu 17,6 kWh/100 km an, doch wie immer bei unseren Schnelllade-Analysen gehen wir vom berechneten Wert aus.]

Die folgende Grafik zeigt, dass der Wagen maximal 12 oder 13 km/min schafft. Bei einem Ladestand von 80 Prozent werden dann nur noch etwa 3 oder 4 Kilometer pro Minute nachgeladen:

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Ist das nun ein guter oder ein schlechter Wert? In unserer Schnelllade-Analyse zum Renault Zoe (wird am morgigen Sonntag veröffentlicht) vergleichen wir das Ergebnis mit dem Renault und weiteren Kleinwagen. 

Fazit

Insgesamt zeigt die Analyse, dass der Peugeot e-208 tatsächlich mit fast 100 kW lädt. Auch wenn es natürlich Elektroautos gibt, die viel schneller laden (der Hyundai Ioniq zum Beispiel mit bis zu 350 kW) ist das eine hohe Ladeleistung für einen Kleinwagen, der ja meist nicht auf der Langstrecke bewegt wird.

Auch die durchschnittliche Ladeleistung von rund 50 kW ist wirklich in Ordnung. In Sachen Reichweite-Nachladen fällt der Peugeot ab etwa 65 Prozent SOC hinter Premium-Modelle wie den  BMW i3 oder Mini Cooper SE zurück. Besser als der Erzkonkurrent Renault Zoe ist der Peugeot aber über den gesamten Ladebereich. Mehr dazu lesen Sie morgen im versprochenen Vergleich mit anderen Elektro-Kleinwagen.

Nachtrag vom 10. Juni: Unser Leser Marcel B. weist darauf hin, dass es offenbar seit Kurzem ein Software-Update für den e-208 gibt, das gerade ausgerollt wird. Es soll die Ladekurve weiter verbessern. Im Elektroauto-Forum von Goingelectric bestätigen mehrere e-208-Besitzer, dass sie dafür nun eine Einladung von ihrem Händler erhalten haben. Offenbar gibt es das Update erst seit Ende Mai.   

Allgemeine Bemerkungen:

  • Einige Werte auf den Charts sind Schätzungen auf Basis der Datenquelle
  • Die Temperatur der Akkuzellen kann die Ladefähigkeit stark negativ beeinflussen. Wir haben keine Daten über die Temperaturen des Akkus zu Beginn und während des Ladevorgangs. Bei niedrigen oder hohen Temperaturen sowie nach sehr dynamischer Fahrt kann die Ladeleistung deutlich niedriger sein als in den Diagrammen angegeben. Im Extremfall kann der Ladevorgang sogar ganz unmöglich sein.
  • Der Text wurde gegenüber dem englischsprachigen Original von Mark Kane deutlich verändert. Vor allem haben wir einige Ergebnisse genauer erklärt, die Elektro-Transporter auf e-CMP-Basis hinzugefügt und ein Fazit angehängt.