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Batteriehersteller Northvolt meldet Insolvenz in Schweden an

Deutsche Tochtergesellschaft nicht direkt betroffen – geplantes Werk in Heide wird vorerst weitergebaut

Northvolt Ett: Das Batteriewerk in Skelleftea als Rendering

Northvolt ist nun offenbar wirklich am Ende. Der schwedische Batteriehersteller hat in Schweden Insolvenz angemeldet. Das gab der Vorstand am heutigen Mittwoch (12. März) bekannt. Alle Bemühungen zur Sicherung einer tragfähigen finanziellen und betrieblichen Zukunft haben offenbar nichts gebracht. Eine finanzielle Restrukturierung sei nicht gelungen, obwohl man Liquiditätsunterstützung durch Kreditgeber und Partner erhalten habe. 

Wie viele Batteriehersteller war auch Northvolt in den letzten Monaten "mit einer Reihe sich verschärfender Herausforderungen konfrontiert, die seine finanzielle Lage beeinträchtigten", schreibt die Firma. Dazu gehörten steigende Kapitalkosten, geopolitische Instabilität, daraus resultierende Lieferkettenunterbrechungen und eine verringerte Nachfrage. Darüber hinaus stand das Unternehmen beim Hochfahren der Produktion vor erheblichen Herausforderungen.

Ein vom Gericht bestellter Treuhänder wird sich nun um Northvolt kümmern. Zu seinen Aufgaben gehören ein möglicher Verkauf des Unternehmens und seiner Vermögenswerte sowie die Begleichung von Schulden. Nach schwedischem Insolvenzrecht liegt der Schwerpunkt auf einem geordneten Übergang für Mitarbeiter, Partner und Gläubiger.

Von der Insolvenz betroffen sind die schwedischen Firmen Northvolt AB, Northvolt Ett AB, Northvolt Labs AB, Northvolt Revolt AB und Northvolt Systems AB. Die deutschen und die nordamerikanischen Tochtergesellschaften dagegen melden keine Insolvenz an. Da es sich jedoch um hundertprozentige Töchter von Northvolt AB handelt, werde der Treuhänder über diese Firmen entscheiden, so Northvolt.

Die Insolvenz sei "besonders erschreckend", wenn man das Interesse potenzieller Partner und Investoren in den letzten Monaten bedenke, sagte Interimschef Tom Johnstone. Man habe auch eine "deutliche Verbesserung und Aufwärtsentwicklung" bei der Zellproduktion in Skellefteå beobachtet. Dort habe sich die Fertigung verdoppelt und seit September habe man eine 50-prozentige Verbesserung der Ausbeute erzielt. Die erste Million Batteriezellen wurde bereits an einen europäischen Kunden ausgeliefert, so die Pressemeldung.

Die Northvolt-Fabrik in Skellefteå gehörte zu den wenigen Werken, die Batteriezellen in Europa herstellen. Doch BMW zog einen milliardenschweren Auftrag zurück, offenbar weil Northvolt zu viel Ausschuss produzierte und hinter dem Zeitplan zurücklag. Im Herbst 2024 hatte das Unternehmen die Entlassung von 1.600 Beschäftigten angekündigt. Ende des Jahres beantragte die Firma dann Gläubigerschutz nach Chapter 11 in den USA. Gleichzeitig trat Unternehmensgründer Peter Carlsson als Northvolt-Chef zurück.

Der Northvolt-Anteil an dem Joint Venture Novo Energy wurde von Partner Volvo im Januar 2025 aufgekauft, wie Northvolt damals meldete. Im Februar verkaufte Northvolt dann seine Modulfertigung an den LKW-Hersteller Scania, der auch Kunde und Investor war.

Unternehmensgründer Peter Carlsson trat am heutigen Freitag mit sofortiger Wirkung als CEO zurück

Lange das Gesicht von Northvolt: Unternehmensgründer Peter Carlsson trat schon im November zurück

Bild von: Northvolt

Northvolt Drei, also die geplante Zellfabrik in Heide (etwa 100 km nördlich von Hamburg) war von dem Chapter-11-Verfahren nicht betroffen. Der Plan sah bisher eine Aufnahme der Fertigung in der zweiten Jahreshälfte 2027 vor. 

"Die Northvolt Drei Project GmbH ist als eigenständige GmbH nicht Teil des Insolvenzantrags und steht in Kontakt mit dem nun eingesetzten Verwalter für Northvolt AB in Schweden", erklärte ein Northvolt-Sprecher gegenüber dem Nachrichtensender ntv. Der Betrieb in Deutschland werde fortgesetzt. Die Arbeiten hatten vor einem Jahr begonnen, wobei auch ein Kredit der KfW über 600 Millionen Euro half. Die Bürgschaft dafür teilten sich je zur Hälfte der Bund und das Land Schleswig-Holstein.

Unter dem Strich

Northvolt ist pleite, und so steht die Batterieproduktion im norddeutsche Heide auf der Kippe. Wenn der gerichtlich bestellte Treuhänder keinen Käufer findet, dürfte es vorbei sein mit dem norddeutschen Batteriezell-Werk für Elektroautos. Davon gibt es nicht allzu viele. In Betrieb ist unseres Wissens nur die Produktion von CATL in Arnstadt bei Erfurt. Geplant sind Werke von VW in Salzgitter, von Svolt in Überherrn (Saarland), von Customcells in Kirchtellinsfurt (bei Tübingen) sowie das ACC-Werk in Kaiserslautern.