Niedrigere Kosten und ohne Lithium: Das sind die Hauptvorteile von Natrium-Ionen-Batterien. Nun investiert Stellantis in einen Spezialisten für die neue Batteriechemie: die Firma Tiamat aus Frankreich.

Das Kapital will Tiamat für den Bau eines Natrium-Ionen-Batteriewerks in Frankreich verwenden. Dieses soll zunächst Akkus für Elektrowerkzeuge und stationäre Energiespeicher produzieren, später aber "Komponenten der zweiten Generation für BEV-Anwendungen", wie sich Stellantis ausdrückt – also wohl Elektroauto-Batterien.

 

Tiamat ist ein Spin-off der französischen Forschungsinstitution CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique). Die Firma hat kürzlich 150 Millionen Euro mit einer Fundraising-Kampagne eingetrieben. Die Stellantis-Investition gehört zu diese Summe, wie Reuters berichtet. Demzufolge hat Stellantis nicht allzu viel Geld gegeben.

Tiamat ist laut Stellantis "das erste Unternehmen weltweit, das kürzlich die Natrium-Ionen-Technologie in einem elektrifizierten Produkt kommerzialisiert hat". Dabei dürfte es sich allerdings um einen Akkuschrauber (französisch tournevis) handeln:

 

Die Natrium-Ionen-Technologie ist vor allem für die niedrigen Kosten pro Kilowattstunde bekannt. Das macht die Technologie vor allem für Kleinwagen und Einstiegsmodelle interessant, und da ist Stellantis mit der neuen Smart Car Platform sehr engagiert. Dort wird allerdings bisher das ebenfalls günstige Lithium-Eisenphosphat (LFP) eingesetzt.  

Ein weiterer Vorteil ist die leichte Verfügbarkeit von Natrium. In der Liste der häufigsten chemischen Elemente in der Erdhülle (Wikipedia) steht es an 6. Stelle und damit weit vor Lithium (27. Platz). Außerdem ist Natrium leicht zu gewinnen – entweder durch den bergmännischen Abbau von Steinsalz oder durch Verdunsten von Meerwasser. Auf Letzteres bezieht sich wohl auch der Firmenname: Tiamat ist laut Wikipedia der Name einer babylonischen Salzwasser-Gottheit.

Zu den Nachteilen von Natrium-Ionen-Batterien gehört die geringere Energiedichte im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien. Dies soll laut Tiamat durch eine bessere Schnellladefähigkeit ausgeglichen werden.

Völlig neu und einzigartig ist die Tiamat-Technik allerdings nicht. So hat zum Beispiel der chinesische Hersteller CATL schon eine Natrium-Ionen- Batterie vorgestellt und der JAC Hua Xianzi hat bereits eine Natrium-Ionen-Akku an Bord. Auch Dacia-Chef Denis Le Vot sprach bereits einmal über den möglichen Einsatz von Natrium-Ionen-Technik in einem Elektro-Sandero.

Außer für die Natrium-Ionen-Technik engagiert sich Stellantis auch für Festkörperbatterien (gemeinsam mit Factorial Energy) und für die Lithium-Schwefel-Chemie (mit Lyten Inc.). Darüber hinaus hat sich der Konzern durch Liefervereinbarungen Batterierohstoffe für seine Elektroautos gesichert, die bis 2027 reichen sollen und will sich etwa 400 GWh Batteriekapazität sichern. 

Zu Stellantis gehören 14 Automarken: Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroen, Dodge, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, Peugeot, Ram und Vauxhall. Für viele dieser Marken ist schon ein Datum für den Verbrenner-Ausstieg bekannt. So will DS schon 2024 zur reichen Elektro-Marke werden, Lancia ab 2026, Alfa Romeo sowie Abarth und Fiat folgen 2027 (in Europa), Opel ab 2028, während sich Peugeot bis 2030 Zeit nimmt. Ende des Jahrzehnts will auch der Konzern als Ganzes in Europa nur noch BEVs anbieten. 

Unterm Strich

In der Elektroauto-Welt ist die Lithium-Ionen-Batterie mit NMC-Chemie (Nickel, Mangan und Cobalt) vorherrschend, Lithium-Eisenphosphat (LFP) ist im Kommen. Aber Akkus kann man aus allen möglichen Materialien machen, von Blei über Zink bis zu Cadmium und Schwefel. Im Endeffekt zählen neben der Spannung, die durch die "reine" Elektrochemie gegeben ist, auch viele technische Parameter, darunter Energiedichte, Zyklenfestigkeit und Schnelladefähigkeit. Vermutlich wird es künftig je nach Einsatzzweck verschiedene Batteriechemien geben.