Polestar 2: Modellübersicht mit allen Daten und Preisen
Warum nur verkauft sich das Auto so schlecht?
Der Polestar 2 wurde in Tests eigentlich immer gut bewertet, auch uns gefiel die Elektro-Limousine. Aber im letzten Jahr verkaufte sie sich so schlecht wie nie: In Deutschland wurden nur etwa 2.300 Stück abgesetzt, während es 2023 noch rund 6.300 und 2022 fast 7.000 waren. Dabei wurden die Preise gesenkt und die Technik nochmal verbessert. Was also stimmt da nicht? Wir sehen uns das Modell nochmal genau an und suchen nach einer Erklärung.
Beginnen wir am Anfang: Der Polestar 2 ist seit 2020 auf dem Markt. Mit einer Höhe von nur 1,48 Metern und 4,61 Meter Länge kann man ihn als fünftürige Schrägheck-Limousine der Mittelklasse einstufen. Technische Basis ist die Compact Modular Architecture (CMA) von Volvo, also die Plattform, die auch den Volvo EX40 und EC40 trägt. Gebaut wird das Auto rund 380 km südlich von Shanghai in einem Ortsteil der Stadt Taizhou.
Bildergalerie: Polestar 2 (2024): Bilder zum Test
Im Frühjahr 2023 bekam der Wagen ein Facelift. Optisch ist die neue Version am fast vollständig geschlossenen Grill erkennbar. Als SmartZone beherbergt sie die Frontkamera und den Radar. Zu den technischen Verbesserungen gehören mehr Leistung und Reichweite; zudem wurden die Single-Motor-Versionen von Front- auf Heckantrieb umgestellt – ein ziemlich einmaliger Vorgang in der Autobranche.
Antriebe und Akkus
Den Polestar 2 gibt es in vier Versionen, darunter zwei Hecktriebler und zwei Allradler. An der Hinterachse wird vermutlich eine Permanentmagnet-Maschine (PSM) eingesetzt. Bei den Allradlern kommt vorne jetzt ein Asynchronmotor (ASM) hinzu. So kann der vordere Elektromotor einfach stromlos geschaltet werden, wenn er nicht gebraucht wird – das spart Strom. Hier die wichtigsten Daten:
| Standard Range Single Motor | Long Range Single Motor | Long Range Dual Motor |
Long Range Dual Motor Perf. Pack |
|
| Antrieb | RWD 200 kW, 490 Nm |
RWD 220 kW, 490 Nm |
AWD 310 kW, 740 Nm |
AWD 350 kW, 740 Nm |
| 0-100 km/h | 6,4 Sek. | 6,2 Sek. | 4,5 Sek. | 4,2 Sek. |
| Höchstgeschwind. | 205 km/h | 205 km/h | 205 km/h | 205 km/h |
| WLTP-Verbrauch | ab 14,9 kWh | ab 14,8 kWh | ab 15,8 kWh | ab 16,8 kWh |
| Batterie netto | ca. 68 kWh | ca. 79 kWh | ca. 79 kWh | ca. 79 kWh |
| WLTP-Reichweite | 554 km | 659 km | 596 km | bis 568 km |
| Preis | 48.990 Euro | 52.690 Euro | 56.990 Euro | 63.490 Euro |
Zwei verschiedene Batterien werden eingesetzt. Ihre Daten sind sehr ähnlich wie bei den Akkus im Plattform-Kollegen EX40. Die Basisversion erhält als einzige den kleinen Akku mit 24 Modulen. Sie speichert 70 kWh brutto und (laut EV-Database) ca. 68 kWh netto. Die drei Long-Range-Versionen haben einen Akku mit 27 Modulen mit 82 kWh brutto oder ca. 79 kWh netto.
Die reichweitenstärkste Version des Polestar 2 ist Single Motor Long Range; diese schafft 659 km. Für die Top Ten reicht das nicht mehr, aber es ist sicher kein schlechter Wert.
