Mit einer Schnellade-Zeit von 18 Minuten gehört der Hyundai Ioniq 5 zu den am schnellsten ladenden Elektroautos. Nur 10 Minuten soll es bei einer Batteriezelle dauern, die das israelische Startup Storedot vor anderthalb Jahren präsentiert hat. Doch eine Zelle ist noch keine Batterie, und so zeigt die Firma nun, wie man die Zellen zu einem Akkupaket zusammensetzen will. Dabei werden Kühlkanäle in die einzelnen Zellen integriert.

Storedot setzt die einzelnen Zellen ohne den Umweg über Module zu einem Akkupaket zusammen. Solche Cell-to-Pack-Konzepte (CTP) werden inzwischen oft verwendet, weil damit die Energiedichte auf Batterieebene steigt. Bei Storedot dagegen geht es zumindest auch um die Kühlung beim schnellen Laden. Das Storedot-Konzept heißt I-Beam XFC, wobei XFC für  eXtreme Fast Charging steht. 

Schon bei heutigen Elektroautos ist das Thermomanagement der Batterie beim Aufladen eine Herausforderung, denn die Batterie wird dabei leicht zu heiß. Wenn man noch schneller laden will als bei den besten heutigen Elektroautos, wird das Problem noch größer. Daher verlegt Storedot die Kühlung in die einzelne Zelle, statt wie üblich einfach eine Kühlplatte unter die Batterie zu packen.

Dabei werden die Zellen quer ins Fahrzeug eingebaut. Von Kühlkanälen auf der linken und rechten Fahrzeugseite zweigen die Kühlungen der einzelnen Zellen ab, wie man im obigen Video sieht. Durch das fein verzweigte Kühlungsnetz sollen lokale Hotspots vermieden werden. So können die einzelnen Zellen die Wärme schnell abgeben, die durch die nötigen hohen Ströme erzeugt wird. Wie hoch die Energiedichte auf Batterieebene ist, gibt Storedot nicht an. Möglicherweise sinkt sie durch die Kühlkanäle. 

Die verwendeten Zellen nutzen die siliciumreichen Anoden von Storedot. In der neuesten Generation namens "100in5" sollen sie es ermöglichen, Strom für 100 Meilen (160 km) in 5 Minuten nachzuladen. Diese Zellen enthalten bis zu 40 Prozent Silicium an der Anode – das dürfte wohl der Schlüssel für die Schnellladefähigkeiten der Zelle sein. Die Kathode hat eine übliche NMC811-Chemie.

Grafik von 2022: Nach 1.000 Schnellladezyklen hatte die Zelle noch 80% der ursprünglichen Speicherkapazität

Dass diese Zellen in 10 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können, hatte Storedot schon 2022 demonstriert – dabei gelangen sogar 1.000 Zyklen von voll bis leer und wieder zurück. Aber einzelne Zellen sind natürlich im Labor leicht zu kühlen. Bei einem riesigen Klotz wie einer Elektroauto-Batterie sieht das anders aus. I-Beam XFC könnte die Lösung für das Problem sein. 

Das Unternehmen betrachtet die Technik "als Schlüssel zur Erschließung des vollen Potenzials der XFC-Technologie im Massenmaßstab." Mit anderen Worten: Ohne eine gute Kühlung hilft auch eine ultraschnell ladende Batteriezelle nichts, denn dann wird es nichts aus der Serienproduktion.  

Eigentlich hatte Storedot für 2024 schon die Serienfertigung der "100in5"-Zellen angekündigt. Nun heißt es, im neuen Jahr wolle man ein erstes mit XFC-Technologie ausgestattetes Demonstrationsfahrzeug vorstellen. Außerdem will man prismatische Zellen als B-Muster an Autohersteller versenden.

Für die weitere Zukunft hat sich Storedot ebenfalls schon Ziele gesetzt. Die 100in4-Zele soll im Jahr 2026 fertig sein, die 100in3-Zelle dann 2028. Zu den Investoren und Partnern von StoreDot zählen Mercedes, VinFast, Volvo, Polestar und als Partner für die Produktion EVE Energy. 

Unterm Strich

Siliciumreiche Anoden gelten als das nächste große Ding in Sachen Batteriechemie. Die Technik soll noch vor dem Festkörperakku bereitstehen. Ob das klappt, ist offen. Unklar ist auch noch, welcher Anbieter das Rennen macht; es gibt mindestens ein halbes Dutzend davon. Mercedes hat aber schon für 2025 eine Version des EQG mit siliciumreichen Anoden angekündigt – nicht mit Technik von Storedot, sondern von Sila Nano. Alle Anbieter werden sich aber mit dem Thema Thermomanagement auseinandersetzen müssen, denn das ist eminent wichtig beim schnellen Laden.