Tesla: Full Self-Driving (Überwacht) erhält Zulassung in Holland
Das automatisierte Fahren von Tesla macht den Sprung nach Europa. Doch vor der Einführung in Deutschland gibt es noch ein paar Hürden.
Tesla hat in den Niederlanden die Zulassung für Full Self-Driving (Supervised) erhalten. Damit kann diese automatisierte Fahrfunktion im ersten europäischen Land eingeführt werden. Die Funktion soll schon "in den nächsten Tagen" per Over-the-Air-Update in Kundenfahrzeugen installiert werden, schreibt der US-Autobauer.
Nach der niederländischen Bedienungsanleitung folgt das Auto mit aktiviertem System den Kurven der Straße, hält an Kreuzungen an und überquert diese, biegt links und rechts ab, bewältigt Kreisverkehre und ermöglicht das Fahren auf Autobahnen und Schnellstraßen von der Auffahrt bis zur Abfahrt. Im niederländischen Konfigurator ist FSD (Supervised) bereits als Option aufgeführt. Dort kann man zwischen einem Abo für 99 Euro pro Monat und einem Kauf für 7.500 Euro wählen.
In Deutschland ist "Basic Autopilot" serienmäßig; darüber hinaus kann man bei der Bestellung aus zwei Optionen fürs automatisierte Fahren auswählen: "Enhanced Autopilot" (3.800 Euro, mit Autobahnassistent, automatisiertem Spurwechsel, Einparkassistent und automatisiertem Valet-Service) und "Volles Potenzial für autonomes Fahren" (7.500 Euro).
Bei FSD (Supervised), auch FSD (Überwacht) genannt, kann man die Hände vom Lenkrad lassen, solange man das Geschehen konzentriert beobachtet. Das ist laut Tesla "fast überall" möglich, wobei Stadtverkehr und Kreuzungen eingeschlossen sind.
Um das System zu verbessern, wird das sogenannte Fleet Learning unterstützt. Um an diesem Lernen auf Flottenebene teilzunehmen, muss man aktiv zustimmen, dass anonymisierte Daten an Tesla weitergegeben werden. Jeden Tag sammelt Tesla so Fahrdaten von über 500 Jahren Fahrzeit. Diese Daten werden genutzt, um das System über Over-the-Air-Updates zu verbessern. So soll es künftig selbst auf die seltensten Fahrszenarien angemessen reagieren.
Herzstück von FSD (Überwacht) ist ein neuronales Netzwerk, das mit realen Fahrdaten trainiert wurde. Es kann seine Umgebung analysieren und Fahrentscheidungen in Echtzeit treffen. Anstatt sich auf fest kodierte Regeln für jede Situation zu verlassen, lernt das System hinzu.
In seiner jetzigen Form verlangt FSD (Überwacht) die aktive Überwachung durch die Fahrerin oder den Fahrer – ein autonomer Betrieb ist damit nicht möglich. Rechtlich verantwortlich bleibt zu allen Zeiten die Person am Steuer. Bei aktiviertem FSD (Überwacht) sollen Kollisionen bis zu siebenmal unwahrscheinlicher sein als bei Menschen am Steuer. Bis heute wurden damit weltweit über 14 Milliarden Kilometer zurückgelegt.
In den USA ist die Software bereits seit Oktober 2020 im Einsatz; die erste Beta-Version war zunächst nur für Tesla-Beschäftigte und ausgewählte Tester verfügbar. Die Software blieb für dreieinhalb Jahre im Beta-Stadium, bis im April 2024 die Version 12.3.3 als erste vollwertige Variante startete. In den USA erfolgt die Zulassung solcher Systeme durch Selbstzertifizierung; die Behörden prüfen das System erst, während es schon bei der Kundschaft im Einsatz ist. Nach einigen Unfällen und Verkehrsverstößen wird Tesla dort mit Verbraucherklagen und bundesstaatlichen Ermittlungen konfrontiert, so Reuters.
In der EU werden die Systeme dagegen vorab durch die Behörde geprüft. So wurde das Tesla-System in den letzten 18 Monaten von der niederländischen Verkehrsbehörde RDW umfassend getestet. Über 1,6 Millionen Kilometer wurden dabei zurückgelegt. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass FSD (Überwacht) die Verkehrssicherheit erhöht, wie es in einem Statement hieß.
Die europäische Version von FSD (Überwacht) unterscheidet sich von der US-Version, so die RDW. Laut InsideEVs USA gehört dazu, dass in Europa die Einstellungen für eine mögliche Überschreitung des Tempolimits andere sind: Während man in den USA zwischen Profilen (von "Schnecke" bis "Mad Max") wählen kann, kann man in Europa einen "Höchstgeschwindigkeits-Offset" wählen.
BMW bietet etwa beim i5 bereits eine Hands-off-Funktion auf Autobahnen inklusive automatischem Spurwechsel an. Fords BlueCruise-System bietet ebenfalls eine Hands-off-Funktion auf Autobahnen. Die Besonderheit des Tesla-Systems besteht darin, dass es die Hands-off-Funktion praktisch überall anbietet, nicht nur auf der Autobahn.
Aktuell gilt die Genehmigung nur für die Niederlande. Eine Ausdehnung auf die ganze EU ist möglich, wenn die Mehrheit der Mitgliedsländer zustimmt (genauer: wenn im zuständigen Ausschuss die Mehrheit der Stimmen erzielt wird). Wenn die Mehrheit nicht zustande kommt, können sich einzelne Länder entscheiden, das System auf dem eigenen Markt zuzulassen. Tesla peilt nach dem Bericht die Zulassungen in weiteren EU-Ländern für Sommer 2026 an.
Unter dem Strich
Teslas Full Self-Driving (Supervised) ermöglich nach wie vor kein komplett autonomes Fahren. Es handelt sich immer noch um automatisiertes Fahren auf Level 2: Die Person am Steuer muss jederzeit die Kontrolle übernehmen können, darf also zum Beispiel keine Nachrichten auf dem Handy lesen. Dennoch kann FSD (Supervised) mehr als die Systeme von BMW oder Ford, denn es kann auch innerorts und auf Landstraßen genutzt werden. Elon Musk hofft, dass das System-Abo zu einer kontinuierlichen Einnahmequelle wird. Außerdem könnte das System die Nachfrage nach Tesla-Fahrzeugen steigern – schließlich bietet kein anderer Hersteller Gleichwertiges an.
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