Aufladen
Bei der kleineren Batterie soll ein Standard-Ladehub (10-80%) laut Polestar 26 Minuten dauern. Daraus errechnet sich ein recht gutes Ladetempo von 1,8 kWh/min. Die größere Batterie lässt sich mit bis zu 205 kW laden – also mit etwas mehr als die 200 kW, die ein 400-Volt-System mit dem auf 500 Ampere limitierten CCS-Ladeanschluss eigentlich zulässt. Hier werden 28 min Ladedauer angegeben, woraus sich ein sehr gutes Ladetempo von 2,0 kWh/min errechnet. Solche Werte erreichen 400-Volt-Fahrzeuge nur selten.
| Standard Range Single Motor | Long Range Single Motor | Long Range Dual Motor |
Long Range Dual Motor Perf. Pack |
|
| Batterie netto | ca. 68 kWh | ca. 79 kWh | ca. 79 kWh | ca. 79 kWh |
| DC-Ladeleistung | bis 180 kW | bis 205 kW | bis 205 kW | bis 205 kW |
| DC-Ladedauer (10-80%) |
26 min | 28 min | 28 min | 28 min |
| DC-Ladetempo | 1,8 kWh/min | 2,0 kWh/min | 2,0 kWh/min | 2,0 kWh/min |
| WLTP-Reichweite | 554 km | 659 km | 596 km | bis 568 km |
| Reichweite-Nachladen | 14,9 km/min | 16,5 km/min | 16,5 km/min | 16,5 km/min |
Aus der WLTP-Reichweite und der Ladedauer für den Ladevorgang von 10 bis 80 Prozent lässt sich auch errechnen, wie groß die Reichweite ist, die man mit einer Minute Ladezeit hinzufügen kann. Hier ergeben sich für die Varianten mit der großen Batterie ebenfalls gute Werte beim Reichweite-Nachladen von über 16 km/min.
Preise und Ausstattung
Die Einstiegsversion des Polestar 2 gibt es ab knapp 49.000 Euro, die reichweitenstärkste Variante für etwa 53.000 Euro. Die Serienausstattung des Polestar 2 ist umfangreich. Dazu gehören Metallic-Lackierung, 19-Zoll-Alufelgen, LED-Licht, eine sensorgesteuerte Heckklappe, Parkpiepser vorne und hinten, ein 360-Grad-Rundumsichtsystem, elektrisch einstellbare Vordersitze, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Sitzheizung, Tempomat und ein Infotainmentsystem mit Google Maps und Google Assistant.
Konkurrenten
Zu den Rivalen gehören diverse Elektro-Limousinen, darunter das Tesla Model 3 und der BMW i4. Gegenüber dem Tesla haben der Polestar und der BMW den praktischen Vorteil einer großen Heckklappe. Mit dem Model 3 liefert sich der Polestar 2 ein Reichweiten-Duell. Nach dem "Highland"-Facelift schafft das Tesla Model 3 nun bis zu 702 km, der Polestar 2 liegt mit seinen 659 km wieder zurück. Mit maximal 600 km hat der BMW i4 noch weniger Reichweite.
Hier ein kleiner Vergleich der reichweitenstärksten Version mit den wichtigsten Konkurrenten mit den wichtigsten Daten:
| Polestar 2 LR SM | BMW i4 eDrive40 | Tesla Model 3 LR RWD | |
| Antrieb | RWD 220 kW | RWD 250 kW | RWD 235 kW |
| 0-100 km/h | 6,2 Sek. | 5,7 Sek. | 5,2 Sek. |
| WLTP-Reichweite | bis 659 km | bis 600 km | bis 702 km |
| Ladegeschwindigkeit | 2,0 kWh/min | 1,9 kWh/min | ca. 1,9 kWh/min (inoffiziell) |
| Reichweite-Nachladen | ca. 16,5 kWh/min | 14 kWh/min | ca. 18,2 kWh |
| Kofferraum | 405-1.095 Liter (Frunk: 41 Liter) |
470-1.290 Liter | 425, davon 85 Liter Frunk |
| Preis | 52.690 Euro | 60.500 Euro | 44.990 Euro |
Man sieht, dass der Polestar preislich zwischen dem teureren BMW und dem wesentlich günstigeren Tesla liegt. Von den Daten her würden wir uns für das Model 3 entscheiden, doch gegen dieses sprechen der unpraktische Kofferraum und die problematische Bedienung, wobei uns der fehlende Blinkerhebel besonders gestört hat.
Test und Beurteilung
Wir haben den Wagen bereits mehrfach gefahren; zuletzt haben wir im Herbst 2023 den Polestar 2 Long Range Single Motor getestet, also die reichweitenstärkste Variante. Dabei hat uns die starke Rekuperation beeindruckt. Diese lässt sich einstellen, wenn auch leider nur per Touchscreen – Lenkradwippen wären besser. Dafür sind die Einstelloptionen einfach und doch umfangreich. So kann man nicht nur die Bremswirkung beim Freigeben des Gaspedals einstellen, sondern separat davon auch noch den Kriechgang aktivieren oder deaktivieren.
