Wie bekannt, will der VW-Konzern sechs Batteriewerke mit einem Ausstoß von jeweils 40 Gigawattstunden in Europa bauen. Eines dieser Werke wird in Schweden betrieben, ein weiteres in Salzgitter. In der niedersächsischen Stadt soll ab 2025 die so genannte "Einheitszelle" des Konzerns vom Band laufen. Nun gibt es Neues zu diesem Werk: Ein neues Labor für die Entwicklung und Erforschung von Batteriezellen wurde dort eröffnet.

Das Kompetenzzentrum in Salzgitter ist konzernweit für die Materialerprobung, Freigabeprüfungen, Qualitätssicherung und Serienüberwachung von Batteriezellen verantwortlich. Aktuell sind von den rund 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Center of Excellence Batteriezelle in Salzgitter etwa 160 mit der Zellentwicklung beschäftigt. Bis Ende 2022 sollen etwa 1.000 Angestellte dort arbeiten, davon rund 250 für die Erforschung, Analyse und Entwicklung von geeigneten Zellmaterialien und -formaten.

Die neuen Labore ermöglichen auf einer Fläche von zunächst 2.500 Quadratmetern Zelltestprogramme mit verschiedensten Analyseverfahren sowie die Entwicklung neuer Rezepturen. So steht hier eines der wenigen Raster-Elektronenmikroskope auf der Welt zur Verfügung.

VW-Labor zur Entwicklung von Batteriezellen in Salzgitter

Die Labore sind in vier Bereiche gegliedert:

  • Im Zellentwicklungslabor werden neue Batteriechemie-Rezepturen sowie Elektrodenmaterialien und Prozesse weiterentwickelt. Vielversprechende Innovationen kommen von hier direkt auf die Pilotlinie nebenan und werden in Kleinserie produziert.
  • Im Analytik-Labor zerlegen die Forscher Zellen und führen Wettbewerbsanalysen sowie Qualitätssicherung durch.
  • Im Umwelt- und Sicherheitslabor werden Zellen zum Beispiel elektrischen, thermischen oder mechanischen Belastungen ausgesetzt.
  • Im Elektrischen Prüffeld werden Labor- und Serienzellen beim schnellen Laden und Entladen auf Alterungserscheinungen hin getestet. Im Test befinden sich unter anderem Zellen, die binnen 12 Minuten von 5 auf 80 Prozent geladen werden können.

"Wir siedeln Spitzenforschung an und schaffen damit als Vorreiter der Branche die Arbeitsplätze von morgen", sagt VW-Technik-Vorstand Thomas Schmall, der im Konzern die Verantwortung für die Batterien trägt.

VW-Technikvorstand Thomas Schmall (rechts) und Frank Blome, Leiter des Geschäftsbereichs Batteriezelle und Batteriesystem eröffnen die neuen Batterie-Labore im Center of Excellence Salzgitter.
VW-Technikvorstand Thomas Schmall (rechts) und Frank Blome, Leiter des Geschäftsbereichs Batteriezelle und Batteriesystem, eröffnen die neuen Batterie-Labore im Center of Excellence Salzgitter.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sagte: "Über Jahrzehnte hat das VW-Werk Salzgitter Millionen von Fahrzeugen mit Motoren versorgt. Mit zunehmender Elektrifizierung erfolgt nun konsequent die schrittweise Umstellung auf eine zukunftsfähige und zukunftsweisende Batteriezellproduktion am Standort."

Die Roadmap zur Einführung der Einheitszelle wurde im März 2021 beim VW Power-Day vorgestellt und dann im Juli bei der "New Auto"-Event nochmal bestätigt und aktualisiert. Danach soll die neue prismatische Einheitszelle im Jahr 2023 eingeführt werden und 80 Prozent der vom Konzern verkauften E-Autos abdecken. Sie soll die Batteriekosten um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Während die Akkus für das Premiumsegment in Schweden mit Partner Northvolt gebaut werden, kommen die für das Volumensegment aus Salzgitter. Für Salzgitter wurde im Juli der chinesische Batteriehersteller Gotion als Partner genannt. Insgesamt will der Konzern bis 2030 gemeinsam mit seinen Partnern jährlich Batterien mit einer Speicherkapazität von 240 GWh bauen.