Heck- oder Allradantrieb, bis zu 480 Kilometer Reichweite

Nach mehreren Verschiebungen hat Hyundai nun den Ioniq 5 bei einem Online-Event vorgestellt. Als erstes Modell der Submarke Ioniq auf Basis der Plattform E-GMP ist das Elektro-SUV äußerst wichtig für die Koreaner.

Die Optik ist in den Grundzügen von der Studie Hyundai 45 sowie den Erlkönigbildern vom Nürburgring her bekannt und bietet kaum mehr Überraschungen. Anders ist das mit dem unkonventionellen Cockpit und dem sehr variablen Innenraum. Aber auch das Technikangebot verblüfft mit einigen nicht selbstverständlichen Neuheiten.

Exterieur: Etwa so lang wie der ID.4 

Auf den ersten Blick wirkt das Auto von den Proportionen fast wie eine Schräghecklimousine à la Golf. Bei einer Höhe von stolzen 1,61 Meter kann man den Ioniq 5 aber mit Fug und Recht als SUV oder zumindest Crossover bezeichnen. Mit 4,64 Meter Länge ist der Ioniq 5 etwa so lang wie der VW ID.4 oder der Nissan Ariya, der Radstand von genau drei Metern ist jedoch rund 20 Zentimeter länger – was natürlich ein Plus für das Innenraumangebot ist. 

Technische Daten:

  • Antriebe: 4 verschiedene, mit 125 bis 225 kW, 2WD und AWD
  • Akku: 58 bzw. 73 kWh
  • Reichweite: 470-480 km (bei der Topversion)
  • Maße: 4.635 mm Länge / 1.890 mm Breite / 1.605 mm Höhe / 3.000 mm Radstand
  • Kofferraum: 531-1.591 Liter hinten, vorne 57 Liter (2WD) oder 24 Liter (AWD)
  • Anhängelast: bis 1.600 kg

Das Design soll an den Hyundai Pony von 1975 erinnern, das erste Serienauto der Marke. Uns erinnert es mit seiner Schlichtheit und den angenehm ruhigen Flächen ein wenig an Marken wie VW und Peugeot – was die Designer gern als Kompliment verstehen dürfen. Vorne gibt es eine so genannte Clamshell-Motorhaube; ob das bedeutet, dass sie sich nicht nach vorn, sondern nach hinten öffnet, müssen wir einstweilen offen lassen.

Hyundai Ioniq 5 (2021)

Die Lichtsignatur mit den zwei U in jedem Scheinwerfer vorne und den Rückleuchten in Pixel-Optik ist bereits von den Teaser-Bildern her bekannt. Dasselbe gilt von den ungewöhnlichen Rädern. Seitlich fallen ansonsten noch die bündig integrierten Türgriffe auf. Schön finden wir, dass auch Matt-Lackierungen und Naturtöne angeboten werden.

Innenraum: Verschiebbare Konsole und Fondsitze

Das Cockpit wird geprägt von dem senkrecht abfallenden Armaturenbrett. Daran sind ein 12-Zoll-Instrumentendisplay und ein 12-Zoll-Touchscreen angebracht. Sie liegen direkt nebeneinander, ohne optisch zu verschmelzen wie bei Mercedes. Außerdem verfügt der Ioniq 5 über ein Head-Up-Display mit Augmented-Reality-Funktion, wodurch Navigationshinweise und Warnungen ins Blickfeld des Fahrers projiziert werden.

Hyundai Ioniq 5 (2021)

Die verschiebbare Mittelkonsole kennen wir bereits von Teaser-Bildern. Das Universal Island lässt sich um bis zu 14 Zentimeter nach hinten schieben. Dadurch kann man leichter "durchrutschen", um zum Beispiel auf der Beifahrerseite auszusteigen. Da es zwischen den Frontinsassen keine konventionelle Mittelkonsole gibt, wurde der Wählhebel fürs Getriebe offenbar als Lenkstockhebel ausgeführt.

Nicht nur die Mittelkonsole, auch die Fondsitze sind um knapp 14 Zentimeter längs verschiebbar. Wie üblich lassen sie sich im Verhältnis drei zu zwei umklappen. Der Kofferraum fasst 531-1.591 Liter. Hinzu kommt aber noch ein Frunk (vorderer Kofferraum). Auf den elektrisch einstellbaren Frontsitzen kann man sich zum Beispiel während des Aufladens entspannt weit zurückzulehnen. 

Hyundai Ioniq 5 (2021)

Für den Innenraum gibt es vier Farboptionen. An vielen Stellen wurden umweltfreundliche Materialien verwendet, zum Beispiel aus recycelten PET-Flaschen oder aus Garnen auf Pflanzenbasis (Bio-PET), aus Wolle oder ökologisch verarbeitetem Leder.

2 Akkus und 4 Antriebe

In Sachen Technik kann man zwischen Akkus mit 58 kWh und 73 kWh sowie zwischen Heck- und Allradantrieb wählen. Vier Versionen werden angeboten:

Batterie / Antrieb E-Motor vorne E-Motor hinten 0-100 km/h
58 kWh / RWD - 125 kW / 350 Nm 7,4 Sek.
58 kWh / AWD 53 kW / 255 Nm 120 kW / 350 Nm 6,1 Sek.
73 kWh / RWD - 160 kW / 350 Nm 8,5 Sek.
73 kWh / AWD 70 kW / 255 Nm 155 kW / 350 Nm 5,2 Sek.

