Das seit 2017 angebotene SUV wird jetzt elektrisch. Geht das gut?

Wie gehen Automobilhersteller an das Thema Elektroauto heran? Schließlich kommt man daran nicht mehr vorbei, ob man nun mag oder nicht. Die einen setzen bekannte Modelle unter Strom, andere entwickeln komplett neue Plattformen und Autos.

Volvo geht beide Wege: Bislang dachte man, Polestar mit dem 2 wäre bei den Schweden für das Thema E zuständig. Aber nun zieht Volvo nach und macht den XC40 zum Elektroauto. Zeit für einen ersten Test!

Optik und Platzangebot

So unterschiedlich Polestar 2 und Volvo XC40 auch wirken mögen, der Antrieb ist der Gleiche. Jedoch mutiert der seit 2017 existente Volvo damit zum Wortungetüm: XC40 Recharge P8 AWD. Wo "Recharge" draufsteht, ist ausschließlich Elektro drin. P8 plus AWD sagt aus, dass hier sehr viel Leistung und ein Allradantrieb vorhanden sind. 

Doch der Reihe nach: Äußerlich unterscheidet den Strom-XC40 nicht viel von seinen Verbrenner-Brüdern. Andere Felgen (19 Zoll) und ein geschlossener Grill, das war es im Wesentlichen. Aber warum auch nicht? Der XC40 sieht noch immer gut aus und andere Marken wie Mercedes oder BMW machen es teilweise kaum anders. 

Apropos gut aussehen: Bald kommt noch ein Volvo C40 Recharge mit der gleichen CMA-Plattform und Technik. Er ist quasi das Sportback-Modell des XC40, dem wir uns nun wieder widmen wollen.

Bildergalerie: Volvo XC40 Recharge P8 AWD (2021) im Test

Zwischen 414 und 1.290 Liter Gepäck passen in den Kofferraum, hinzu kommt beim XC40 Recharge noch ein "Frunk" unter der klassischen Motorhaube mit 31 Liter Volumen. Sehr praktisch, um ein Ladekabel zu verstauen. Nicht ganz so praktisch ist der an sich nobel eingerichtete Innenraum. Man sitzt schön hoch, muss sich aber mit dem Hochkant-Touchscreen des Infotainments herumschlagen. 

Die Menüführung ist nicht intuitiv, manchmal sogar unlogisch. So brauchte ich eine halbe Ewigkeit und ein gefühltes Studium, um Kleinigkeiten im Bordcomputer zu ändern. Eigentlich ist vieles im Cockpit selbsterklärend, wenn eben nur das Infotainment klarer strukturiert wäre. Immerhin, am Platzangebot gibt es nix zu mäkeln.

Leider fehlt aber ein Startknopf, ich muss den Gangwählhebel in R oder D stellen, um losfahren zu können. Hier würde ich mir wünschen, dass klarer ist, wann das Auto wirklich komplett aus ist. Diese Thematik teilt sich der Volvo aber mit dem Polestar 2.

Volvo XC40 Recharge P8 AWD (2021) im Test

Wie fährt er sich?

Nun aber los! Und wie es losgeht! Wie ein Sportwagen saugt der XC40 die Straße in sich auf, von null auf 100 km/h braucht er nur 4,9 Sekunden. Bei Tempo 180 ist aber Schluss, wie es Volvo inzwischen bei all seinen Autos praktiziert. 

Die sehr flotte Note beim XC40 Recharge ist umso erstaunlicher, da der gerade einmal 4,42 Meter lange Wagen satte 2.188 Kilogramm auf die Waage bringt. Sie lesen richtig: Fast 2,2 Tonnen! Für den Schub sorgen wie im Topmodell des Polestar 2 zwei E-Motoren mit zusammen 300 kW (408 PS) Leistung und maximal 660 Newtonmeter Drehmoment. Und zwar aus dem Stand. 

