Die Plätze in unserer Top-Ten-Liste der Elektroautos mit der größten Reichweite sind hart umkämpft; die Reihenfolge ändert sich alle paar Wochen. Nach unserem letzten Update im August war es nun höchste Zeit für eine Aktualisierung.

Das Elektroauto mit der größten Reichweite ist nach wie vor der Mercedes EQS 450+ mit 783 Kilometern nach WLTP-Norm. Auf Platz 2 liegt der Mercedes EQE, dessen Maximalreichweite seit August von 639 auf 645 km stieg. Die maximale Reichweite des Ford Mustang Mach-E schrumpfte dagegen von 610 auf 600 km – offenbar, weil die entsprechende Version nun mehr Ausstattung hat. Dass der Ford von Platz 3 auf Rang 6/7 abrutschte, liegt aber nicht nur daran.

Vor den Ford schoben sich zwei BMWs: Die Reichweitenangabe für den iX xDrive50 wurde von 605 auf 630 erhöht, und der völlig neue BMWi7 schafft bis zu 625 km. Aber auch das Tesla Model 3 wanderte nach vorne, weil die Version mit 18-Zöllern im Konfigurator mit 626 km angegeben wird (mit den standardmäßig ausgewählten 19-Zöllern sind es nur 602 km). 

Platz 6/7 geht an das Tesla Model S Plaid; es teilt sich den Platz mit dem Ford Mustang Mach-e, der ebenso weit kommt. Dann folgt der BMW i4. Neu hinzu kam der Nio ET7, der mit der großen Batterie 580 km schafft. Auf dem zehnten Platz liegt mit dem VW ID.3 wieder ein alter Bekannter. Aus der Liste fallen nun der Cupra Born (550 km), der Skoda Enyaq 80 (544 km) und der VW ID.5 (534 km).

Schon zuvor aus den Top Ten rutschten das Tesla Model Y (533 km) und der Mercedes EQA 250+ (531 km). Das Model X Plaid schafft es mit 528 km ebenfalls nicht unter die Top 10. Zu den nächsten Änderungen dürfte der Lightyear One gehören, der 625 km nach WLTP schaffen und noch im November starten soll. Für Anfang 2023 angekündigt sind der Mercedes EQE SUV (bis zu 590 km) und der Audi Q8 e-tron Sportback (bis zu 600 km). Kandidaten für unsere Liste sind auch der Lotus Eletre (600 km), der Polestar 3 (610 km) und der Volvo EX90 (600 km), die allesamt 2023 auf den Markt kommen sollen. 

 
Rang Modell Modellvariante Reichweite Batterie (netto)
1 Mercedes EQS Mercedes EQS 450+ 783 km 108 kWh
2 Mercedes EQE Mercedes EQE 300 und EQE 350 645 km 89 kWh
3 BMW iX BMW iX xDrive50 630 km 105 kWh
4 Tesla Model 3 Tesla Model 3 Long Range 18-Zoll 626 km ca. 77 kWh
5 BMW i7 BMW i7 xDrive60 625 km 102 kWh
6/7 Ford Mustang Mach-e Ford Mustang Mach-e RWD Extended Range 600 km 91 kWh
6/7 Tesla Model S Tesla Model S Plaid 600 km k.A.
8 BMW i4 BMW i4 eDrive40 589 km 81 kWh
9 Nio ET7 Nio ET7 100 kWh 580 km 100 kWh
10 VW ID.3  VW ID.3 Pro S 556 km 77 kWh

1. Mercedes EQS: 783 km Reichweite

Das Elektroauto mit der größten Reichweite ist der Mercedes EQS. Die Version EQS 450+ kommt mit bis zu 783 km nahe an die 800-km-Grenze heran. Dabei helfen ihr die große 108-kWh-Batterie, eine gute Aerodynamik und der Heckantrieb. Durch das Weglassen eines Frontmotors ist der EQS 450+ noch sparsamer als die Allradversionen. Auch die schaffen aber bis zu 696 km.

Mercedes EQS 450+: Ansicht von schräg vorne
Mercedes EQS 450+: Das Cockpit

2. Mercedes EQE: 645 km Reichweite

Auf Rang zwei unserer Reichweiten-Top-Ten folgt der Mercedes EQE, dessen reichweitenstärksten Versionen der EQE 300 und 350 sind. Die offizielle Reichweite laut Preis liste stieg kürzlich von 639 auf 645 km. Anders als beim EQS ist hier zwar nur ein 89-kWh-Akku an Bord, aber dafür ist der EQE kleiner und leichter. Wie beim großen Bruder haben auch hier die schwächeren Versionen mit Heckantrieb den größten Aktionsradius.

3. BMW iX: 630 km Reichweite

Der BMW iX in der Version iX xDrive50 ist in der Preisliste nun nicht mehr mit bis zu 607, sondern mit maximal 630 km angegeben, was ihn von Platz 4 auf Platz 3 hochbringt. Dort war er schon einmal; die 630 km sind offenbar der Wert für die Basisausstattung, die zeitweise nicht verfügbar war – mehr Ausstattung bedeutet eben meist auch weniger Reichweite.

