Kürzlich beim Abendessen beim Test-Event zum Audi Q6 e-tron: Ein Kollege meinte, auf der Autobahn wäre man mit einem Verbrenner kostenmäßig immer noch besser dran als mit dem Elektroauto. Wir haben uns gefragt: Stimmt das? Wir haben nachgerechnet anhand von drei Modellen, die es mit beiden Antrieben gibt.

Beginnen wir mit dem Modell, das der Kollege im Sinn hatte: dem Audi Q8. Es gibt ihn mit Benziner, mit Diesel, als PHEV und als Elektroauto. Vergleichen wir den stärkeren der beiden Selbstzünder mit 210 kW mit dem 250 kW starken Basismodell des Audi Q8 e-tron.

Audi Q8 e-tron (2023): Das Exterieur

Audi Q8 e-tron: 15,7 Euro/100 km auf der Autobahn

Audi Q8 Facelift (hier als PHEV)

Audi Q8: 16,2 Euro/100 km beim 210-kW-Diesel

Beim Q8 50 e-tron gibt Audi im Konfigurator den Autobahn-Verbrauch nach WLTP mit 22,7 kWh/100 km an. Für die Kilowattstunde zahlt man an der Ionity-Säule 69 Cent. Das ergibt Stromkosten von 15,7 Euro je 100 km.

Für den Q8 50 TDI nennt Audi einen Autobahnverbrauch von 8,1 Liter/100 km. Ein Liter Diesel kostet laut ADAC derzeit durchschnittlich 1,66 Euro pro Liter, aber nicht an der Autobahn-Tankstelle. Der erwähnte Kollege veranschlagte hier 2,20 Euro, aber nach einer ADAC-Untersuchung von 2023 ist der Sprit an der Autobahn "nur" rund 20 Prozent teurer. Demnach zahlt man etwa 2 Euro je Liter. Damit liegen die Spritkosten hier bei 16,2 Euro je 100 km. Hier hat sich der Kollege also getäuscht: Das Dieselmodell verursacht geringfügig höhere Kosten.

Hyundai Kona Elektro (2024): Das Exterieur

Hyundai Kona Elektro 160 kW: 10,2 Euro/100 km

Hyundai Kona (2023) als Verbrenner

Hyundai Kona 146 kW FWD: 12,6 Euro/100 km

Sehen wir uns nun den Hyundai Kona an; einen Diesel gibt es hier nicht, also ziehen wir einen Benziner heran. Leistungsmäßig am nächsten beieinander liegen das stärkere Modell des Hyundai Kona Elektro mit 160 kW (218 PS) und der Kona 1.6 T-GDI 7DCT FWD mit 146 kW (198 PS). Da der Hersteller keine Autobahnwerte angibt, verwenden wir die kombinierten WLTP-Verbräuche: Die Stromvariante benötigt mindestens 14,8 kWh/100 km, der Verbrenner mindestens 6,3 Liter. Das ergibt 10,2 Euro Stromkosten und 12,6 Euro Benzinkosten. Auch hier gewinnt also der Stromer.

Opel Corsa Electric (2023)

Opel Corsa Electric mit 100 kW: 10,9 Euro/100 km

Opel Corsa (2024) als Verbrenner

Opel Corsa mit 100 kW: 9,20 Euro/100 km

Unser letztes Vergleichspärchen sind zwei Varianten des Opel Corsa. Den Kleinwagen gibt es als Corsa Electric mit 100 kW (136 PS) und als Corsa 1.2 Direct Injection Turbo eDCT mit Mildhybridsystem und ebenfalls 100 kW. Den Autobahnverbrauch gibt Opel nur für den Benziner an, deswegen verwenden wir wieder den kombinierten WLTP-Wert. Beim Stromer liegt er bei 15,8 kWh, der Benziner braucht 4,7 Liter. Das ergibt Stromkosten von 10,9 Euro und Benzinkosten von 9,4 Euro. Hier ist also der Benziner günstiger.

 Unter dem Strich

Sind Elektroautos auf der Autobahn immer noch teurer als Verbrenner? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. In unserer Strichprobe von drei Modellen lag zweimal der Stromer vorne und einmal der Verbrenner.

Unabhängig vom Antrieb dürften kleinere,  aerodynamisch gute Modelle sparsamer sein als dicke Brummer à la Audi Q8. Wobei die dicken Autos natürlich wegen des meist besseren Fahrwerks und der ruhigeren Lage die angenehmeren Langstrecken-Fahrzeuge sind. Hier sind auch die Verbrenner gegenüber den Elektroautos im Vorteil, weil man nun mal schneller tankt als lädt. Aber bei den Kosten ist der Unterschied zwischen Stromer und Verbrenner nicht groß.