Es läuft blendend für den Opel Corsa: Regelmäßig parkt er in den Top 10 der deutschen Neuzulassungen. Vier von 10 verkauften Opel-Neufahrzeugen sind ein Corsa. Ein Volltreffer, der der Marke gut tut. Obwohl sein Start holprig war. Denn eigentlich war der Corsa F bereits fast fertig, als die Rüsselsheimer im Jahr 2017 von GM weg unter das Dach von PSA schlüpften. 

Das bedeutete aber auch eine völlige Neukonstruktion. Und damit Sonderschichten, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. 2019 erschien schließlich der Opel Corsa F in der Gestalt, wie wir ihn heute kennen. Als Verwandter des Peugeot 208. Pluspunkt: Opel konnte den Corsa auch als reines Elektroauto bringen. Optisch kaum unterscheidbar, so wie inzwischen auch Mokka oder Astra. Quasi das, was BMW mit i5 und Co. betreibt, aber schon etwas früher.

Bildergalerie: Opel Corsa Electric (2023) im Test

Was ist das?

Jetzt steht nach vier Jahren ein Facelift für den Corsa an. Man darf den Begriff durchaus wörtlich nehmen, denn die Opelaner wetzen eine Scharte aus, die sie etwas gewurmt hat. Bedingt durch die schnelle Umentwicklung konnte der Corsa F einst nicht mehr die inzwischen berühmte Vizor-Front erhalten, der Mokka B hingegen schon.

Doch nun ist es soweit, der Kleinwagen guckt einen aus anderen Augen an. Mehr LEDs im Intelli-Lux-Matrixlicht und mehr Assistenzsysteme dank mehr Platz für Radar in der neuen Frontpartie sind die Folgen. Am Heck sind die Unterschiede kaum auszumachen, die Länge des Corsa bleibt mit 4,06 Meter unverändert.

Opel Corsa Electric (2023) im Test
Opel Corsa Electric (2023) im Test
Opel Corsa Electric (2023) im Test

Ein praktisches Format, doch innen ist der kleinste Opel kein Raumwunder. 267 Liter passen in den Kofferraum der Elektroversion, beim Verbrenner sind es 309 Liter. Kopf- und Beinfreiheit gehen zwar auf allen Plätzen in Ordnung, doch recht schmale Türöffnungen erschweren den Zugang zum Fond. Das kann so manch Corsa-Konkurrent besser.

Das frische Grau auf den Fotos heißt übrigens "Grafik Grau" und kostet 400 Euro Aufpreis. gratis gibt es ein Silber-Metallic. Gut hat uns die einfache Bedienung im Cockpit gefallen: Viele echte Knöpfe und Regler, dazu neu ein übersichtlicher 10-Zoll-Touchscreen in der Mitte. Einsteigen, umgucken, loslegen.

Wie fährt er sich?

Bevor wir Gas respektive Strom geben, sehen wir uns die Motorenpalette an. Nach wie vor gibt es die bisher bekannten Verbrenner mit 75 bis 130 PS, einige davon optional mit Achtgang-Automatik. Neu ist ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit Miller-Cycle, 48-Volt-Mildhybrid und 6-Gang-DKG. Ein E-Motor mit 21 kW/28 PS Leistung ergänzt die Turbo-Verbrenner und soll 0,8 Liter beim Verbrauch einsparen. Laut Opel können damit über 50 Prozent der Stadtfahrten rein elektrisch stattfinden. Die 48V-Corsa-Modelle sind mit 100 und 136 PS im Programm gelistet. 

Opel Corsa Electric (2023) im Test

Wer sich ausschließlich elektrisch fortbewegen will, hat beim Opel Corsa nun zwei Möglichkeiten. Als Einstiegsmodell bleibt die Version mit 100 kW (136 PS) und 50-kWh-Akku (brutto, netto: 48 kWh) im Programm, sie kommt nun auf bis zu 354 km Reichweite nach WTLP. Wir fuhren aber den sogenannten Corsa Electric GS Long Range. Wie bereits beim Mokka gibt es hier 54 kWh brutto respektive 51 kWh netto im Akku. Plus den M3-Synchronmotor mit voll integriertem Wechselrichter und Glykol-Wasser-Kühlsystem.

Das Resultat der Optimierung: 115 kW gleich 156 PS Leistung, 8,1 statt 8,7 Sekunden von null auf 100 km/h. Etwas geringerer Verbrauch und bis zu 405 Kilometer Reichweite. Die 30-Minuten-Leistung ist mit 57 kW (77 PS) bei beiden Elektro-Corsa gleich, ebenso die bei Tempo 150 abgeregelte Höchstgeschwindigkeit und das maximale Drehmoment von 260 Nm. 

Im Sport-Modus, wohlgemerkt. In "Normal" stehen 220 Nm und 109 PS bereit, in "Eco" 180 Nm und 82 PS. Wir starten im Normal-Modus, mit vollem Akku stehen tatsächlich 400 Kilometer auf der Anzeige. Leise und flott zieht der neue Corsa Electric von dannen. In Verbindung mit der guten Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk befindet mein Porsche- und BMW-besitzender Beifahrer, dass der Wagen ihm richtig Spaß machen würde.

Opel Corsa Electric (2023) im Test

Da hat er recht, denn der Opel bringt vieles gut auf den Punkt. Ein überaus angenehmer Begleiter ohne Reichweitenangst. Zwar bietet die Fahrstufe B keine einstellbare Rekuperation und somit kein One-Pedal-Driving, doch der Verbrauch überrascht positiv. Wie schon beim kürzlich getesten Fiat 600 mit gleicher Technik ist eine 12 vor dem Komma ohne Probleme machbar. 

Reichweite, Verbrauch und Preis

Opel nennt als Werksangabe 14,2 bis 14,6 kWh auf 100 Kilometer. Das ist realistisch: Nach einer gut 80 Kilometer langen Runde über Landstraßen und Autobahn standen 14,5 kWh auf unserem Bordcomputer. Aufgeladen werden kann mit 11 kW an der Wallbox oder mit bis zu 100 kW am Schnelllader. Eine Wärmepumpe hat jeder Elektro-Corsa serienmäßig.

Übermäßig viele Extras gibt es übrigens beim ab Werk gut ausgestatteten GS Long Range nicht. Wer mag, bekommt eine Alcantara-Ausstattung, ein Werks-Navi oder ein Panorama-Sonnendach. 38.045 Euro ruft Opel für den GS auf, die namenlose Basis mit weniger Leistung kostet 34.650 Euro.

Auch mit den noch vorhandenen Prämien eine stolze Summe, doch angesichts der rasanten Entwicklung bei E-Autos lohnt sich eher ein Leasing über drei Jahre. Hier hat Opel zwar ein Leasingangebot geschnürt, dass bei Elektro und Verbrenner nominell gleich ist. Doch der Corsa Electric hat weniger Laufleistung im Kleingedruckten stehen.

Fazit:

Mit der Modellpflege hat Opel den Corsa optisch wie technisch verfeinert. Die neue Long-Range-Version des Corsa Electric könnte für Fans dieser Antriebsart und des kleinen Formats das perfekte Elektroauto für den Alltag sein. In jedem Fall ist der Corsa nun bestens gerüstet für neue Konkurrenz wie den Renault 5 oder den etwas größeren, aber in der Basis preiswerteren Volvo EX30.

Bildergalerie: Opel Corsa Electric (2023) im Test

Opel Corsa Electric GS Long Range (2023)

Leistung 115 kW (156 PS)
Max. Drehmoment 260 Nm
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 8,1 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h (elektronisch abgeregelt)
Länge 4.061 mm
Breite 1.765 mm
Höhe 1.435 mm
Kofferraumvolumen 267 - 1.042 Liter
Leergewicht 1.544 kg
Batterie 51 kWh (netto)
Elektrische Reichweite bis zu 405 km
Ladeanschluss AC (bis 11 kW), DC (max. 100 kW)
Aufladezeit 3 Std 10 Min. (AC, 11 kW, dreiphasig), ca. 30 Min. (DC, bis 80 Prozent)
Verbrauch 14,2 - 14,6 kWh/100 km (WLTP)
Basispreis 38.045 Euro (Stand Oktober 2023)