Opel feiert seinen Corsa als beliebtesten Kleinwagen in Deutschland: 53.669 Neuzulassungen meldete kürzlich das Kraftfahrtbundesamt (KBA) fürs Gesamtjahr 2023. Davon waren 13.861 Stück rein elektrisch. Damit liegt die Elektroauto-Quote für den Wagen bei fast 26 Prozent. Anders ausgedrückt: Jeder vierte deutsche Corsa ist ein Stromer.

In der Verkaufsstatistik des KBA für 2023 schaffte es der Elektro-Corsa gerade nicht mehr unter die Top Ten – denn der Mini Cooper SE wurde 13.953 Mal verkauft. Das zeigt, dass der Elektro-Corsa auch nicht der beliebteste Elektro-Kleinwagen ist: Hier liegen der Fiat 500 Elektro und der Elektro-Mini vor dem Opel. Dennoch: Wir haben uns das Modell genauer angesehen und es mit der Konkurrenz verglichen.

Der Corsa Electric basiert auf der Konzernplattform CMP in der elektrifizierten Variante eCMP, die auch zahllose andere Stellantis-Modelle trägt. Während der Opel Corsa schon seit 1982 auf dem Markt ist, gibt es die Elektroversion Opel Corsa Electric (alias Corsa-e) erst seit der aktuellen, sechsten Generation, die 2019 startete.

Opel Corsa-e (2020) im Test

Opel Corsa-e vor dem Facelift

Opel Corsa Electric (2023)

Opel Corsa Electric: Die neue Version mit Vizor

Im vergangenen Jahr präsentierte Opel ein Facelift, das dem 4,06 Meter langen Kleinwagen den markentypischen "Vizor" bescherte – die schwarzglänzende Blende an der Front. Vor allem aber erhielt der Wagen nun eine zweite Antriebsoption mit 115 kW und mehr Reichweite. Hier die wichtigsten technischen Daten der zwei Varianten:

  Opel Corsa Electric Opel Corsa Electric Long Range
Antrieb FWD 100 kW, 260 Nm FWD 115 kW. 260 Nm
0-100 km/h / Spitze 8,7 Sek. / 150 km/h 8,1 Sek. / 150 km/h
WLTP-Stromverbrauch 15,8-16,1 kWh 14,3-14,6 kWh
Akku / WLTP-Reichweite 50 kWh / bis 354 km 51 kWh / bis 402 km
Max. Ladeleistung AC/DC 11 / 100 kW 11 / 100 kW
Ladedauer AC/DC 5h15 / ca. 30 min (80%) 3h10 / ca. 30 min (80%)
Ladegeschwindigkeit 1,3 kWh/min 1,4 kWh/min
Preis 34.650 Euro (Basis) 38.045 Euro (GS)

Preislich liegen die zwei Versionen fast 3.500 Euro auseinander. Das liegt auch daran, dass die neue 115-kW-Variante nur in der hochwertigen GS-Ausstattung offeriert wird. Schade, denn die neue Version ist sparsamer und bietet rund 50 km mehr Reichweite. 

Kleiner Konkurrenzvergleich

Zu den Konkurrenten des Opel Corsa Electric gehört das Schwestermodell Peugeot E-208 und auch die anderen Stellantis-Konzernfahrzeuge auf gleicher Plattform, wie der Jeep Avenger oder der Fiat 600e. Die Letztgenannten sind allerdings eher als SUVs oder Crossover zu klassifizieren. Weitere Alternativen sind der (kleinere und günstigere) Fiat 500 Elektro und der (größere und stärkere) VW ID.3, den es wegen neuer Rabatte schon ab rund 33.000 Euro gibt.