Alle Varianten haben einen Heckmotor mit 350 Nm Drehmoment. Bei den Allradvarianten kommt vorne noch ein Motor mit 255 Nm dazu. Die Leistung der Aggregate ist jeweils etwas unterschiedlich, aber immer ist der Heckmotor dominant. Alle Versionen werden 185 km/h schnell, der Normsprint dauert zwischen 5,2 und 8,5 Sekunden.

Die Reichweite der Version mit Heckantrieb und 73-kWh-Batterie soll etwa 470-480 km nach WLTP betragen, die übrigen Reichweiten wurden noch nicht vermeldet. Besonders stolz ist Hyundai auf das "Multi-Ladesystem": Der Ioniq 5 arbeitet wie der Porsche Taycan intern mit 800 Volt. Geladen werden kann er aber sowohl an 800-Volt- wie an 400-Volt-Säulen.

An einer 350-kW-Ladesäule dauert das Aufladen (10 bis 80 Prozent) nur 18 Minuten. Damit liegt der Hyundai auf Augenhöhe mit dem Taycan, bei dem das Laden 22:30 Minuten dauern soll. So genügt ein fünfminütiger Tankstopp, um Strom für 100 WLTP-Kilometer nachzuladen.

Hyundai Ioniq 5 (2021)

Das "vision roof"-Dach besteht komplett aus Glas. Optional gibt es stattdessen ein Solardach, das den erzeugten Strom in die Batterie einspeist, was die Reichweite erhöht und im Stand die Entladung der Batterie verhindert. Unter optimalen Bedingungen soll es eine zusätzliche Reichweite von 2.000 Kilometern im Jahr generieren. 

Außerdem unterstützt der Ioniq 5 das bidirektionale Laden. Das heißt, der Ioniq 5 kann auch Strom an andere Elektrogeräte abgeben. Hyundai bezeichnet dies als Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). So lassen sich zum Beispiel auch E-Bikes oder Elektroroller aufladen. Ein Anschluss dafür befindet sich unter den Fondsitzen, ein weiterer am Ladeanschluss. Der Anschluss innen funktioniert nur bei eingeschaltetem System, der außen auch, wenn das Fahrzeug ausgeschaltet ist. Die gelieferte Maximalleistung liegt bei 3,6 kW.

Sonstige Technik

Neu bei den "SmartSense"-Assistenzsystemen ist vor allem der Highway Driving Assist 2 (HDA 2). HDA 2 steuert mit Hilfe von Frontkamera und Radar sowie Navigationsdaten die Geschwindigkeit und den Abstand und hält das Auto in der Mitte der Fahrspur. Auch beim Spurwechsel kann es unterstützen.

Zu den "Bluelink"-Konnektivitätsdiensten gehören neue Funktionen wie Connected Routing – wobei die Navigationsroute in der Cloud berechnet wird, was zu realistischere Ankunftszeiten führen soll. Das System zeigt bei Ladestationen auch die Verfügbarkeit, die Art des Ladepunkts (AC, DC, Schnellladestation) und die geschätzte Ladezeit an, und zwar in Echtzeit.

Zu den Bluelink-Features gehört auch "Remote Profile Management". Damit lassen sich Fahrzeugeinstellungen wie zum Beispiel die Sitzposition in der Cloud speichern, so dass man sie aus der Ferne verändern kann. Außerdem kann man eine Benachrichtigung erhalten, wenn das Fahrzeug mit unverschlossenen Türen oder offenen Fenstern verlassen wird. Mit der Online-Spracherkennung lassen sich Klimaanlage, Radio, Sitzheizung und Heckklappe bedienen.

Der Totwinkel-Assistent erkennt andere Fahrzeuge per Radar und korrigiert bei Bedarf per Bremseingriff. Er hilft nicht nur beim Spurwechsel, sondern auch beim Ausparken aus der Parallelparklücke. Wenn der Blinker gesetzt wird, erscheinen außerdem Kamerabilder von links und rechts hinter dem Fahrzeug im Instrumentendisplay. Eine Besonderheit ist auch der Safe Exit Assist, der bei entsprechendem Verkehr per Kindersicherung verhindert, dass die hintere Tür geöffnet wird. Mit dem Remote Smart Parking Assist (RSPA) kann der Ioniq 5 zudem ferngesteuert ein- und ausgeparkt werden, und zwar sowohl in Parallel- wie Querparklücken.

Marktstart und Ausblick

Die Preise des Ioniq 5 mit umfangreicher Ausstattung beginnen bei 41.900 Euro. Der Marktstart ist für Frühsommer 2021 geplant. Nach der Einführung will Hyundai sein Elektroauto-Angebot mit der Limousine Ioniq 6 erweitern, allerdings erst 2022. Außerdem wurde schon ein großes SUV namens Ioniq 7 angekündigt.

Konkurrenten des Ioniq 5

Bildergalerie: Hyundai Ioniq 5 (2021)