In Deutschland ist fast jeder fünfte Neuwagen ein Elektroauto, in China schon beinahe jeder vierte. Nicht schlecht, aber in Norwegen liegt die Elektroauto-Quote schon bei 80 Prozent. Das heißt, auf vier neue Elektroautos kommt ein Verbrenner.

Und ab 2025, also schon in weniger als anderthalb Jahren, kann man in Norwegen überhaupt keine Verbrenner mehr neu zulassen. Schon Ende dieses Jahres stellt mit der Møller Mobility Group nun auch noch der Volkswagen-Importeur den Verbrenner-Vertrieb ein, wie die Automobilwoche berichtet.

Møller zieht das Verbrenner-Aus also um ein Jahr vor. Als letztes VW-Verbrennermodell will die Firma einen VW Golf in Auftrag geben. "In vielerlei Hinsicht markiert dies das Ende einer Ära, aber auch den Beginn einer neuen und wichtigeren Ära, in der wir mehr Teil der Lösung und nicht des Problems sein werden", sagte Firmenchef Ulf Tore Hekneby.

Wütende Proteste der langjährigen VW-Kundschaft sind wohl kaum zu befürchten, denn schon 2022 lagt der Anteil von BEVs bei 79,3 Prozent der Neuzulassungen in Norwegen. Benziner und Diesel kommen zusammen nur auf rund 6,7 Prozent; der Rest dürften Hybride und Plug-in-Hybride sein.

Zu den Gründen für die Elektroauto-Präferenz in Norwegen gehört die starke Förderung durch die Regierung. So wurde lange Jahre keine Einfuhrsteuer, keine Mehrwertsteuer und keine Kfz-Steuer erhoben; außerdem konnte man Busspuren nutzen und es gab eine reduzierte Dienstwagensteuer. In letzter Zeit werden diese Anreize allerdings heruntergefahren.

Angst, dass die Kundschaft auf andere Marken ausweicht, hat Møller nicht: "Schauen Sie sich nur unser Portfolio an Elektroautos der ID-Familie an. Diese Autos sind ein perfekter Ersatz für Autos mit fossilen Brennstoffen, haben eine gute Reichweite und bieten alles, was die Norweger von ihren Autos erwarten", sagte Hekneby.

Hyundai ist schon aus dem Verbrenner-Verkauf ausgestiegen. Die Koreaner waren ein Jahr früher dran als VW; sie beendeten den Absatz von Verbrenner-Modellen schon zum 1. Januar 2023. Ab Anfang 2024 folgen nun neben Volkswagen auch Audi, Skoda und Cupra.

Die Ankündigung der Møller-Gruppe erfolgte anlässlich des 75-jährigen Jubiläums von VW in Norwegen. Im Jahr 2022 lag VW mit 20.184 Neuzulassungen auf Platz zwei in Norwegen, Tesla landete mit 21.303 Stück auf Platz eins. Auf dem dritten Rang folgte mit 14.037 Neuzulassungen BMW. Aktueller Bestseller von VW in Norwegen ist der ID.4, der zur Jahresmitte auf Platz zwei der Neuzulassungen kam. Platz eins ging mit deutlichem Abstand an das Tesla Model Y.

Unser Titelbild zeigt einen VW Golf der achten Generation.