Neue Ladesäulen sollen ab 2023 immer kontaktlose Karten-Lesegeräte haben

Wer unterwegs laden möchte, steht derzeit oft noch vor einem Problem: Einfach zur nächsten Ladesäule fahren und Stecker rein, das funktioniert nicht immer. Denn ohne den passenden Vertrag und ohne die richtige Ladekarte gibt eine Säule kein einziges Elektron her.

Das spontane Laden ohne Vertragsbindung (im Jargon Ad-hoc-Laden oder auch Lade-Roaming genannt) muss also einfacher werden. Dieses Ziel verfolgt die Bundesregierung mit einer Novelle der Ladesäulenverordnung, an der schon monatelang gearbeitet wird, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Die neue Verordnung soll voraussichtlich in der nächsten Woche verabschiedet werden.

Allerdings stoßen die darin enthaltenen Vorgaben auf Kritik mehrerer Wirtschaftsverbände, so der der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Kritisiert wird die Verpflichtung, dass Ladesäulen künftig Kreditkarten als Bezahlmöglichkeit zulassen sollen. Denn der Verordnungs-Entwurf sieht vor, dass neu in Betrieb genommene Säulen ab Juli 2023 nicht nur eine Bezahlung über Internet-Dienstleister ermöglichen sollen, sondern auch kontaktloses Zahlen mit Debit- oder Kreditkarten. Letzteres ist neu, denn die bisherige Verordnung verlangt die Möglichkeit zur Kartenzahlung nicht.

Ladesäule (Bildquelle: Ausschnitt aus Foto von Stefan Leichsenring)
Diese ABB-Ladesäule im Münchner Osten verfügt offenbar schon über einen kontaktlosen Kartenleser

Nach Ansicht der Wirtschaftsverbände macht der Einbau eines Kreditkarten-Lesegeräts die Ladesäulen erheblich teurer, was den Ladepreis für die Nutzerinnen und Nutzer erhöhen wird, so die Kritiker. Das mobile Bezahlen per Smartphone sei besser. Auf dieses Modell hätten sich alle Beteiligten auch geeinigt; die Übereinkunft wäre aber nachträglich wieder aufgekündigt worden.

"Der Einbau eines Kartenlesegeräts hat es in sich: Viele der entsprechenden Modelle müssen erst noch eichrechtlich geprüft und zugelassen werden", heißt es in der Mitteilung der Verbände. Das werde Jahre dauern. Außerdem hemme das den Ausbau der Ladeinfrastruktur und damit die Elektromobilität. Stand heute gibt es rund 40.000 öffentliche Ladepunkte hierzulande, bis zum Jahr 2030 sollen es eine Million sein.

Laut ADAC dagegen müssen die Hürden für die Nutzung der Säulen so gering wie möglich sein. Und da gibt es aus Sicht des Automobilclubs einiges zu verbessern: Die von den Betreibern angebotenen Lösungen mittels QR-Code-Scan und App-Downloads seien "unnötig kompliziert oder funktionierten oft nicht zuverlässig". Zudem seien Ad-hoc-Tarife meist deutlich teurer als mit Vertrag.

Bisher müssten E-Autofahrer sich durch einen Tarifdschungel mit knapp 400 verschiedenen Angeboten schlagen. Der Club plädiert daher für mehr Preistransparenz an allen Ladesäulen und ein einfaches Bezahlen mittels Giro- und Kreditkarten. Die Ladepreise fürs Spontanladen dürften außerdem nicht viel höher sein als mit Ladevertrag.