Als überraschend kooperativ erweisen sich nun BMW und Mercedes: Die beiden deutschen Premiummarken wollen in China ein gemeinsames Schnelladenetz aufbauen. Das geben die Unternehmen nun in gleichlautenden Pressemeldungen bekannt.

2024 sollen erste gemeinsame Ladestationen in den wichtigsten Regionen in Betrieb gehen – das heißt, in den Regionen mit der höchsten Dichte an aufladbaren Fahrzeugen. Bis Ende 2026 sind landesweit mindestens 1.000 Stationen mit etwa 7.000 Ladepunkten geplant. Auch Funktionen wie Plug & Charge und Vorab-Reservierung soll das Netz bieten.

Um das Ladenetz zu verwirklichen, gründen Mercedes-Benz Group China Ltd. und BMW Brilliance Automotive Ltd. ein 50:50-Joint-Venture. Es soll den Aufbau des Netzes bewerkstelligen und es betreiben.

Das Schnellladenetz soll öffentlich zugänglich sein und für alle Fahrzeugmarken zur Verfügung stehen. Wie oft bei markeneigenen Netzen, genießt man jedoch Zusatzfunktionen, wenn man einen Mercedes oder BMW fährt. Dazu gehören Plug & Charge und die Vorab-Reservierung eines Ladepunkts. Der Strom für die Säulen soll, wo immer möglich, aus erneuerbaren Quellen stammen.

In Deutschland und weltweit besitzt derzeit wohl Tesla das größte, markeneigene Ladenetz. Laut Website gibt es weltweit über 50.000 Supercharger. Dazu kommt noch eine erhebliche Zahl von "Destination Chargern", also Tesla-Ladestationen an Hotels und dergleichen. Auf der offiziellen Tesla Charging-Präsenz auf X wird laufend die Eröffnung neuer Ladestationen gefeiert – oft kommt mehrmals täglich eine hinzu. Zuletzt eröffnete heute früh ein Standort in Südkorea:

 

Die deutschen Premiummarken hinken deutlich hinterher. Audi hat kürzlich seinen fünften Charging Hub eröffnet, Mercedes präsentierte diese Woche seinen ersten eigenen Ladestandort in Europa. Die Stern-Marke hat aber auch schon zwei Ladestationen in China und einen in den USA. Bis Ende 2024 will Mercedes 2.000 Ladepunkte haben, davon rund 200 in Europa. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen weltweit sogar 2.000 Ladeparks mit über 10.000 Schnellladepunkten entstehen.

Daneben engagieren sich etliche Hersteller im Joint Venture Ionity, das 350-kW-Schnelllader entlang der Autobahnen anbietet. In Europa gibt es laut Homepage des Unternehmens derzeit 553 Ladeparks mit insgesamt 2.955 Ladepunkten; 117 weitere Standorte befinden sich im Aufbau.

Auch andere Marken arbeiten an eigenen Ladenetzen. So plant Renault europaweit 200 Schnelllade-Stationen in der Nähe von eigenen Händlern, der Stellantis-Konzern kündigte über 15.000 eigene Ladestandorte bis 2025 an. Der VW-Konzern kooperiert unter anderem mit den Mineralölkonzernen BP und Aral, um ein eigenes Ladenetz aufzubauen. So sollen zusammen mit BP bis Ende 2024 rund 8.000 zusätzliche Ladepunkte in Europa aufgebaut werden. Dabei kommen batteriebasierte "Flexpole"-Säulen zum Einsatz, die VW selbst entwickelt hat und die 150 kW bieten.