Gerüchte gab es bereits, doch nun kündigt Lancia ihn offiziell an: den Ypsilon HF. Die Sportversion des neuen Elektro-Kleinwagens soll im Mai 2025 die Baureihe nach oben erweitern. Statt den 115 kW der Normalversion (bekannt von den zahllosen anderen Stellantis-Modellen auf Basis des eCMP-Baukastens) hat sie 177 kW.

Wer sich bei den genannten 177 kW an irgendetwas erinnert fühlt, täuscht sich nicht: Das ist die gleiche Leistung wie beim Abarth 600e. Und wie beim Alfa Romeo Junior Elettrica 240. Der Lancia braucht damit 5,8 Sekunden für den Normsprint, der Alfa 6,0 Sekunden, der Wert für den Abarth wurde noch nicht genannt. Hinzu kommen beim HF-Modell noch eine tiefergelegte Karosserie, eine verbreiterte Spur sowie eine muskulöse Formensprache. Bisher gibt es allerdings nur ein Bild von der Front (unser Titelbild), kein einziges vom Heck, dafür aber ein Detailbild:

Lancia Ypsilon HF (2024)

Außerdem zeigt Lancia noch Bilder vom Interieur, das sich allerdings (abgesehen vom HF-Logo am Lenkrad) nicht spektakulär vom Inneren der Serienversion unterscheidet:

Lancia Ypsilon HF (2024): Das Interieur

Lancia Ypsilon HF

Lancia Ypsilon Edizione Limitata Cassina (2024): Das Interieur

Lancia Ypsilon Edizione Limitata Cassina

Der Ypsilon HF soll im Mai 2025 starten, also im gleichen Jahr wie der normale Ypsilon, denn auch dieser kommt in Deutschland erst 2025 auf den Markt. Ob die Sportversion vor der normalen Variante auf den Markt kommt oder gleichzeitig oder gar erst danach, lässt Lancia offen. 

Der Sport-Ypsilon soll das erste Exemplar eine Reihe von HF-Fahrzeugen sein: Auch für die geplanten Modelle Gamma und Delta sind HF-Versionen geplant. Das Zwei-Buchstaben-Kürzel HF steht für High Fidelity (hohe Treue) und lässt sich bis zum Genfer Autosalon 1960 zurückverfolgen. Damals gründete sich ein Club von Autofans; mit dem Vereinsnamen betonten die Mitglieder offenbar ihre Treue zur Marke Lancia.

Kurze Zeit später erschien das Kürzel HF auf Sportwagen von Lancia. Im Februar 1963 gründeten Rennfahrer und Fans ein Rennteam mit dem Namen HF Squadra Corse Lancia. Das Logo bestand aus den weißen Großbuchstaben HF auf schwarzem Grund, mit vier roten Elefanten als Maskottchen. Darunter befand sich der "Squadra Corse"-Schriftzug in Weiß auf rotem Grund.

Der Elefant soll schon 1953 im Umfeld von Lancia aufgetaucht sein. Angeblich verwendete Gianni Lancia (1924-2014), der Sohn von Firmengründer Vincenzo Lancia (1881-1937) und zu dieser Zeit Geschäftsführer des Unternehmens, einen Elefanten als Glücksbringer. Ausschlaggebend für diese Wahl soll der Gedanke gewesen sein, dass Elefanten nicht zu stoppen sind, wenn sie erst einmal in Bewegung sind.

Neben dem Ypsilon HF präsentierte Lancia auf der heutigen Online-Pressekonferenz (siehe Youtube-Video ganz unten in diesem Artikel) noch drei weitere Neuheiten. Die Partnerschaft mit dem italienischen Luxusmöbelhersteller Cassina war allerdings bereits bekannt. Auch die neuen Finanzierungen für den Lancia Ypsilon dürften weniger interessant sein, da das Auto bei uns erst nächstes Jahr startet. Zudem gab es einen Ausblick auf den Lancia Ypsilon Rally 4 HF für Fans des fossilen Rennsports:

Lancia Ypsilon Rally 4 HF (2024)
Lancia Ypsilon Rally 4 HF (2024)
Lancia Ypsilon Rally 4 HF (2024)

Es handelt sich um einen Verbrenner mit 1,2-Liter-Turbobenziner, drei Zylindern und rund 156 kW (212 PS). Ein Fünfganggetriebe überträgt die Kraft auf die Vorderräder; außerdem hat das Auto ein mechanisches Sperrdifferenzial. Antreten soll der Wagen in der Rally4-Kategorie, einer Klasse für Nachwuchspiloten.

Unter dem Strich

Stellantis klont munter weiter: Den Abarth 600e gibt es künftig nicht nur als Alfa Junior 240 Elettrica 240, sondern auch als Lancia Ypsilon HF. Gleicher Antriebsstrang, andere Optik. Für Technikinteressierte wie uns ist das ziemlich öde, aber der Kundschaft gefällt es offenbar.  

Die Pressekonferenz von Lancia sehen Sie hier: