Die Marke Volkswagen ist derzeit nicht wettbewerbsfähig: So krass sieht das nicht etwa die Presse, sondern Markenchef Thomas Schäfer selbst. Der Ausspruch des Managers ist verbürgt: Er fiel nach übereinstimmenden Medienberichten am gestrigen Montag auf einer Vertrauensleute-Versammlung der IG Metall in Wolfsburg.

Dort sagte Schäfer laut Automobilwoche wörtlich: "Mit vielen unserer Strukturen, Prozessen und hohen Kosten sind wir als Marke nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Situation ist kritisch. Ohne spürbare Einschnitte geht es nicht. Wir müssen ran an die kritischen Themen, auch beim Personal."

Ziele der Marke VW: 6,5 Prozent Rendite und 10 Milliarden mehr gewinn bis 2026

Die Ziele der Marke VW: 6,5 Prozent Rendite und 10 Milliarden mehr Gewinn bis 2026

Damit wollte Schäfer die Belegschaft darauf vorbereiten, dass es ohne Personalabbau nicht mehr weiter geht. Bekannt ist, dass die Marke bis 2028 zehn Milliarden Euro einsparen muss. Einen Beitrag soll auch eine Verringerung der Beschäftigtenzahl bringen. Dabei wird aber nicht an Kündigungen gedacht, sondern an die Nutzung der demographischen Kurve und an Altersteilzeit.

Der größte Teil der Einsparungen soll aber über andere Maßnahmen erbracht werden, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian laut Wirtschaftswoche. Dazu gehört auch der Verzicht auf das neue Werk auf der grünen Wiese in Wolfsburg, wo nach den Plänen von Ex-Vorstandschef Herbert Diess das neue "Trinity"-Modell gebaut werden sollte. Dieses soll nun in Zwickau entstehen.

Schäfer verwies auf die nötigen Investitionen für die Elektromobilität sowie die Abkühlung der Nachfrage. Nach der Corona-Pandemie habe die Branche von Sonderfaktoren profitiert und hohe Gewinne eingefahren. Nun ändere sich das. Man erwarte ein "knallhartes" Jahr 2024 für die eigene Marke wie für die Autobranche insgesamt.

VW-Markenchef Thomas Schäfer bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg (Juni 2023)

Schon bei einer Betriebsversammlung im Juni stimmte Schäfer die Belegschaft auf das Sparprogramm ein

Wie viele Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, steht noch nicht fest. Gesamtbetriebsrats-Chefin Daniela Cavallo sagte, Abstriche von der Beschäftigungssicherung bis 2029 werde man nicht machen. Management und Betriebsrat verhandeln derzeit über die Details. Ergebnisse sollen erst zum Jahresende verkündet werden. Bei einer Betriebsversammlung am 6. Dezember soll die Belegschaft aber über den Zwischenstand informiert werden. Bereits verfügt wurde ein Einstellungsstopp und ein Stopp für Beförderungen in die oberste Tarifgruppe. Außerdem sollen die Kosten in der Verwaltung um 20 Prozent gesenkt werden.

Auch auf Konzernebene muss wohl gespart werden, denn CEO Oliver Blume hat sich zehn Prozent Rendite als Ziel gesetzt; dieser Wert soll 2027 erreicht werden. Für die Marke VW lautet das Ziel 6,5 Prozent, die aber schon 2026 erreicht werden sollen.