Fühlt sich das schicke Crossover nach Zukunft an?

Seit dem 15. März 2021 wissen wir wie der Hyundai Ioniq 5 von Kia – der EV6 – aussehen wird. Und auch zahlreiche Details zur Technik lieferte der südkoreanische Hersteller gleich im Zuge der Premiere mit. So wurde verkündet, dass er auf der gleichen Plattform namens E-GMP basieren wird, auf welcher auch der Konzernbruder aus dem Hause Hyundai aufbaut.

Obwohl damit die Rahmenbedingungen für den EV6 eigentlich schon so gut wie feststehen sollten, hebt sich Kia dezent von Hyundai ab: So wird es zwar Heck- oder Allradantrieb geben und geladen wird durch die Bank weg mittels 800-Volt-Technik (damit ist der Ausflug an 350-kW-Schnellladesäulen möglich), aber beispielsweise die Akkus sind mit 58 kW und 77 kW etwas größer als bei der Konkurrenz. Und bereits hier war klar: Hyundai ist nicht gleich Kia und Kia nicht gleich Hyundai.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Der signifikanteste Unterschied erwartete uns dann auch gleich bei den Leistungsabstufungen. Während der Ioniq 5 bei maximal 225 kW Schluss macht mit lustig, wird Kia den EV6 in Zukunft mit bis zu 430 kW Motorleistung anbieten. Das ist schon eine Menge für ein nur 4,68 Meter langes Crossover.

Wir haben hier im Längenvergleich-Hinterkopf, dass Tesla ihr Model Y mit maximal 331 kW, Jaguar den I-Pace mit 294 kW und Skoda den Enyaq iV mit höchstens 225 kW anbietet. Da sind 430 kW (bzw. 585 PS) schon eine gewaltige Ansage an die Konkurrenz, wo man die E-Mobilität etwas mehr über die Vernunftschiene schmackhaft machen will.

EV6 ... der Stinger der Zukunft?!

Kia will damit vor allem eines bezwecken: die EV6-Baureihe äußerst emotional aufladen. Damit geht das Unternehmen in gewisser Weise einen ähnlichen Weg wie einst mit dem Stinger. So werden sich zwar höchstwahrscheinlich nicht viele Menschen für die Topversion EV6 GT AWD (mit übrigens auch 730 Newtonmeter Drehmoment) entscheiden, aber das Modell zeigt uns, zu was die E-GMP-Plattform fähig ist.

Und so wird der EV6 zu einer Art elektrischem "Halo-Car" für die Marke, bevor weitere E-Modelle auf dieser Plattform (insgesamt sieben sollen es werden) auf dieser Erde eintreffen werden.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)
Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Bei dem ersten persönlichen Zusammentreffen wird diese Aura auch im Stand relativ schnell spürbar. Die digitale Tigernase – wie Kia den neuen "Kühlergrill" nennt – und die Front driften dabei zwar ein klein wenig in die Beliebigkeit ab.

Doch das Gesamtpaket aus der flachen und breiten Silhouette und vor allem das aufregend gestaltete Heck mit der durchgehend-geschwungenen Heckleuchte sowie den darunter liegenden Blinkern machen Lust auf mehr. Es entsteht das gleiche Kribbeln wie damals – als man zum ersten Mal einen Blick auf den Jaguar I-Pace werfen konnte. Die VAG-Produkte auf MEB-Basis könnten sich da mal eine Scheibe abschneiden.

Handtasche? Unter die Mittelkonsole ...

Über ausklappbare Türgriffe (im Topmodell klappen diese auch elektrisch) geht es in den Innenraum, wo uns zwei nebeneinander angeordnete 12-Zoll-Displays hinter einem gewölbten Deckglas erwarten, sodass der Eindruck einer durchgängigen Bildschirmeinheit entsteht. Darauf visualisiert Kia alles, was informieren und entertainen soll, in einem überarbeiteten Look.

