Elektroauto-Markt: SUVs machen mehr als die Hälfte aus
Nächstes Jahr 25 Prozent BEVs in Deutschland?
Über die Hälfte der in Deutschland verkauften Elektroautos sind SUVs, und die allermeisten davon sind mittelgroße Modelle. Das zeigt die obige Grafik, die aus der aktuellen Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) stammt.
Nach unserem Gefühl spiegelt sich darin nichts anderes wider als das Modellangebot: Unsere Übersicht über die Elektro-SUVs auf dem deutschen Markt umfasst nicht weniger als 70 Modelle, und 31 davon liegen zwischen 4,50 und 4,80 Meter Länge. Auch das CAM führt das Übergewicht der SUVs auf ein größeres Modellangebot zurück. Unter den 105 Fahrzeugmodellen, die in der KBA-Statistik auftauchen, befinden sich nach der CAM-Analyse 48 SUVs, davon 34 mittlere SUVs.
Bei Kleinwagen und "Minis" (Kleinstwagen à la Fiat 500 Elektro) nimmt das Angebot dagegen ab. Dabei sind in der KBA-Statistik auch noch etliche kleine Modelle enthalten, die nicht mehr bestellbar sind, wie der VW e-up, der Smart EQ Fortwo oder der Honda e.
Modellangebot nach Klassen und die entsprechenden (gewichteten) Durchschnittspreise
Die Folge ist ein Anstieg der Verkaufspreise. Allerdings ist die Preissteigerung auch innerhalb der einzelnen Segmente zu beobachten. Kostete beispielsweise ein VW ID.3 im Jahr 2022 noch 38.060 Euro in der Basis, so sind es mittlerweile 39.995 Euro. Insgesamt liegt der an den Neuzulassungen gewichtete durchschnittliche Fahrzeugpreis (ohne Sonderausstattung) nun bei knapp 53.000 Euro. Dies entspricht einer Preissteigerung um rund 4.000 Euro gegenüber dem Gesamtjahr 2022, so das CAM.
Die Preise steigen in jeder Klasse (mittlerer, gewichteter Fahrzeugpreis in Euro ohne Sonderausstattung)
Mit dem derzeit verfügbaren Modellangebot sei ein schneller Markthochlauf der Elektromobilität nur schwer realisierbar, folgert das CAM. 2024 stehe die Elektromobilität vor großen Herausforderungen. Das (abseits von SUVs) ausbaufähige Modellangebot, die im Vergleich zu Verbrennern deutlich höheren Preise sowie die teils verbesserungswürdige Reichweite, Ladeleistung und Verbrauch seien Handicaps.
Weiterhin werde es auf dem Elektroauto-Markt einen großen Mangel an günstigen Modellen geben. Daran würden auch die neuen China-Marken kurzfristig nichts ändern. Erst ab 2025 seien kostengünstige E-Autos zu erwarten, so das Tesla-Einstiegsmodell, der Renault Twingo oder der VW ID.2.
Aber auch so prognostiziert das CAM eine Zunahme der BEV-Zulassungen um 15 Prozent gegenüber 2023. Etwa 600.000 BEVs sollen es sein. 2025 hält das Institut dagegen durch die günstigen Modelle eine Zunahme um 25 Prozent auf etwa 750.000 Einheiten für möglich.
Eine Aussage über den zu erwartenden BEV-Anteil im Jahr 2024 macht das CAM nicht. Doch nach den Angaben in einem Artikel der Automobilwoche kann man ihn leicht ausrechnen: Danach prognostiziert das CAM 3,1 bis 3,2 Millionen Neuzulassungen insgesamt. 600.000 BEVs würden dann einem BEV-Anteil von rund 19 Prozent entsprechen.
Der Bank-Analyst Martin Benecke von S&P Global glaubt dagegen, der BEV-Anteil könnte nächstes Jahr auf 25 Prozent steigen. Damit hätte jedes vierte in Deutschland verkaufte Auto einen Elektroantrieb. Vor allem bei MG und BYD rechnet er mit großen Stückzahlen, aber auch Hyundai und Kia dürften mehr Volumen nach Europa leiten, weil sie sich aus China zurückzögen. Die europäischen Hersteller dagegen könnten die Verlierer des nächsten Jahres werden, so der Experte.
Von Januar bis November 2023 wurden in Deutschland knapp 470.000 reine Elektroautos (BEVs) neu zugelassen; damit machten BEVs 18 Prozent der gesamten Neuzulassungen aus. Damit hat sich der BEV-Anteil gegenüber 2022 nur nach dem Komma gesteigert.
Quelle: CAR (per E-Mail), Automobilwoche (Paywall)
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