VW und Umicore bauen Batteriematerialien-Werk im polnischen Nysa
Verantwortlich ist das neue Joint Venture namens Ionway
Der VW-Konzern will bekanntlich selbst Batteriezellen produzieren. Bis 2030 soll die jährliche Produktionskapazität bei nicht weniger als 240 Gigawattstunden liegen. Dazu braucht man entsprechend viel Kathodenmaterialien. Auch in die Fertigung dieser Aktivmaterialien will der Wolfsburger Konzern einsteigen und hat dazu zusammen mit dem belgischen Rohstoff-Spezialisten Umicore ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.
Die Kooperation zwischen VW und Umicore wurde schon vor einem Jahr bekannt gegeben. Der Name für das Joint Venture wurde jedoch erst am Freitag verkündet: Ionway. Am Samstag meldete VW nun, dass das erste Werk von Ionway im südpolnischen Nysa entstehen soll.
Der Ort liegt südlich von Breslau, nahe der tschechischen Grenze. Dort sollen Kathodenmaterialien (Cathode Active Materials, CAM) hergestellt werden. Die neue Fabrik wird direkt neben einem bereits bestehenden CAM-Werk von Umicore errichtet – wie auf dem Titelbild zu sehen.
In Nysa steht bereits ein CAM-Werk von Umicore
Das Joint Venture zwischen der VW-Batteriesparte PowerCo und Umicore will seine jährliche Produktionskapazität bis Ende des Jahrzehnts auf 160 GWh pro Jahr ausbauen. Das reicht für etwa 2,2 Millionen Elektroautos, schreibt VW.
Das Werk schafft 900 Arbeitsplätze und kostet bis Ende des Jahrzehnts 1,7 Milliarden Euro. Von der polnischen Regierung kommen Subventionen in Höhe von 350 Millionen Euro, wobei Polen wiederum auf ein europäisches Förderprogramm zurückgreift.
Die Vorbereitung des Geländes läuft bereits; die Bauarbeiten sollen beginnen, sobald man die nötigen Genehmigungen hat. Anschließend beginnt die Produktion. Ein Datum für den Produktionsbeginn wurde nicht genannt. Vor einem Jahr war von 2025 die Rede gewesen. Nun heißt es, der Bedarf der ersten Batteriezell-Fabrik von VW, die ab 2025 in Salzgitter arbeiten soll, werde von dem Umicore-Werk in Nysa abgesichert.
Nysa bietet Zugang zu erneuerbarer Energie für die Produktion sowie qualifizierte Fachkräfte. Darüber hinaus profitiert das Werk vom Know-how des benachbarten Umicore-Werks. Die Rohstoffe sollen aus Raffinerien von Umicore in Finnland kommen. Ionway will neben dem CAM-Werk in Nysa auch ein Werk für Vormaterialien (pCAM) betreiben. Eine Standortentscheidung dafür wurde jedoch noch nicht getroffen.
Auf dem VW Power Day kündigte der damalige VW-Chef Herbert Diess sechs 40 GWh-Zellwerke an, die bis 2030 entstehen sollen. Die Materialien aus Nysa (160 GWh) würden für zwei Drittel dieser Zellen reichen. Neben Salzgitter steht schon Valencia als zweiter Standort fest. Außerdem errichtet VW eine Zellfabrik in Kanada.
Die Kathode macht etwa 40 Prozent der Kosten einer normalen NMC-Zelle aus (Chart vom VW Battery Day)
Die Aktivmaterialien für die Kathoden von Batteriezellen (CAM) machen einen Großteil der Kosten für Batteriezellen aus – bei nickelreichen Zellen können es 80 Prozent sein. Die CAM sind entscheidend für die Energiedichte der Batterie und damit für die Reichweite des E-Autos. Als Kathodenmaterialien werden heute meist Lithium-Mischoxide mit Nickel, Mangan und Cobalt wie zum Beispiel LiNi0,8Co0,1Mn0,1O2 (NMC 811) verwendet. Daneben wird immer häufiger das günstigere Lithiumeisenphosphat (LFP) genutzt.
Quelle: VW (Nysa), VW (Ionway)
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