Eine Pressemeldung dazu gab es offenbar nicht, aber es wurde gegenüber mehreren Medien bestätigt: Im Mai hat Porsche das Batterie-Gemeinschaftsunternehmen Cellforce komplett übernommen. Partner Customcells stieg demnach aus, und die Zuffenhausener Marke ist nun Alleineigentümer. Die Hochleistungszellen sollen angeblich im Porsche Taycan und anderen Modellen verwendet werden.

Die Cellforce Group wurde 2021 zusammen mit Customcells gegründet, um Batteriezellen mit Silicium-Anode herzustellen, die eine besonders hohe Energiedichte besitzen. Außerdem sollen die Zellen einen niedrigen Innenwiderstand haben, wodurch sie sich besonders schnell laden lassen.

Ab Frühjahr 2024 sollen die Silicium-Zellen in einer Pilotfabrik bei Reutlingen produziert werden. Geplant ist zunächst nur eine Fertigungskapazität von 100 Megawattstunden, was bei 100 kWh pro Batterie für 1.000 Autos reicht. Diese Zellen sollen in einem "elektrisch angetriebenen High-Performance-Modell" eingesetzt werden; gerüchteweise sollte es sich um den Kundensportwagen Porsche Mission R handeln.

Doch eine deutliche Ausweitung der Produktion ist nun wahrscheinlich: Die Batteriezellen sind offenbar so gut, dass sie auch in Großserienmodellen zum Einsatz kommen könnten, berichtet die Automobilwoche. Porsche-Einkaufsvorständin Barbara Frenkel sagte, die Zellen könnten "eine große Innovation" sein. Deshalb mache man sich Gedanken, in welchem Maßstab man sie einsetzen könne. 

Cellforce plant angeblich bereits eine Verzehnfachung der Kapazität, so dass die Zellen für 10.000 Fahrzeuge jährlich reichen. Doch das soll noch nicht alles sein. Porsche will die Zellen angeblich in einer neuen Gigafactory an einem anderen Standort oder in einer Zellfabrik des VW-Konzerns produzieren. Sie sollen zuerst in den Topversionen des Taycan und zwei weiteren Serienmodellen eingesetzt werden. Später solle eine Variante mit veränderter Chemie und niedrigeren Kosten folgen, die in Hunderttausenden Fahrzeugen verbaut werden könnte, so der Bericht.

Laut Auto Motor Sport war bei Cellforce schon letzten Herbst von einer Jahresproduktion von einer Gigawattstunde die Rede gewesen, mittlerweile ginge es sogar um bis zu 20 GWh, was je nach Batteriegröße für 180.000 bis 200.000 Elektroautos reichen würde. Auch gegenüber der deutschen Autozeitschrift bestätigte Porsche, dass man seit Mai Alleineigentümer von Cellforce ist. Customcells stieg danach aus, weil der Firma aus Itzehohe die Investitionen für die Vervielfachung der Produktion zu hoch waren.

Bisher kommen die Zellen des Porsche Taycan vom koreanischen Batteriehersteller LG. Mit einer eigenen Produktion von 20 GWh könnte Porsche diese Zellen fast komplett ersetzen, denn letztes Jahr wurden rund 250.000 Taycan verkauft, und nicht alle haben die große 93-kWh-Batterie. Möglicherweise kommen die Zellen zudem im neuen Elektro-Cayman und Elektro-Boxster zum Einsatz.