Hier eine kleine Vergleichstabelle; bessere Werte sind gefettet:

  Opel Corsa Electric 100 kW VW ID.3 Pro Fiat 500 Elektro
42 kWh
Fiat 600e Red
Länge/Höhe 4,06 m / 1,43 m 4,26 m / 1,56 m 3,63 m / 1,53 m 4,17 m / 1,52 m
Kofferraum 267-1.042 Liter 385-1.267 Liter 185-550 Liter 360-1.231 Liter
Antrieb FWD 100 kW RWD 150 kW FWD 87 kW FWD 115 kW
0-100 km/h 8,7 Sek. 7,4 Sek. 9,0 Sek. 9,0 Sek.
WLTP-Verbrauch 15,8-16,1 kWh 14,9-16,3 kWh 14,0-14,3 kWh 15,1-15,2 kWh
Akku 50 kWh 58 kWh 42 kWh 51 kWh
WLTP-Reichweite 354 km 435 km 312-321 km bis 409 km
Ladegeschwindigkeit 1,3 kWh/min 1,2 kWh/min k.A. k.A.
Preis 34.650 Euro 32.975 Euro 34.990 Euro 36.490 Euro

Man sieht, dass zumindest von den hier aufgeführten Daten her nicht viel für den Elektro-Corsa spricht: Der VW ID.3 Pro bietet mehr Power, mehr Reichweite, mehr Kofferraum und ist dennoch rund 2.000 Euro günstiger.

Der Fiat 500 Elektro ist nach einem kleinen Wirrwarr zum Modellwechsel nun auch wieder in der Version mit 87 kW konfigurierbar. Seine Vorteile sind der niedrige Verbrauch und die Optik, der Kofferraum ist jedoch sehr klein. Objektiv mehr Auto fürs Geld gibt es beim neuen Fiat 600e; er bietet fast so viel Reichweite wie der VW und ähnlich viel Kofferraum, der Preis ist jedoch 3.500 Euro höher. 

Ausstattung im Vergleich mit dem ID.3

Der VW ID.3 hat also bei den Daten die Nase vorn. Ist der Elektro-Corsa denn besser ausgestattet? Vergleichen wir. Zur Serienausstattung des Opel Corsa Electric gehören 16-Zoll-Aluräder, während der VW ID.3 Pro nur Stahlräder hat, allerdings in 18 Zoll. Beide Autos haben LED-Scheinwerfer, der VW bietet aber auch hinten LED-Licht.

Opel Corsa Electric (2023) im Test
VW ID.3 Pro (2023) im Test

Innen hat der Opel einen 7-Zoll-Touchscreen mit Navigationssystem und ein ebenso großes Instrumentendisplay; im VW gibt es nur ein kleines Instrumentendisplay (5,3 Zoll), dafür aber serienmäßig einen 12-Zoll-Touchscreen. Ob VW wie Opel serienmäßig ein Navi bietet, ist dem Konfigurator nicht eindeutig zu entnehmen; vermutlich muss man dafür das 1.580 Euro teure Komfortpaket (mit Sitzheizung) ordern. Eine Klimaautomatik, einen Spurhalteassistent und eine Verkehrszeichenerkennung bieten beide; Parkpiepser ebenfalls, der Opel aber nur hinten.

Der Opel hat serienmäßig eine Wärmepumpe, bei VW kostet sie 990 Euro Aufpreis. Dafür hat der VW serienmäßig einen 11-kW-Bordlader, für den Opel 1.190 Euro verlangt. Sitzheizung und Abstandstempomat (ACC) sind bei beiden Modellen nur optional zu haben. Alles in allem würden wir sagen, dass die Serienausstattung auf dem gleichen Niveau ist.

Unterm Strich

Der Opel Corsa Electric war bisher ein interessanter Elektro-Kleinwagen, doch seitdem VW seine erstaunlichen Rabatte eingeführt hat, kann er wie viele andere Modelle nicht mehr mithalten. Die Daten des VW ID.3 Pro sind besser, die Serienausstattung etwa gleichwertig. So läuft derzeit alles auf den ID.3 zu. Volkswagen hat mit seinen Rabatten einen Preiskrieg begonnen; mal sehen, ob die Konkurrenz nachzieht oder hofft, dass der Spuk Ende März vorbei ist – denn bis dahin sind die Rabatte befristet.