Dass die Reichweite von Elektroautos bei Kälte geringer ist, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Aber wie viel weicht der Wert dann von der WLTP-Angabe ab? Das ist von Modell zu Modell unterschiedlich. Interessante Hinweise darauf ergibt alljährlich der Winter-Reichweitentest des Norwegischen Autofahrerverbandes NAF. Hier zeigen wir die Ergebnisse.

Getestet wurden nicht weniger als 23 Modelle; alle Autos starteten am gleichen Tag in Oslo um etwa 9 Uhr in Gruppen. Die Teststrecke führte nach Norden in den Rondane-Nationalpark, wo eine Schleife gefahren wurde. Um die Reichweite zu ermitteln, wurden die Autos komplett leer gefahren. 

Die Temperaturen waren mit Werten zwischen +4 und -11 Grad wirklich winterlich; dazu kam ein veritabler Sturm – unser Titelbild mit dem HiPhi Z lässt eine Ahnung von den Bedingungen aufkommen. Die Strecke ist zudem durchaus bergig: Das Höhenprofil beginnt in Oslo bei 0 Meter über dem Meer und endet bei etwa 200 Meter Höhe, mit Anstiegen bis auf etwa 1.000 Meter über dem Meeresspiegel.

Ärgerlich ist, dass der NAF bei den meisten Testfahrzeugen keine Angaben zu der genauen Version macht. Die angegebene WLTP-Reichweite erlaubt den Schluss auf die Modellvariante ebenfalls nicht in allen Fällen. Wo möglich, haben wir die wahrscheinlichste Version in Klammern gesetzt. Bei BMW geht die genaue Version des getesteten i5 aus dem Bericht zu dem Test auf Motor.no hervor.

  WLTP-Reichweite Reichweite im Test Abweichung
Audi Q8 e-tron Sportback (55?) 515 km 411 km -20%
BMW i5 i5 eDrive40 505 km 444 km (7. Platz) -12%
BYD Dolphin 427 km 339 km -21%
Ford F-150 Lightning 429 km 338 km -21%
HiPhi Z 555 km 522 km (1. Platz) -6%
Hyundai Ioniq 6 (77 kWh RWD?) 614 km 468 km (3. Platz) -24%
Hyundai Kona Elektro (160 kW?) 454 km 341 km -25%
Jeep Avenger 395 km 286 km -28%
Kia EV9 (AWD?) 505 km 442 km (9. Platz) -13%
Lotus Eletre (S?) 530 km 465 km (4. Platz) -12%
MG4 Trophy Extended Range 520 km 400 km -23%
Mercedes EQE SUV (350 4Matic?) 491 km 399 km -19%
Nio EL6 (Long Range) 529 km 456 km (5. Platz) -14%
Nio ET5 Touring (Long Range) 560 km 481 km (2. Platz) -14%
Nissan Ariya (AWD) 498 km 369 km -26%
Opel Astra Sports Tourer 413 km 296 km -28%
Peugeot E-308 409 km 297 km -27%
Polestar 2 Long Range (Single Motor) 614 km 430 km (10. Platz) -30%
Tesla Model 3 Highland (Long Range) 629 km 441 km (8. Platz) -30%
Toyota bZ4X (Variante?) 460 km 314 km  -32%
VW ID.7 608 km 414 km -32%
Volvo C40 (Single Motor Extended Range?) 572 km 395 km -31%
Xpeng G9 520 km 451 km (6.) -13%

Die Abweichungen liegen im Durchschnitt bei 22 Prozent. Die geringste Abweichung hatte der HiPhi Z; das gleiche Modell kam mit 522 km zudem auf die größte Test-Reichweite. Damit verfehlte das 100.000-Euro-Auto die bisherige Bestmarke im norwegischen Wintertest nur knapp: Das Tesla Model S Plaid schaffte im letzten Jahr 530 km. Sonst schaffte dieses Jahr kein einziges Fahrzeug mehr als 500 km. Auf Platz 2 bei der ermittelten Reichweite lag der Nio ET5 Touring Long Range mit 481 km, auf Platz 3 der Hyundai Ioniq 6 (wohl in der reichweitenstärksten Version mit Heckantrieb und großer Batterie) mit 468 km.

Die geringsten Reichweiten hatten der Jeep Avenger (268 km), der Peugeot E-308 (297 km) und der Opel Astra Sport Tourer (296 km). Mit 32 Prozent die größten Abweichungen wurden beim Toyota bZ4X und VW ID.7 festgestellt. Bei dem getesteten Toyota handelte es sich allerdings nicht um ein Testwagen vom Hersteller, sondern um einen Mietwagen, da Toyota sich weigerte, an dem Test teilzunehmen.  

Nicht sehr gut weg kam im Test auch das geliftete Tesla Model 3, offenbar in der Version "Maximale Reichweite". Die Vorgängerversion schaffte letztes Jahr 521 km, bei der neuen Highland-Variante war jedoch schon nach 441 km Schluss – die bislang schlechteste Leistung eines Tesla im NAF-Test überhaupt. Allerdings erreichte der Tesla auch so noch Platz 8 von 23 und kam weiter als der direkte Konkurrent Polestar 2 Long Range.

Unterm Strich 

Dass die norwegischen Veranstalter des großen Vergleichstests bei vielen Autos die Motor-Akku-Kombination nicht vermerkt haben, finden wir unverständlich. Trotzdem gibt die Ergebnistabelle Hinweise, was die "reale Reichweite" bei winterlichen Temperaturen angeht. Die einzelnen Werte sollte man mit etwas Vorsicht betrachten, denn erstens fährt jeder etwas anders, und zweitens wissen wir nicht, bei wem der Sturm mehr von vorn und bei wem mehr von hinten kam ...