Mercedes CLA mit EQ-Technologie: Die ersten Probefahrten
Neuling wird im März vorgestellt und startet im Sommer
Update: Inzwischen wurde der Mercedes CLA vorgestellt. Lesen Sie unseren Artikel dazu.
Der elektrische Mercedes CLA ist bereits in den Grundzügen bekannt; auch zur Technik wurde schon viel verraten. Eigentlich fehlen nur noch die Optik außen und innen sowie die genauen Daten und Preise. Und natürlich Tests. Einen Vorgeschmack geben nun Fahrten am tief verschneiten Timmelsjoch, bei denen Journalisten immerhin auf dem Beifahrersitz Platz nehmen durften. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse der Kollegen zusammen.
Der elektrische CLA wird im März enthüllt und kommt im Sommer auf den Markt, schreibt Autocar. Eine Mildhybridvariante folgt erst Ende 2025. Zur Optik haben wir schon genug geschrieben, und die rot getarnten Autos verraten nicht mehr, als wir schon von den Erlkönigen wissen. Danach wird der CLA die gleichen Proportionen haben wie das Auslaufmodell und vermutlich auch etwa 4,70 Meter lang sein messen. Damit wäre das Auto 25 cm kürzer als der EQE.
Die Sitzposition soll laut Autocar nicht viel höher als beim Verbrennermodell sein; angesichts der ähnlichen Proportionen ist das plausibel. Innen sollen sich wie bei der Studie Displays über die ganze Breite des Armaturenbretts ziehen – der Autocar-Kollege konnte schon kurz unter die Tarnung lugen.
Das Cockpit der Studie Mercedes Concept CLA Class von 2023
Antriebe und Akkus
Bereits bekannt war, dass es Heck- und Allradantrieb geben wird. Hinten arbeitet stets eine 200-kW-Maschine, beim Allradler kommt ein 80-kW-Motor vorne hinzu. Alle Varianten bekommen hinten ein Zweiganggetriebe. Außerdem wussten wir schon, dass es eine 58-kWh-Batterie mit LFP-Chemie und einen 85-kWh-Akku mit NMC-Technik geben wird. Bei Autocar klingt es nach nur zwei Motor-Akku-Kombinationen, wir vermuten jedoch, dass Mercedes mindestens drei anbietet, nämlich eine mit niedrigem Grundpreis, eine mit hoher Reichweite und eine mit Allradantrieb:
| CLA-Basismodell | CLA Long Range | CLA 4Matic | |
| Antrieb | RWD 200 kW | RWD 200 kW | AWD ca. 260-270 kW |
| Akku | 58 kWh (LFP) | 85 kWh (NMC) | 85 kWh (NMC) |
| Reichweite | ca. 450-550 km? | ca. 700-750 km | k.A. |
| Max. Ladeleistung | k.A. | 320 kW | 320 kW |
| Preis | ca. 48.000 Euro? | k.A. | k.A. |
Am Timmelsjoch kam wegen der Schneelage der Allradler zum Einsatz. Dabei wird die vordere Maschine per Disconnect Unit (DCU) entkoppelt, wenn sie nicht gebraucht wird – das kennen wir schon von EQE, EQS etc. Mercedes-Versuchsleiter Markus Kern sagte gegenüber Auto Motor und Sport, die Systemleistung der 4Matic-Variante sei "nicht ganz" so hoch wie die Summe der Motorleistungen, denn man habe das System auf Effizienz optimiert. Seiner Wortwahl nach dürften es vielleicht 260 bis 270 kW sein.
Bildergalerie: Mercedes CLA in roter Tarnung
Fahreindrücke
Fahreindrücke vom Beifahrersitz aus sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, und auf Schnee testet man immer auch die Qualität der Reifen mit, gerade wenn es um Traktion oder Fahrstabilität geht. Mercedes wollte bei den Testfahrten die guten Rekuperationseigenschaften, die Traktion und Beschleunigung bergauf und das gute Fahrwerk zeigen.
