Was Artemis, Apollon, Trinity und SSP bedeuten

Beim heutigen "New Auto"-Strategie-Event gab Volkswagen einen Überblick über seine Strategie bis 2030.  Schwerpunkte waren die neuen Plattformen für die Hardware des Autos (Artemis, Trinity und SSP) sowie für die Software, zudem gab es Neues zum Thema Batterien und zu den Plänen von Volkswagen zur Shared Mobility.

Zu den interessantesten Teilen gehörte für uns der Abschnitt zu den Hardware-Plattformen (oder wie VW es nennt Mechatronik-Plattformen); die wichtigsten Informationen fassen wir in diesem Artikel zusammen. Denn die vielen Bezeichnungen Artemis, Trinity, Apollon, PPE und SSP verwirrten bisher. Ein wenig mehr Übersicht bringt diese Grafik:

Volkswagen

Heute hat Volkswagen drei Plattformen: Modularer Querbaukasten (MQB), Modularer Längsbaukasten (MLB) und den weniger bekannten Modulare Standardantriebs-Baukasten (MSB), auf dem Porsche Panamera und Bentley Continental sowie Flying Spur basieren.

In der Elektroära reduziert sich die Zahl der Baukästen auf zwei: die bereits sattsam bekannte Plattform MEB (VW ID.3, 4, 5 und 6, Audi Q4 e-tron, Cupra Born, Skoda Enyaq) sowie in Zukunft die Premium Platform Electric (PPE), auf der der Porsche Macan Elektro mit seinem Audi-Zwilling Q6 e-tron basieren werden, aber auch der Audi A6 e-tron.

In der Grafik mit angegeben sind die Software-Plattformen. Davon gibt es drei Versionen: E3 1.1 in den MEB-Autos, E3 1.2 in den PPE-Autos und E3 2.0 in den SSP-Autos.

Volkswagen

Ab 2026 soll es nur noch eine einzige Plattform für die ganze Volkswagen Group geben, die Scalable Systems Platform SSP. Acht Marken von Skoda bis Bentley werden sie nach der obigen Grafik nutzen. Nicht inkludiert sind die Marken Lamborghini und Bugatti, aber die will der VW-Konzern ja auch eher loswerden ...

SSP soll auch alle Segmente abdecken; ob das auch für Klein- und Kleinstwagen gilt, sagte Duesmann nicht. Aber nach 2026 sollen alle neu eingeführten Modelle auf SSP basieren. Der Baukasten ist aber nicht von der Sorte "one size fits all": Erstens wird es verschiedene Größenversionen geben: SSP 1, SSP 2 etc. (Spalte ganz rechts).

Und zweitens kann man durch die Kombination von verschiedenen Stufen bei der Software, beim autonomen Fahren, beim Batteriesystem und beim Antrieb diverse Spezialmodelle kreieren, so Duesmann. Dabei will sich der Konzern aber beschränken, denn mehr Komplexität schadet der Profitabilität.

Alle SSP-Versionen sollen jedoch 800-Volt-Technik bieten – mit entsprechenden Vorteilen beim Schnellladen. Außerdem wird SSP die Voraussetzungen für das autonome Fahren bieten. Basierend auf SSP sollen im Lauf ihrer Lebenszeit mehr als 40 Millionen Autos gebaut werden. 

Wie die Projekte Artemis, Apollon und Trinity in dieses Schema passen, zeigt folgende Grafik. Die Marken des VW-Konzerns sind hier in drei Gruppen aufgeteilt: Volume (um VW herum), Premium (um Audi herum) und Sport (um Porsche herum):

Volkswagen

Nach Audi-Chef Markus Duesmann werden ab 2025 mit dem Artemis-Modell erste Teile von SSP eingeführt. Dieses Auto markiert den Übergang von PPE zu SSP. Schon hier werden die Software-Plattform E3 2.0 und die Batterie-Einheitszelle genutzt. Duesmann bezeichnete Artemis als Modell, sagte aber nicht zu welcher Marke es gehört, doch nach einem Handelsblatt-Artikel handelte es sich ursprünglich um eine eigenständige Konzern-Abteilung, die inzwischen unter Audi-Regie arbeitet. 

Apollon ist offenbar Audis Modell auf der Plattform SSP und Trinity wird ab 2026 die SSP-Technik ins Volumensegment übertragen, so Duesmann.

Die gesamte, anderthalbstündige Veranstaltung auf Englisch sehen Sie im folgenden Video. Für uns ist die englische Originalfassung leichter verständlich als die ziemlich holprig übersetzte deutsche Version. Der Part von Duesmann über die Mechatronik beginnt bei 41:00.

Bildergalerie: Volkswagen "New Auto"-Event (Juli 2021)