Das fährt sich natürlich schon ziemlich (Sorry!) geil, aber man bekommt den Eindruck nicht los, dass dieser Volvo übermotorisiert ist. Mit Blick auf den Polestar 2 könnte sich aber dahingehend etwas tun, denn diesen gibt es inzwischen auch mit weniger Leistung. Das Grundmodell kommt mit Frontantrieb, 165 kW (224 PS), dazu eine 64 kWh-Batterie und bis zu 440 Kilometer Reichweite.

Volvo XC40 Recharge P8 AWD (2021) im Test

Verbrauch und Reichweite

Unter den Sitzen des XC40 P8 Recharge befindet sich eine Batterie mit 75 kWh nutzbarer Kapazität. Die Reichweite nach WLTP gibt Volvo mit 400 bis 418 Kilometer an. An der von uns genutzten CCS-HPC-Ladesäule zog sich der XC40 mit bis zu 72 kW Leistung seinen Strom. 

Allzu sparsam geht der Volvo nicht mit der Energie um: Im normalen Fahrbetrieb bei kühlen Temperaturen und etwas Autobahn kamen wir auf 28 kWh pro 100 km. Das ergäbe gut 267 Kilometer Reichweite. Der Hersteller selbst gibt übrigens zwischen 23,8 und 25,0 kWh nach WLTP an, was im besten Fall also 315 Kilometer bedeutet. 

Was kostet er?

Weniger Leistung würde also durchaus für weniger Verbrauch und mehr Reichweite sorgen. Und auch den happigen Preis senken: Mindestens 60.900 Euro ruft Volvo für den XC40 Recharge P8 AWD auf, der immerhin fast voll ausgestattet ist. Für gut 10.000 Euro bietet hingegen Tesla ein ähnlich performantes Model 3 mit Allrad an. 

Volvo XC40 Recharge P8 AWD (2021) im Test

Oder nehmen wir den brandneuen Audi Q4 e-tron (4,59 Meter). Als 50 e-tron quattro bietet er zwar "nur" gut 300 PS, ist aber größer und holt mehr Reichweite aus seinem 77-kWh-Akku. Preis: 52.900 Euro. Noch spannender ist der neue Hyundai Ioniq 5 (4,64 Meter), dessen Topversion 306 PS Systemleistung liefert. Dazu 605 Newtonmeter Drehmoment, Allrad und eine 73-kWh-Batterie für gut 480 Kilometer. Er kann auch mit 800-Volt-Technik an 350-kW-Säulen laden.

Natürlich hinken diese Vergleiche ein wenig, sie zeigen aber nur, dass die Konkurrenz für den elektrischen XC40 immer reichhaltiger wird. Und so fragt man sich schon ein wenig, wer ihn denn kaufen soll. Aber was heißt hier kaufen? Sie bekommen den Recharge auch ab 699 Euro Monat in der Langzeitmiete ohne Anzahlung und Schlussrate, nur tanken müssen Sie selbst.

Fazit: 6,5/10

Prinzipiell ist der neue Volvo XC40 Recharge kein schlechtes Auto. Aber er leidet unter seinem Infotainment, dem hohen Gewicht und ist als P8 AWD unserer Ansicht übermotorisiert, wodurch auch der Kaufpreis fast zum Killerkriterium mutiert. Sobald Volvo aber maßvollere Antriebe ergänzt, werden die Karten neu gemischt. 

Volvo XC40 Recharge P8 AWD (2021)

Motor zwei Elektromotoren
Leistung 150 kW (204 PS) pro Motor, gesamt 300 kW (408 PS)
Max. Drehmoment zweimal 330 Nm, gesamt 660 Nm
Antrieb Allrad
Beschleunigung 0-100 km/h 4,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Länge 4.425 mm
Breite 1.863 mm
Höhe 1.647 mm
Kofferraumvolumen 414 - 1.290 Liter plus 31 Liter vorne
Leergewicht 2.188 kg
Zuladung 462 kg
Anhängelast 1.500 kg
Batterie 75 kWh netto
Verbrauch 23,8 - 25,0 kWh/100 km
Elektrische Reichweite 400 - 418 km (WLTP)
Basispreis ab 60.900 Euro