4. Tesla Model 3: 626 km Reichweite

Bei Tesla müssen wir einen Fehler gestehen: Wir übersahen bisher, dass im Konfigurator eine größere Reichweite angezeigt wird, wenn man statt der standardmäßig selektierten 19-Zöller die 18-Zoll-Räder wählt. Das bringt den kleinsten Tesla von 602 auf 626 km und damit von Platz 5 auf Platz 4. Den Stromverbrauch der Long-Range-Version gibt Tesla mit rekordverdächtigen 14,7 kWh/100 km an. Das reichweitenstärkste Modell ist hier mal nicht der Hecktriebler, der schafft nur 491 km (vermutlich wegen einem kleineren Akku). 

5. BMW i7: 625 km Reichweite

Gerade mal einen Kilometer hinter dem Tesla Model 3 landet der BMW i7. Das Flaggschiff startete diesen November und schafft in der Basisversion (das heißt ohne viel Ausstattung) 625 km mit einer Ladung. Möglich wird das durch einen 102 kWh großen Akku.

6/7. Ford Mustang Mach-e: 600 km Reichweite

Auch Ford hat mit dem Mustang Mach-E ein gutes Pferd im Stall, wenn dieser Kalauer gestattet ist. Die Extended-Range-Version mit 91 kWh nutzbarer Batteriekapazität und Heckantrieb schafft 600 km mit einer Ladung. Kürzlich waren es noch 610 km, was für Platz drei in unserem Ranking reichte. Durch mehr Ausstattung sank die Reichweite des Ford, außerdem kamen neue Modelle hinzu, so dass der Mach-e nun auf Platz sechs bzw. sieben abrutscht. (Das Tesla Model S kommt genauso weit.)

Ford Mustang Mach-E (2021) im Test
Ford Mustang Mach-E (2021) im Test: Interieur

6/7. Tesla Model S Plaid: 600 km Reichweite

Seit Anfang August ist das Model S in Deutschland endlich wieder konfigurierbar, wenn auch nur in der Version Plaid. Auch diese auf Performance hin optimierte Version mit 1.020 PS (750 kW) hat mit 600 km eine gute Reichweite.

8. BMW i4: 589 km Reichweite

Der BMW i4 eDrive40 kommt mit einer Batterieladung 589 km weit; damit erreicht er Platz acht in unserem Ranking. Hier ist wieder der Hecktriebler sparsamer als der Allradler: Der i4 M50 besitzt mit der gleichen 81-kWh-Batterie eine um 80 km geringere Reichweite.

BMW i4 eDrive 40 (2021)
BMW i4 (2021): Das Interieur

9. Nio ET7: 580 km Reichweite

Neuzugang aus China: Das 5,10 Meter lange Flaggschiff von Nio schafft mit der 100-kWh-Batterie 580 km mit einer Ladung. Als wäre das noch nicht genug, will die marke 2023 eine Feststoffbatterie mit 150 kWh bringen, mit der das Auto ganz vorne mitspielen dürfte. Die angekündigten 1.000 km gelten zwar nur nach chinesischem CLTC-Zyklus, doch auch nach WLTP dürften über 800 km drin sein.  

10. VW ID.3: 558 km Reichweite

Ob es an einer neuen Software oder an etwas anderem liegt: Der VW ID.3 hat nun nicht nur bis zu 170 kW Ladeleistung, sondern auch die Reichweite wuchs. Die reichweitenstärkste Version Pro S schafft als Vier- wie als Fünfsitzer nun stattliche 558 km mit einer Ladung – nur zwei Kilometer weniger als das viel teurere Tesla Model X.


In unsere Liste haben wir nur Modelle einbezogen, die derzeit in Deutschland auf dem Markt sind. Nicht enthalten sind also Fahrzeuge, die noch nicht verfügbar sind, wie der Lucid Air (900 km), das Mercedes EQS SUV (660 km) oder der Lightyear 0 (625 km). Auch momentan nicht konfigurierbare Autos bleiben außen vor. Außerdem haben wir jedes Modell nur mit der reichweitenstärksten Motor-Akku-Kombination berücksichtigt.

Noch eine Anmerkung: Bei vielen Modellvarianten nennen die Hersteller keinen einzelnen Wert für die Reichweite, sondern eine Spanne, zum Beispiel "642 - 783 km" beim Mercedes EQS 450+. Diese Angaben beziehen sich auf verschiedene Ausstattungen, insbesondere verschiedene Radgrößen. Wir haben in diesen Fällen jeweils die maximale Reichweite eingetragen, in diesem Fall also 783 km.

Die realen Reichweiten sind meist geringer. Nach unserem Reichweiten-Vergleichstest mit 12 Elektroautos liegt die erzielbare Reichweite durchschnittlich 33 Prozent unter den WLTP-Werten. Ziehen Sie also einfach ein Drittel des WLTP-Reichweite ab. Bei schlechtem Wetter, niedrigen Temperaturen, hohem Tempo und häufigem Beschleunigen verringert sich die Reichweite noch stärker.