Vorgestellt wurde das Elektroauto vom chinesischen Handy-Hersteller Xiaomi schon im Dezember. Am vergangenen Donnerstag (28. März) verriet Firmenchef Lei Jun in einer zweieinhalbstündigen Veranstaltung nun die Preise und weitere Details. Außerdem erfolgte der Bestellstart. Offenbar haben Auto und Preise überzeugt, denn die Nachfrage war schon kurz nach der Bestellfreigabe sehr hoch. 

In den ersten 24 Stunden seien 88.898 Bestellungen eingegangen, meldet CarNewsChina unter Berufung auf die Marke. Die Bezeichnung "Hersteller" für Xiaomi wäre nicht ganz richtig, denn hergestellt wird das Auto vom Konzern BAIC – wenn auch in einem Werk, das Xiaomi selbst gebaut hat. Die Serienproduktion in der Pekinger Fabrik hat bereits begonnen. Zunächst soll das Werk 150.000 Autos jährlich bauen können, später dann sogar 300.000 Fahrzeuge.

Bildergalerie: Xiaomi SU7 (2024)

Die ersten Autos sollen Ende April ausgeliefert werden. Geht man von den 150.000 Stück jährlich aus, dann könnte Xiaomi in den verbleibenden acht Monaten des Jahres 100.000 Stück bauen, rechnet CarNewsChina vor. Damit dürfte die Jahresproduktion inzwischen schon verkauft sein, denn die Bestellungen liefen weiter.

Die Preise beginnen bei 215.900 Yuan (rund 28.100 Euro). Laut Lei Jun bestand das Ziel darin, das Tesla Model 3 um 30.000 Yuan (3.900 Euro) zu unterbieten. Das gelang, denn das Tesla Model 3 gibt es in China ab 245.900 Yuan (32.000 Euro). Dafür erhält man den (gelifteten) Hecktriebler mit einer Sprintzeit von 6,1 Sekunden und einer CLTC-Reichweite von 606 km. Bei Xiaomi erhält man für den Basispreis ebenfalls einen Hecktriebler, der jedoch besser beim Sprint (5,3 Sekunden) und bei der Reichweite (700 km) ist. Also weniger Geld für ein besseres Auto.

Während bei der Vorstellung des SU7 im Dezember nur zwei Versionen angekündigt wurden, soll es nun drei geben; hinzugekommen ist offenbar die mittlere namens Pro, welche auch die reichweitenstärkste ist:  

  Xiaomi SU7 Xiaomi SU7 Pro Xiaomi SU7 Max
Antrieb RWD 220 kW,
400 Nm
RWD 220 kW,
400 Nm
AWD 220+275=495 kW, 338+500=838 Nm
0-100 km/h / Spitze 5,3 Sek. / 210 km/h 5,7 Sek. / 210 km/h 2,8 Sek. / 265 km/h
Akku / CLTC-Reichweite 74 kWh / 700 km 94 kWh / 830 km 101 kWh / 800 km
DC-Ladedauer 25 min (10-80%) 30 min (10-80%) 19 min (10-80%)
DC-Ladegeschwindigkeit 2,1 kWh/min 2,2 kWh/min 3,7 kWh/min
Reichweite nachladen 15 min: 350 km CLTC 15 min: 350 km CLTC 15 min: 510 km CLTC
Preis 215.900 Yuan 245.900 Yuan 299.900 Yuan

Die Version Pro hat den gleichen Heckantrieb wie das Basismodell, aber eine größere Batterie, sodass die Reichweite hier 830 km nach CLTC-Norm beträgt. Zum Vergleich: Die Long-Range-Version des Model 3 hat eine CLTC-Reichweite von 713 km. Die Topversion Max ist ein Allradler mit 495 kW und einer Sprintzeit von 2,8 Sekunden – damit ist dieses Modell stärker als die beim jüngsten Facelift entfallene Performance-Version des Model 3 (393 kW und 3,3 Sek.). Xiaomi verwendet seine eigenen Elektromotoren. Hinten werden Permanentmagnet-Maschinen eingesetzt, vorne kommt beim Allradmodell eine Asynchronmaschine hinzu.

Die Topversion des SU7 erhält eine Qilin-Batterie von CATL, die 800 km nach chinesischer Norm ermöglicht und sich in nur 19 Minuten aufladen lässt (10-80%). Daraus errechnet sich eine Ladegeschwindigkeit von 101*0,7/19=3,7 kWh/min.

Solche Ladegeschwindigkeiten werden nur von 800-Volt-Autos erreicht – der Hyundai Ioniq 5 kommt mit der 77-kWh-Batterie auf 3,0 kWh/min. Die Ladegeschwindigkeiten der anderen Varianten sind dagegen im Bereich von 400-Volt-Systemen. Wenn man der (nicht sehr vertrauenserweckenden) englischen Live-Übersetzung des Videos vom Launch-Event (siehe oben) glaubt, soll allerdings nur die Basisversion ein 400-Volt-System haben, die beiden gehobenen Versionen arbeiten mit 800 Volt. 

 

Der Xiaomi SU7 ist mit mit 4.997 mm rund 30 cm länger als das Model 3 und mit 1.455 mm rund zwei Zentimeter höher. Auch der Radstand (3.000 mm) ist 13 cm länger. Der hintere Kofferraum (mit kleinem Kofferraumdeckel wie bei Model 3) fasst 514 Liter beim Hecktriebler, beim Allradler 493 Liter. Dazu kommt bei allen Versionen ein 105 Liter großer Frunk.

Zu den weiteren Besonderheiten gehören ein cW-Wert von nur 0,195, ein ausfahrbarerer Heckspoiler, Drift-, Boost und Launch-Modi, optionale Lidar-Sensoren und ein kleiner Kühlschrank, bidirektionales Laden, ein besonders großes Head-up-Display, etliche physische Tasten (die beim Model 3 weitgehend fehlen) und aufblasbare Sitzwangen. Xiaomi-Tablets lassen sich in Halter an den Vordersitzlehnen einsetzen. Diese sind dann mit der Fahrzeugelektronik verbunden, so dass man von ihnen aus den Beifahrersitz nach vorne schieben (Chauffeurs-Modus) oder das Navigationsziel eingeben kann. 

Unter dem Strich

Mit seinem ersten Elektroauto ist Xiaomi offenbar ein großer Wurf gelungen. Daten und Preise klingen fast zu schön, um wahr zu sein – das Auto ist offenbar deutlich besser und dazu noch günstiger als das Tesla Model 3 in China. Auch das Presse-Echo war gewaltig, und ausgesprochen positiv. Da dürfen sich Autohersteller wie Tesla und die deutschen Konzerne warm anziehen.