BYD plant bekanntlich ein eigenes Autowerk in Ungarn, und wir dachten eigentlich, das würde die erste Fabrik eines chinesischen Herstellers in Europa sein. Doch Chery könnte BYD zuvorkommen. Denn das chinesische Unternehmen will noch dieses Jahr mit der Produktion in Barcelona beginnen – in einem ehemaligen Nissan-Werk, das zusammen mit der spanischen Firma EV Motors genutzt werden soll.

Dazu unterzeichnete Auto Chery einen Joint-Venture-Vertrag mit EV Motors, wie Reuters unter Berufung auf die katalanische Regionalregierung und EV Motors meldet. Nissan hatte die Fabrik mit 1.600 Arbeitsplätzen bereits 2021 geschlossen. Einige dieser Arbeitsplätze will Chery wiederherstellen. 

Chery will zunächst Fahrzeuge der Marke Omoda produzieren. Daneben sollen ab dem vierten Quartal 2024 auch Autos von EV Motors gebaut werden, dem Mehrheitsaktionär des Gemeinschaftsunternehmens. Nach Angaben der Automobilwoche soll es sich um Fahrzeuge der Marke Ebro handeln, die zu EV Motors gehört. Angekündigt sind ein vollelektrischer Pick-up, der auf der Ebro-Website zu bewundern ist. Er wurde schon Ende 2022 vorgestellt. Außerdem ist ein Van zu erwarten, von dem es noch keine Bilder gibt.

Ebro Automobile Barcelona 1

Der 5,21 Meter lange Elektro-Pick-up von Ebro soll einen 220 kW starken Allradantrieb und 440 km Reichweite bieten

Die Fabrik sei eine Bestätigung für Cherys klares Bekenntnis zu Europa, sagte Chery-Europa-Geschäftsführer Jochen Tueting. Der Konzern sei "gekommen, um zu bleiben". Chery hat für Europa unter anderem den Omoda 5 EV angekündigt, ein 4,40 Meter langes Elektro-SUV, das noch im ersten Halbjahr 2024 nach Deutschland kommen soll, wie es im Januar hieß. Daneben wurde auch eine Verbrennerversion angekündigt.

Chery will zudem die Marken Jaecoo und Exlantix in Deutschland etablieren. Anders als die meisten chinesischen Hersteller will Chery nicht nur Elektroautos, sondern auch reine Benziner und Plug-in-Hybride anbieten. 

Spanien ist nach Deutschland der zweitgrößte Autoproduzent Europas. Seit 2020 versucht das Land, Investitionen von Elektroauto- und Batterie-Produzenten mithilfe von Pandemie-Hilfsmitteln der Europäischen Union anzulocken. Seitdem hat Volkswagen angekündigt, seine neuen Elektro-Einstiegsmodelle in Spanien zu bauen. Außerdem will Renault in Palencia und Valladolid Autos wie das Verbrenner-SUV Austral bauen.

Die ersten europäischen Werke von chinesischen Herstellern stehen wohl im Zusammenhang mit der Skepsis gegenüber China-Importen. Die Europäische Union untersucht derzeit, ob chinesische Elektroauto-Hersteller von unfairen staatlichen Subventionen profitieren. Falls dem so ist (wie kürzlich das Institut für Weltwirtschaft in einer Studie für BYD behauptete), könnten Strafzölle eingeführt werden.

Unter dem Strich

Deutsche Hersteller produzieren ihre Autos bereits in Massen in China, und Tesla hat sogar seinen weltweit wichtigsten Produktionsstandort in Shanghai. Warum also sollten nicht chinesische Marken auch in Europa produzieren? Das verkürzt die Transportwege und schafft Arbeitsplätze. Vermutlich bekommt Chery dafür aber auch Subventionen aus EU-Töpfen.

Unser Titelbild zeigt das Chery-Logo an der Front des New Concept Vehicle GENE von 2022.