Schon im März gab es ernstzunehmende Hinweise auf eine drohende Firmenpleite von Fisker, nun ist sie offenbar da. Die Fisker Group Inc. hat Insolvenz angemeldet. Am gestrigen 17. Juni habe man im Bundesstaat Delaware Gläubigerschutz nach US-Recht ("Chapter 11") beantragt, so das Unternehmen. 

Die Fisker Group Inc. ist laut Pressemitteilung die operative Tochtergesellschaft von Fisker Inc., die selbst genauso wenig in den Insolvenzantrag einbezogen ist wie andere Tochtergesellschaften. Nach Meldungen in verschiedensten Medien kommt das Ende der Fisker Group aber offenbar einem Ende für Fisker als Autohersteller gleich. Fisker will beim Konkursgericht beantragen, dass Löhne und Sozialleistungen weiter gezahlt, ausstehende Zulieferer-Rechnungen noch beglichen werden können. 

Man befinde sich zudem "in fortgeschrittenen Gesprächen mit Finanzinteressenten". Das bedeutet wohl, dass man nach Firmen sucht, welche die Reste des Autoherstellers aufkaufen, insbesondere Patente, Immobilien oder Inventar. Eine eigene Produktionsanlage dagegen besaß Fisker nie, denn das Elektro-SUV Fisker Ocean wurde bei Magna in Österreich gefertigt. 

Henrik Fisker posiert am ersten ausgelieferten Fisker Ocean in Dänemark

Henrik Fisker posiert am ersten ausgelieferten Fisker Ocean in Dänemark

Fisker habe seit der Gründung im Jahr 2016 "unglaubliche Fortschritte gemacht", sagte ein Unternehmenssprecher. Man habe den Ocean doppelt so schnell auf den Markt gebracht wie in der Branche üblich und Tausende davon in Nordamerika und Europa ausgeliefert. Aber man sei mit "verschiedenen Markt- und makroökonomischen Gegenwinden konfrontiert" gewesen. Nach einer Prüfung aller Optionen sei man nun zu dem Schluss gekommen, dass "der Verkauf unserer Vermögenswerte nach Chapter 11 der praktikabelste Weg" ist.

Die Pleite kommt alles andere als überraschend. Schon Anfang Dezember warnte Fisker, dass man wegen eines Liquiditätsengpasses die Produktion bei Magna reduzieren müsse. Im Jahr 2023 wurden zwar über 10.000 Ocean gebaut, aber nur 4.700 ausgeliefert – so war man offenbar auf den Produktionskosten sitzen geblieben. Zuletzt hatte es Hoffnungen gegeben, dass Nissan oder ein anderer großer Autohersteller der Firma aus der Patsche helfen könnte, aber daraus wurde nichts.

Nach dem im November 2022 gestarteten Ocean sollte 2025 ein kleiner Bruder namens Fisker Pear folgen. Auch ein Elektro-Pick-up sowie ein Elektro-Cabrio namens Ronin waren geplant. All die schönen Pläne sind nun jedoch Makulatur. Wird jemand anderes den Fisker Ocean unter eigenem Namen anbieten? Es ist nicht ausgeschlossen, aber das Umfeld für Elektroautos ist derzeit alles andere als günstig. Oder wird Henrik Fisker nach der 2014 Pleite gegangenen Firma Fisker Automotive und dem nun insolventen Unternehmen Fisker Inc. einen dritten Versuch starten? Wir werden sehen.  

Unter dem Strich

Schade drum! Der Fisker Ocean und die vielen Ideen, die in ihm steckten, hat uns gut gefallen, auch bei einer Besichtigung im Laden direkt am Münchner Marienplatz beeindruckte uns das Mittelklasse-SUV.

Henrik Fisker hat mit der Produktion bei Magna die von Elon Musk beschriebene "Produktionshölle" vermieden, wurde aber wohl Opfer einer Kapitalknappheit infolge von Zinserhöhungen. Die Nachfrageflaute und Probleme bei der Auslieferung waren wohl weitere Faktoren.

Dass nun Schluss ist, ist wirklich schade – wir wiederholen es nochmal. Die Firma und ihre Produkte waren uns sympathisch. Zumal Fisker immer sehr offen und ehrlich mit seiner Situation umging und eine hervorragende Pressearbeit machte. 

Bildergalerie: Fisker Ocean 2023 (Serienmodell)