Nimmt man das Gas im stärksten Rekuperationsmodus (D-) weg, wird zwar nicht mit den maximalen 200 kW rekuperiert, aber doch sehr stark und bis zum kompletten Stillstand. Dabei wird über beide Achsen rekuperiert und die Steuerung ist so fein, dass das Auto die Spur hält und keine Achse blockiert, was wohl einigen Aufwand bei der Antriebssteuerung erforderte. Selbst bergab auf Schnee reicht im Modus "D-" das rekuperative Bremsen aus. Dann wird offenbar viel sanfter gebremst als mit dem Bremspedal – denn da tritt ruckelnd das ABS in Aktion, das den Wagen auch nicht viel schneller zum Stand bringt.
Gibt man auf Schnee Vollgas, fühlt sich der CLA selbst auf spiegelglatter Fahrbahn noch flott an, und der Wagen kommt nicht aus der Ruhe, so Autocar. Das Fahrwerk wirkte trotz des schwierigen Untergrunds komfortabel; der Autocar-Kollege konnte sich beim Fahren sogar Notizen machen. Dabei verfügte der Testwagen über eine normale Stahlfederung ohne adaptive Dämpfer – Letztere gibt es jedoch optional.
Preise und Rivalen
Autocar erwartet für die 200-kW-Basisversion einen Preis von rund 40.000 Pfund (etwa 48.000 Euro). Damit wäre das Auto etwa 8.000 Euro teurer als die 208 kW starke Einstiegsvariante des Tesla Model 3 (39.990 Euro), die mit rund 58 kWh netto auf bis zu 554 km Reichweite kommt. Mercedes wird versuchen, mit seiner eigenen 58-kWh-Batterie einen ähnlichen Wert zu erreichen.
Helfen wird dabei der niedrige Verbrauch: Mercedes nannte einen Zielwert von 12 kWh/100 km. Wenn das der Fahrverbrauch ohne Ladeverluste ist, wären mit 58 kWh etwa 480 km möglich. Der Tesla liegt bei 13,2 kWh/100 km, allerdings nach WLTP. Dem Tesla voraus hat der Mercedes das 800-Volt-System und das schnelle Laden.
Der von uns vermutete Hecktriebler mit großer Batterie dürfte die angepeilten 750 km WLTP-Reichweite schaffen. Damit würde das Model 3 Long Range RWD mit 702 km Reichweite geschlagen. Tesla verlangt für diese Variante rund 45.000 Euro, VW will etwa 59.000 Euro für den ID.7 Pro S mit 709 km Reichweite. Mercedes wird sich wohl eher an dem VW-Preis orientieren, wenn nicht sogar am 800-Volt-Auto Audi A6 e-tron (mit 210 kW und 600 km Reichweite), den es ab 63.000 Euro gibt.
Der Allrad-CLA mit rund 260-270 kW tritt gegen das Model 3 AWD Long Range AWD an, das 208 kW hinten und 158 kW vorne bei 629 km Reichweite bietet und knapp 50.000 Euro kostet. Wir vermuten, dass sich Mercedes auch hier eher am am größeren VW ID.7 orientieren wird, der als 250-kW-Allradler nach Liste 63.000 Euro kostet. Audi will für den günstigsten Elektro-A6 mit Allradantrieb sogar fast 80.000 Euro.
Unter dem Strich
Unser Bild vom Elektro-CLA wird immer konkreter. Auch wenn Fahreindrücke vom Beifahrersitz aus mit Vorsicht zu genießen sind: Wir glauben gern, dass Mercedes ein komfortables Fahrwerk und eine ziemlich perfekte Antriebs- und Rekuperations-Steuerung verwirklicht hat. Ansonsten gehen wir von drei Elektroversionen aus, weil so drei Zielgruppen abgedeckt werden könnten: Leute mit eher wenig Geld, ausgesprochene Reichweiten-Jäger und die Power-Fans. Ob wir Recht haben, wissen wir spätestens im März, wenn das Auto präsentiert wird.
Quelle: Autocar, Auto Motor und Sport
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