Ferrari dementiert Verzögerung bei zweitem E-Auto, weil es keins gibt
Der Chef persönlich erklärt, dass von zusätzlichen Elektroautos nicht die Rede war
Es sind drei Jahre vergangen, seit Ferrari mit der Ankündigung seines ersten Elektroautos die Hölle zufrieren ließ. Das erste Modell aus Maranello ohne Verbrennungsmotor wird am 9. Oktober im Rahmen des Capital Markets Day offiziell vorgestellt.
Oder so ähnlich, denn genauer gesagt beginnt an diesem Tag ein mehrstufiger Enthüllungsprozess. Zunächst wird das „technologische Herz“ des Fahrzeugs präsentiert. Anfang 2026 folgt dann das „Look-and-Feel des Innenraumkonzepts“, bevor dann irgendwann im gleichen Jahr das vollständige Modell enthüllt wird.
Währenddessen kursieren bereits Gerüchte, dass Ferrari den Start seines zweiten Elektroautos verschoben habe. Reuters berichtete im Juni, das Modell sei nicht nur einmal, sondern gleich zweimal wegen „null Nachfrage“ verzögert worden. Laut Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, soll das zweite Elektrofahrzeug nicht vor 2028 erscheinen. Ferrari-Chef Benedetto Vigna widerspricht dieser Darstellung jedoch. Er betont, dass es ein solches Modell offiziell gar nicht gebe.
Ferrari EV-Testfahrzeug auf Basis der Maserati Levante-Karosserie
In der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen Q2 2025 stellte Vigna klar: „Wir haben nie über ein zweites oder drittes Elektroauto gesprochen.“ Das ergibt Sinn – was nicht angekündigt wurde, kann auch nicht verschoben werden. Was hinter verschlossenen Türen passiert, ist eine andere Frage. Modelle werden regelmäßig intern verzögert oder ganz gestrichen. In diesem Fall hat Ferrari sich jedoch nicht selbst widersprochen. Ob Reuters trotzdem recht hat, bleibt offen.
Vorerst zeigt sich der CEO „sehr zuversichtlich“ hinsichtlich des Erfolgs des ersten Ferrari-Elektroautos und betont, dass es „keine einzige Stunde Verzögerung“ gebe. Vigna erklärte, er habe vor einigen Wochen einen Prototypen auf einer Teststrecke gefahren: „Ich kann sagen, wie begeistert wir vom kommenden Modell sind.“
Weitere Details nannte er nicht. Bisherige Testfahrzeuge nutzten jedoch die Karosserie eines Maserati Levante – was darauf hindeuten könnte, dass es sich nicht um einen klassischen Supersportwagen handelt, sondern um einen Gran Turismo. Ein SUV ist nicht zwingend zu erwarten, trotz der Levante-Optik.
Offizielle Preisangaben gibt es noch keine. Berichten zufolge soll der Einstiegspreis jedoch bei über 500.000 Euro liegen. Es wird ein Modell mit geringer Stückzahl erwartet. Der angebliche Nachfolger – der offiziell nicht existiert – soll hingegen in größerer Stückzahl gebaut werden: Etwa 5.000 bis 6.000 Einheiten über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Ferrari EV-Testfahrzeug auf Basis der Maserati Levante-Karosserie
Ferrari hält weiterhin an seinem Ziel fest, bis 2030 einen Anteil von 40 Prozent Elektrofahrzeugen an den Gesamtverkäufen zu erreichen. Weitere 40 Prozent sollen Hybridmodelle ausmachen. Bleiben lediglich noch 20 Prozent für die reinen Verbrenner.
Während Ferrari an seinem Plan festhält, ab 2026 das erste Elektroauto auszuliefern, hat Konkurrent Lamborghini den Start des Lanzador auf 2029 verschoben. Zudem ist bei diesem Modell weiterhin ein Plug-in-Hybrid mit Verbrennungsmotor möglich. Andere exklusive Marken wie Koenigsegg und Pagani haben erklärt, dass ihre Kunden kein Interesse an Elektroautos zeigen. Auch Mate Rimac, der CEO von Bugatti, erklärte im vergangenen Jahr, dass wohlhabende Kunden derzeit keine elektrischen Hypercars wünschen. Das sei der Grund, warum sich der Nevera trotz zahlreicher Rekorde nur schwer verkaufe.
Ferraris Einstieg in die Elektromobilität dürfte deutlich zurückhaltender ausfallen als beim Nevera – womöglich ist das langfristig der klügere Schritt.
Quelle: Ferrari
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