Die Systeme scheinen flüssig zu laufen und nach einer handelsüblichen Eingewöhnungsphase sollte sich der EV6 darüber recht leicht bedienen lassen. Zumal die wichtigsten Funktionen auf einer darunter angeordneten Touchoberfläche sowie auf der freischwebenden Mittelkonsole immer per One-Touch-Knopfdruck verfügbar gehalten werden.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)
Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Wie bei vielen anderen Herstellern, die jetzt in E-Autos machen, ist auch Kia stolz auf die Verwendung von nachhaltigen Materialien wie PET-Flaschen oder veganem Leder. Vor allem das vegane Leder ist dabei interessant, da es sich tatsächlich wie echtes Rinderleder anfühlt. Sehr angenehm.

Solange Sie auf den vorderen Sitzen Platz genommen haben, wird sich diese angenehme Gefühl auch nicht sehr schnell wegdiskutieren lassen, denn im Großen und Ganzen sind alle Bauteile für ein E-Auto, das sich nicht "Premium" schimpft, schon erstaunlich gut verarbeitet. Das ist Jaguar I-Pace-Niveau. Und über Enyaq oder ID.4.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Auf der Rückbank werden dann aber doch zwei negative Eigenschaften erkennbar. Eine hatte sich bereits beim Exterieur-Rundgang angedeutet: Wenn Sie größere Menschen im Fond transportieren möchten, transportieren Sie lieber keine größeren Menschen im Fond. Die Silhouette sieht nämlich von außen zwar rattenscharf aus, aber irgendwo müssen eben Köpfe rollen.

Und das recht kurze Panorama-Glasdach sowie die flachen Seitenscheiben tragen deutlich weniger zu einem üppigen Raumgefühl bei als die doch sehr gute Beinfreiheit zu den Vordersitzen.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)
Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Der zweite Kritikpunkt könnten die Hartplastik-Sitzschalen des vorderen Gestühls sein, mit deren Optik und Haptik die Passagiere auf der Rückbank dauerhaft konfrontiert werden. Da hilft eigentlich nur eins: Smartphone an die USB-Buchsen in den Seitenwangen anschließen und solange auf das mitgebrachte Handy-Display glotzen, bis die Glücklichen der ersten Reihe die Ankunft verkünden.

Trunk + Frunk = bis zu 1.352 Liter

Deutlich geräumiger wird es im Kofferraum. 520 bis 1.300 Liter sind möglich. Diese Größe erwartet man vom äußeren Anblick auf keinen Fall. Die Rücksitze lassen sich zu einer ebenen Ladefläche umlegen. Für Kleinigkeiten steht darüber hinaus ein sogenannter "Frunk" zur Verfügung. Hier finden noch einmal 52 Liter (bei den 2WD-Modellen) beziehungsweise 20 Liter (bei den 4WD-Modellen und hier im Bild) einen Platz.

Sitzprobe im Kia EV6 (2021)
Sitzprobe im Kia EV6 (2021)

Die Preise starten übrigens bei 44.990 Euro. Damit liegt der Kia auf VAG-Niveau. Die große Batterie verbaut der Hersteller ab 54.990 Euro. Die Auslieferungen beginnen im Herbst und die GT-Version, die mit 3,5 Sekunden schneller auf Tempo 100 sein soll als ein Lamborghini Urus, startet im Winter 2022.

Aber wir finden, man muss nicht unbedingt auf die Topversion warten. Denn eigentlich hat jeder EV6 diesen Halo-Effekt, den sich Kia wünscht. Ein guter Grundstein, um das Ziel zu erreichen, bis 2030 etwa 40 Prozent des Gesamtabsatzes mit E-Autos zu bestreiten.

Und wenn Sie sich jetzt für die technischen Details des Kia EV6 interessieren, finden Sie hier alle aktuellen Infos zu Preisen, Abmessungen, Batteriegrößen, Ladezeiten, Anhängelasten und zu weiteren coolen Features des Modells.

Bildergalerie: Sitzprobe im Kia EV6 (2021)