Eine Elektroauto-Batterie kann gar nicht groß genug sein? Wenn Sie das denken, dann liegen Sie laut Porsche falsch. Welche Faktoren beim Festlegen der Speicherkapazität eine Rolle speilen, erklärt der Stuttgarter Hersteller nun in einem interessanten Artikel.

Ein Faktor, der für kleinere Batterien spricht, ist natürlich die Umweltfrage. Denn fast die Hälfte aller CO2-Emissionen im Lebenszyklus eines Elektroautos entstehen heute bei der Herstellung, wobei wieder rund 40 Prozent auf die Batterie zurückzuführen ist (zumindest beim Taycan).

Ein zweiter Faktor sind die Kundenwünsche. Wegen der vielzitierten Reichweitenangst wünschen sich viele Käuferinnen und Käufer eine große Batterie. So gibt es bereits etliche E-Autos mit mehr als 600 km Reichweite. Beispiele sind:

Auch 1.000 Kilometer Reichweite kommen in Sicht – so weit soll der Nio ET5 mit 150-kWh-Akku kommen, und Mercedes will mit dem Technik-Prototyp EQXX ebenfalls 1.000 km schaffen. Für Kurzstrecken-Fahrzeuge akzeptieren Kunden jedoch auch kleinere Reichweiten, so Porsche.

Fahrdynamik: Zu kleine und zu große Akkus sind schlecht

Porsche-Kunden legen aber auch auf Fahrdynamik großen Wert, so der Hersteller. Und hier erweisen sich sowohl zu kleine als auch zu große Batterien als Nachteil. Das zeigt eine Simulation von Rundenzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife. Als virtuelles Testmodell wählte Porsche einen Taycan Turbo S mit einer 85,1-kWh-Batterie und 2.419 Kilo Gesamtgewicht. (Anmerkung am Rande: Das reale Serienmodell hat 93,4 kWh brutto und 83,7 kWh netto). In dieser Konfiguration ergibt sich nach der Simulation eine Rundenzeit von 7:39,5 Minuten.

Porsche zur Batteriegröße: Rundenzeiten auf der Nordschleife in Abhängigkeit von der Batteriegröße

Verringert man die Batterie-Kapazität auf 70 kWh, verlängert sich die Rundenzeit auf 7:40,2. Grund: Das Auto ist zwar etwa 100 Kilo leichter, aber die Batterie kann nicht mehr so viel Leistung abgeben – denn kleinere Akkus können meist nicht nur langsamer geladen werden, sondern geben auch langsamer Strom ab. Das zeigt sich auch in einer schlechteren Zeit für den Sprint auf Tempo 200, wie aus der Tabelle oben zu entnehmen. Vergrößert man den Akku auf 100 kWh, dann steigt die Rundenzeit noch stärker, auf 7:42,4 Minuten, und bei einer 130-kWh-Batterie sogar auf 7:48,2 Minuten.

Reisedauer: Schnelles Laden ist wichtig

Ein weiterer Faktor ist die Reisedauer auf Langstrecken, und die hängt nicht nur von der Batteriegröße, sondern auch von der Ladezeit ab. Der Taycan mit seiner 800-Volt-Technik kann laut Hersteller in fünf Minuten Strom für weitere 100 Kilometer nachladen. Damit kommt man auf eine Relation zwei Stunden Fahr- und 15 Minuten Ladezeit, so Porsche.

Porsche: 100-kWh-Batterie ist am günstigsten

Im Spannungsfeld zwischen Reichweite, Performance und Nachhaltigkeit bietet eine 100-kWh-Batterie die optimale Balance, meint Porsche. Denn künftig sollen sich sowohl die Leistungsabgabe der Batterien verbessern als auch die Ladezeiten verkürzen. Noch größere Fortschritte sind in der Verringerung der CO2-Emissionen zu erwarten.

Porsche zur Batteriegröße: 100 kWh sind ideal

 

Der 2023 startende Elektro-Macan könnte einen 100-kWh-Akku und eine Reichweite von 500 km haben.

So soll die zweite Generation von E-Fahrzeugen, die vor ihrer Markteinführung steht, in ihrem Lebenszyklus rund ein Viertel weniger Kohlendioxid freisetzen als die erste, verspricht Porsche. Vermutlich meinen die Stuttgarter hiermit den Elektro-Macan, der auf der Plattform PPE beruht. Wenn wir Recht haben, könnte das Auto einen 100-kWh-Akku und eine Reichweite von 500 km bieten (siehe Grafik oben). Damit läge die Reichweite deutlich niedriger als bei den oben genannten E-Autos mit über 600 km Reichweite.