Im Februar hieß es, die chinesische Elektro-Marke HiPhi stelle ihre Auto-Produktion für ein halbes Jahr ein. Die Auszahlung der Januargehälter wurde auf Ende Februar verschoben, außerdem drohten Gehaltskürzungen. Nun gibt es Medienberichte aus China, wonach die angeschlagene Luxusmarke von Avatr übernommen werden könnte. Angeblich soll die Fertigung noch diesen Monat wieder starten.

Ähnlich wie Fisker, Next.eGo.Mobile oder Electric Brands stand wohl auch HiPhi kurz vor der Insolvenz. Doch nun ist Abhilfe in Sicht, schreibt CarNewsChina unter Berufung auf mehrere Artikel aus China.

Schon im Februar gab es Gerüchte über einen Besuch von HiPhi-Chef Ding Lei bei Avatr-Miteigentümer Changan. Changan werde 51 Prozent von HiPhi übernehmen, hieß es damals gerüchteweise. Changan-Insider sagten allerdings, die Berichte seien nicht korrekt und die Gespräche seien noch im Gange.

Nun scheint es jedoch so, als hätten die Unterredungen Erfolg – zumindest bestreiten die Beteiligten die Übernahme nicht. HiPhi wollte die Ankündigung gegenüber der chinesischen Presse nicht bestätigen, war aber bereit, eventuelle Interviewwünsche an die entsprechenden Firmenabteilungen weiterleiten. Avatr antwortete mit dem verschwurbelten Satz: "Nach internem Verständnis verfügen wir derzeit nicht über diese Informationen."

Avatr 12 bei der Enthüllung: Das Exterieur

Der Avatr 12 bei der Enthüllung im Umfeld der IAA 2023 in München

Avatr begann als Joint Venture zwischen Changan und Nio. Nachdem sich Nio aufgrund finanzieller Probleme zurückzog, trat Batteriehersteller CATL in das Gemeinschaftsunternehmen ein. Derzeit hält Changan 41 Prozent der Anteile, CATL 14 Prozent, die Chongqing Chengan Foundation 11 Prozent; der Rest verteilt sich auf diverse Investmentgruppen. Das Joint Venture bietet derzeit nur das SUV Avatr 11 (gesprochen "one-one") und die Fünf-Meter-Limousine Avatr 12 an, die wir auf der letzten IAA begutachten konnten. 2024 sollen noch die Modelle Avatr 15 und 16 hinzukommen. HiPhi betreibt am Münchner Flughafen eine Repräsentanz.

HiPhi-Gründer Ding Lei hatte Ende Februar gesagt, dass HiPhi höchstens drei Monate für eine Rettung blieben. Damit wäre noch bis Ende Mai Zeit, den Deal abzuschließen. Ob HiPhi als Marke und ihre Automodelle die Übernahme überleben, bleibt abzuwarten. Denn auch Avatr tritt im Premiumsegment an.

Außerdem könnten Unterschiede in der Unternehmenskultur zum Problem werden: Während Avatr mehr oder weniger eine staatliche Firma ist, handelt es sich bei HiPhi um ein privates Start-up. Auch die Marke Byton sei nach der Übernahme durch den staatlichen FAZ-Konzern verschwunden, argumentiert CarNewsChina. 

Unter dem Strich

Am chinesischen Automarkt geht es derzeit drunter und drüber. Denn eine Nachfrageschwäche bei Elektroautos trifft auf Produktions-Überkapazitäten und eine riesige Zahl an Elektroauto-Marken. So geraten nun offenbar auch Marken wie HiPhi in Schwierigkeiten, die schon auf dem Sprung nach Europa waren. Doch das Unternehmen und vielleicht auch die Marke könnte von Changan bzw. Avatr übernommen werden, wenn die neuesten Gerüchte stimmen. 

Bildergalerie: HiPhi Y (2024)