Generell ist die Bedienung des Polestar 2 besonders einfach, was wohl auch dem Google-Betriebssystem zu verdanken ist. So ist die Sprachbedienung über Google Assistant einfach und sehr praktisch. Schick finden wir auch die Google-Earth-Kartendarstellung. Der Antrieb hält sich ehr im Hintergrund; das Auto ist eher ein Gleiter als ein Sportler. Zu den Schwächen gehören die Sitze, die in der Kurve wenig Seitenhalt gewähren.
Polestar 2 (2024): Der Kofferraum
Außerdem ist das Raumangebot eher mau; so könnten größere Erwachsene im Fond Probleme bekommen. Der Kofferraum ist wegen der großen Heckklappe zwar um Längen besser nutzbar als beim Model 3, aber das schräg abfallende Heck erschwert den Transport größerer Dinge.
Warum verkauft er sich nicht?
Gute Reichweite, gute Lademodalitäten, große Heckklappe, gute Ausstattung, sehr gute Bedienung und unserer Ansicht nach ein schickes Design: All das klingt positiv. Warum also verkauft sich der Polestar 2 so schlecht? 2.300 Stück im Jahr 2024 sind wahrlich nicht viel.
Der recht hohe Preis dürfte eine Rolle spielen. BMW verlangt zwar noch mehr, aber Image und Bekanntheit der Marke sind eben doch deutlich höher als bei Polestar. Tesla hat wohl kein so gutes Image, verlangt aber auch viel weniger.
An einer stärker gewordenen Konkurrenz kann es eigentlich nicht liegen. Nennenswerte neue Elektro-Limousinen sind nicht auf den Markt gekommen, und auch die Hauptkonkurrenten haben von ihren Eigenschaften her keinen Sprung nach vorne gemacht.
Der Rivale BMW i4 verkaufte sich 2024 ebenfalls schlechter als 2023, aber hier schrumpfte die Stückzahl nur von etwa 13.000 auf rund 10.000. Das kann man mit der allgemeinen Schwäche des Elektroauto-Markts erklären: 2024 wurden in Deutschland 27 Prozent weniger Stromer verkauft. Beim Model 3 dagegen sank der Absatz ähnlich dramatisch wie beim Polestar 2: von fast 16.000 im Jahr 2023 auf nur noch 7.000 Stück. Hier könnte die seit dem Facelift Ende 2023 problematische Bedienung eine Rolle gespielt haben.
Aber vielleicht wollen auch immer mehr Leute lieber ein Elektro-SUV? Weil der Innenraum des Polestar 2 eben doch vergleichsweise klein ist, und weil man in ein SUV bequemer einsteigt? Dann könnten die neuen Modelle Polestar 3 und 4 sowie der später startende Polestar 7 der Marke helfen.
Eine Rolle könnte auch das Vertriebsmodell von Polestar spielen. Die Marke verkauft ihre Autos bislang nur über das Internet. Die Polestar Spaces scheinen primär dazu zu dienen, dass man sich den Wagen ansehen und sich mal hineinsetzen kann. Aber man wird nicht angesprochen, nicht zum Kauf gedrängt. Ein sympathischer Ansatz eigentlich, aber vielleicht würde ein etwas offensiveres Vorgehen mehr Erfolg bringen. Polestar will jedenfalls den Vertrieb verbessern, wie die Automobilwoche schreibt. So soll man das Auto künftig auch direkt beim Händler kaufen können.
Technische Daten des Polestar 2
- Heckantrieb mit 1 PSM oder Allradantrieb mit zusätzlich ASM vorne
- Systemleistung / Systemdrehmoment: 200, 220, 310 od. 350 kW / 490 od. 740 Nm
- 0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit: 6,4 bis 4,2 Sek. / 205 km/h
- WLTP-Stromverbrauch: 14,8-17,2 kWh/100 km
- Akku / WLTP-Reichweite: 70 bzw. 82 kWh brutto / 554-659 km
- Ladeleistung: bis 11 kW AC, bis 180 bzw. 200 kW DC
- DC-Ladedauer(10-80%): 26 bzw. 28 min
- Maße: 4.606 mm Länge / 1.985 mm Breite (inkl. Spiegel) / 1.479 mm Höhe / 2.735 mm Radstand
- Kofferraum: 405-1.095 Liter (Frunk: 41 Liter)
(Stand: 27. Januar 2025)
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