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Volvo integriert Google Gemini in die gesamte Flotte

Schluss mit Sprach-Frust: Volvo macht das Auto per KI-Update zum mitdenkenden Beifahrer, der Autofahrer endlich verstehen soll

Google Gemini zieht künftig in alle Volvo-Modelle ein
Bild von: Volvo

Früher glich das Gespräch mit dem eigenen Auto oft dem Versuch, einem sturen Goldfisch die Quantenphysik zu erklären: Man wiederholte denselben Befehl dreimal, nur um am Ende bei maximaler Lautstärke den falschen Radiosender eingestellt zu bekommen. Volvo will diesem Trauerspiel ein Ende setzen: Der schwedische Hersteller spendiert seiner Flotte ein massives Gehirn-Upgrade und integriert die KI Google Gemini in alle aktuellen Fahrzeuge.

Damit soll das Auto vom schwerhörigen Befehlsempfänger zum mitdenkenden Beifahrer aufsteigen. Der Clou an Gemini ist der Abschied von festen Kommandos, denn die KI versteht natürlichen Kontext und komplizierte Anweisungen. Ein Sprachbefehl wie: "Hey Google, schick Sophie eine Nachricht, dass ich mich um 10 Minuten verspäte, und bitte auf Französisch, da sie die Sprache lernt", soll für das System kein Problem mehr darstellen.

Bildergalerie: Volvo EX60 und EX60 Cross Country (2026)

Auch die Reiseplanung wird dialogorientiert. Statt mühsam die Adressen zu diktieren, können Fahrer nach "familienfreundlichen Aktivitäten" am Zielort fragen oder die Suche nach dem perfekten Croissant entlang der Route durch gezielte Rückfragen zu verfeinern. Denn Gemini nutzt Google Maps, um genau das zu finden, was die Insassen wünschen. Mit Fragen wie "Wie sind die Bewertungen?" oder "Gibt es gute Parkmöglichkeiten?" lässt sich das Ziel somit eingrenzen.

Google Gemini hört bei Volvo-Besitzern künftig mit

"Bei Volvo Cars konzentrieren wir uns bei der Entwicklung von Technik darauf, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und sich die Technik an den Menschen anpasst, nicht umgekehrt", sagt Alwin Bakkenes, Leiter der globalen Softwareentwicklung bei Volvo Cars. Das Ziel: Weniger Gefummel am Display, mehr Fokus auf den Asphalt – und damit ein Höchstmaß an Sicherheit.

Dass Volvo seit 2025 der engste Entwicklungspartner von Google im Automobilbereich ist, zahlt sich für die Kunden nun aus – macht sie aber auch zum Teil eines großen digitalen Experiments. Patrick Brady von Google verspricht, dass die Autofahrer von der KI profitieren, weil sie die "Komplexität reduziert, ihre Aufmerksamkeit dort hält, wo sie am wichtigsten ist, und jede Fahrt ein wenig einfacher macht."

Kritisch betrachtet bedeutet das allerdings auch: Ohne Google-Konto und stabile Internetverbindung bleibt das smarte Cockpit ziemlich stumm. Die tiefe Integration sorgt dafür, dass Volvo-Fahrer nun endgültig im Google-Ökosystem wohnen, während sie über die Autobahn gleiten. Datenschutz-Skeptiker dürften bei der Vorstellung eines permanent lauschenden, kontextsensitiven Assistenten im privaten Rückzugsort Auto durchaus die Stirn runzeln.

KI-Intelligenz für Volvo-Modelle ab 2021

Ein fairer Zug der Schweden ist jedoch die Update-Politik. Statt die neue KI nur in teure Neuwagen wie den EX60 zu packen, wird die neue Funktion per Over-the-Air-Update in Millionen Bestandsfahrzeuge eingespielt. Fast alle Modelle ab dem Modelljahr 2021, vom C40 über S60 und V90 bis zum XC90, erhalten die neue Sprachgewalt. Kompatibilität und Verfügbarkeit können allerdings variieren, die Funktionen und Services unterscheiden sich je nach Abonnement.

Damit beweist Volvo, dass ein Auto heute eher ein rollendes Smartphone ist, das mit der Zeit klüger werden kann – vorausgesetzt, man hat das richtige Abonnement und das passende Alter, denn für die Nutzung der KI-Dienste muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Der Rollout startet in den USA, bevor der neue Beifahrer in Kürze auch in europäischen Fahrzeugen Platz nehmen wird.