VW, Mercedes etc: Wegen CO2-Grenzwerten drohen hohe Bußgelder
Preissenkungen, Sonderangebote und Pooling als Ausweg?
Eigentlich dachten wir, über CO2-Grenzwerte müssten wir bei InsideEVs nicht berichten. Schließlich sind Emissionen ein Problem der Verbrenner-Welt. Doch das Thema hat großen Einfluss auf den Elektroauto-Markt, denn scharfe CO2-Vorschriften können zu niedrigeren Preisen bei E-Autos führen. Wir versuchen, die wichtigsten Fakten zusammenzutragen.
Für 2025 hat die Europäische Union niedrigere CO2-Emissions-Grenzwerte beschlossen. Sie beziehen sich auf die gesamte Flotte eines Herstellers, Das heißt, die Emissionen werden über die Gesamtheit der von einem Hersteller verkauften Neufahrzeuge gemittelt, und zwar gewichtet nach Verkaufszahlen. Werden die Ziele nicht eingehalten, werden Bußgelder in gewaltiger Höhe fällig. Im Herbst sprach Renault-Chef Luca de Meo von Strafzahlungen von 15 Milliarden für die Hersteller.
Nach den EU-Regeln müssen die CO2-Emissionen von 116 Gramm pro Kilometer im Jahr 2024 auf unter 93,6 Gramm sinken. Doch jedes Fabrikat muss ein anderes Ziel erreichen, das vom Gewicht der verkauften Fahrzeuge abhängt. Wird das Ziel verfehlt, zahlt der Hersteller 95 Euro Strafe pro Gramm über dem Grenzwert. Und zwar pro verkauftem Fahrzeug.
Eine Analyse der Großbank UBS zeigt, wie groß der Abstand zwischen den bisherigen Emissionen und den Zielwerten der EU ist. Danach müsste der Volkswagen-Konzern den Anteil der Elektroautos am Absatz von 13 auf 25 Prozent heben, bei Mercedes müsste er von 18 auf 24 steigen. Nicht so hohe Steigerungen sind bei BMW, Renault und Stellantis nötig. Hier beträgt die Differenz nur wenige Prozentpunkte.
| BEV-Anteil 2023 in der EU |
Nötiger BEV-Anteil im Jahr 2025 |
Differenz | |
| VW-Konzern | 13% | 25% | 12 Prozentpunkte |
| Renault | 11% | 18% | 7 Prozentpunkte |
| Mercedes | 18% | 24% | 6 Prozentpunkte |
| Stellantis | 12% | 15% | 3 Prozentpunkte |
| BMW | 20% | 22% | 2 Prozentpunkte |
| Quelle: UBS via Automobilwoche vom 10. Januar 2025 | |||
Die obigen Daten zeigen noch Werte von 2023; neuere liegen für die EU offenbar noch nicht vor. Außerdem unterscheiden sich die Berechnungen je nach Analyse etwas. So fehlen Stellantis laut einer Auswertung von Dataforce für die Automobilwoche etwa 7 Prozentpunkte. Die UBS dagegen kam auf nur vier Prozentpunkte, weil hier schon das CO2-Pooling mit dem Elektroauto-Anbieter Leapmotor berücksichtigt ist.
Nach der Dataforce-Auswertung müsste Ford seinen europaweiten Elektroauto-Anteil ebenfalls deutlich steigern, und zwar von knapp 5 auf 23 Prozent. Doch hier fallen verkaufsstarke Verbrenner wie Focus und Fiesta weg; stattdessen kommen Elektroauto wie Capri und Explorer hinzu.
Toyota verkauft zwar kaum Elektroautos, profitiert aber davon, dass drei Viertel seiner Verkäufe auf Vollhybride entfallen, die ja ebenfalls deutlich weniger CO2 ausstoßen als reine Verbrenner. Andere Hersteller wie BMW oder Mercedes haben dank starke Plug-in-Hybrid-Verkäufe relativ geringe CO2-Flottenemissionen – denn PHEVs stoßen ja formal nach WLTP-Norm ebenfalls nur wenig von dem Klimagas aus.
Volkswagen will seine Ziele offenbar primär durch Verkaufsförderung erreichen. Dazu gehören Rabatte wie die Kaufprämie und andere Sonderangebote wie die neue Leasing-Aktion für den ID.3. Mercedes könnte sein Ziel durch das so genannte Pooling mit Smart erreichen.
Pooling bedeutet, dass sich mehrere Hersteller zusammentun und ihre Flottenemissionen mitteln lassen. Das lassen sich die Hersteller mit niedrigen Emissionen von den "schmutzigen" Herstellern natürlich mit viel Geld bezahlen. Zwei große Pools wurden bereits angekündigt: Stellantis, Toyota, Ford, Subaru und Mazda wollen einen Pool mit Tesla bilden, während Mercedes sich mit Volvo, Polestar und Smart zusammentun will. Aber der Konkurrenz Geld zu bezahlen, das tut wohl kein Hersteller gerne.
Unter dem Strich
Ob verkaufsfördernde Maßnahmen, Pooling oder Bußgelder: Für Hersteller mit hohen CO2-Emissionen wird es 2025 teuer. Auch das Zusammenstreichen der Verbrenner-Palette und Quersubventionierung der Elektropalette scheuen wohl die meisten Marken. Der VW-Konzern steht angeblich vor Kosten von etwa anderthalb Milliarden Euro. Hersteller mit niedrigen Emissionen, wie Tesla, Smart oder Volvo, profitieren dagegen, weil sie sich das Pooling bezahlen lassen können. So soll Volvo für sich einen Geldsegen von 300 Millionen Euro erwarten.
Doch noch scheinen Hersteller darauf zu hoffen, dass sich die EU milde stimmen lässt und die CO2-Ziele für 2025 verwässert. Ein für die Hersteller kostenloser Ausweg wären neue Subventionen auf nationaler Ebene oder sogar eine EU-weite Förderung, wie sie kürzlich Noch-Kanzler Olaf Scholz angeregt hat. Das aber würde bedeuten, dass letztlich wir als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler dafür zahlen müssten, dass manche Hersteller ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
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