0,168: So niedrig soll der cW-Wert der neuen Studie sein, das Chery nun vorstellt. Das sei neuer Rekord für einen asiatischen Autohersteller, so der chinesische Konzern.

Bei dem Modell, das offenbar keinen Namen trägt, handelt es sich den Bildern nach um ein großes Coupé oder eine dreitürige Limousine. Die Maße wurden nicht mitgeteilt. Die Karosserieform ist von den strömungsgünstigen Formen des Thunfischs inspiriert, schreibt Chery. Diverse Luftleitelemente seien an die besondere Faltung der Rückenflosse angelehnt.

Chery-Aerodynamikstudie: Das Heck

Die optimale Form fanden die Chery-Fachleute durch Simulation, wobei man über 2.000 Iterationen durchlaufen wurden. Zum Schluss wurde in einer Windkanal-Testserie der cW-Wert von 0,168 ermittelt. Diese Testserie kann man sich als Video auf Weibo ansehen, dem chinesischen Äquivalent zu Twitter oder X. 

Chery-Aerodynamikstudie (2024): Sicht von oben
Chery-Aerodynamikstudie: Strömungslinien

"Wir zeigen mit diesem Konzept das aktuell Machbare im Hinblick auf unsere batterieelektrische Modellpalette", sagt Jochen Tüting, Geschäftsführer des R&D Centers in Raunheim am Main. Die gewonnenen Kenntnisse sollen in kommende Generationen von Chery-Automobilen einfließen.

"Als traditionell aufgestellter Autohersteller sind wir ein von Technologie getriebenes Unternehmen mit global über 5.500 Entwicklern", schwärmt der Mann von seiner Firma. Man sei stets um innovative Technologien zum Vorteil der Kundschaft bemüht. Das zu demonstrieren sei gerade beim bevorstehenden Eintritt in den europäischen Markt wichtig. 2024 will Chery mit den Marken Omoda und Jaecoo in Deutschland starten. Den Anfang soll das SUV-Modell Omoda 5 mit Benziner machen, doch eine Elektroversion soll bald folgen, genauso wie der Jaecoo 7, ein weiteres SUV. 

Der Luftwiderstand gehört zu den wichtigsten Parametern zur Optimierung der Reichweite. Er hängt von einem Formfaktor (dem cW-Wert) ab, aber genauso von der Stirnfläche. Letztere wird im Wesentlichen von Breite und Höhe des Autos bestimmt. Angaben zur Stirnfläche fehlen jedoch.

Auf dem Chery-Techday kündigte der Konzern vor einigen Wochen 39 neue Modelle für die kommenden zwei Jahren an, darunter 15 reine Elektroautos. Chery Automobile wurde 1997 von der Regierung der Provinz Anhui gegründet und gehört zur Chery Holding mit Sitz in Wuhu (etwa 350 km westlich von Shanghai). Neben der Hauptmarke Chery gibt es noch zahlreiche "Subbrands" wie Omoda, Jaecoo und Exeed/Exlantix.

Beim Pkw-Export ist das Unternehmen seit 20 Jahren Chinas Spitzenreiter. So wurden 2022 von insgesamt 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen über 450.000 außerhalb Chinas abgesetzt, also mehr als ein Drittel. 2023 könnte Chery die Verkäufe im Ausland verdoppeln. In Europa ist Chery seit 2018 aktiv.

Unterm Strich

Chery ist in Deutschland noch größtenteils unbekannt. An die einst geplante Kooperation mit Mercedes erinnert man sich höchstens in Fachkreisen. Daher dürfte es dauern, bis hierzulande nennenswerte Stückzahlen verkauft werden. Die typisch chinesische Aufsplitterung in verschiedene "Subbrands" verwirrt zusätzlich. Ob die Kundschaft das Technik-Image, das Chery mit seiner Studie anstrebt, auch auf die Marken Omoda und Jaecoo überträgt, ist die Frage.