Studie: Jede vierte Ladesäule in Deutschland wird kaum genutzt
Flexible Kilowattstunden-Preise würden zu gleichmäßigerer Auslastung führen
Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos sei nach wie vor schlecht, heißt es oft. Da würden wohl alle zustimmen, die keine eigene Wallbox haben, weil weder Garage noch Carport vorhanden ist. Dann wird das Laden tatsächlich manchmal schwierig. Gleichzeitig gibt es aber Schnellader, die katastrophal schlecht ausgelastet sind – so schlecht, dass sie bei Weitem nicht rentabel sind. Das belegen nun die daten einer neuen Studie.
In Deutschland gab es zum 1. Februar 125.408 öffentlich zugängliche Ladepunkte mit 22 kW oder weniger sowie 36.278 "Schnellladepunkte", worunter die Behörde alle Ladepunkte mit mehr als 22 kW versteht. Die insgesamt rund 162.000 Ladepunkte müssen für 1,65 Millionen zugelassene Elektroautos reichen (laut KBA-Bestandsstatistik, zum 1. Januar 2025). Damit teilen sich zehn Elektroautos einen Ladepunkt. Das müsste eigentlich genügen, zumal die allermeisten Ladevorgänge bekanntlich an der privaten Wallbox erfolgen (deren Zahl noch hinzukommt).
Es gibt also keinen Mangel mehr an Ladesäulen in Deutschland, eher ein Überangebot. Und das führt zu einer geringen Auslastung von vielen Säulen, wie eine Studie des Lademarkt-Spezialisten Elvah im Auftrag der Automobilwoche zeigt. Nach der Analyse hatte im zweiten Halbjahr 2024 lag die Auslastung bei einem Viertel der Ladepunkte nur bei ein bis fünf Prozent. Dabei unterscheidet sich die Lage nur wenig, wenn man verschiedene Säulenarten betrachtet. Bei den AC-Ladern hatten 24 Prozent eine so niedrige Auslastung, bei Schnellladern bis 130 kW waren es 32Prozent und bei den HPC-Säulen über 130 kW ein knappes Viertel.
Eine sehr gute Auslastung von über 30 Prozent erreichte nur etwa ein Prozent der HPC-Ladesäulen. Im Gesamtdurchschnitt liege die Auslastung der HPC-Säulen in Deutschland bei sechs bis sieben Prozent. Das ist so wenig Auslastung, dass die Experten eine Marktkonsolidierung erwarten.
Rechnen wir nach: Wenn ein HPC-Ladepunkt eine Auslastung von sieben Prozent hat, bedeutet das wohl, dass er pro Tag rund 100 min genutzt wird, also größenordnungsmäßig für etwa drei Ladevorgänge. Da laut der Analyse pro Ladevorgang rund 20 bis 25 Euro bezahlt werden, werden bei einem Betrieb an 365 Tagen rund 25.000 Euro jährlich eingenommen. Das ist jedoch nur der Umsatz, nicht der Gewinn. Da dauert es in der Tat lange, bis sich die rund 100.000 und 300.000 Euro amortisiert haben, die so ein HPC-Ladepunkt kostet.
Die Auslastung steigern könnte man, wenn die Preise pro Kilowattstunde flexibel wären, meinen die Fachleute. Einheitspreise wie bisher würden keinen Anreiz bieten, schwächer frequentierte Säulen zu nutzen. Das Verteilungsproblem ließe sich also ganz einfach über den Preis lösen, wie es in einer Marktwirtschaft auch sein sollte.
Unter dem Strich
Wie soll jemand ein Elektroauto laden, der mitten in der Stadt wohnt und keine eigene Garage hat? In der Regel wird er oder sie wohl ein- oder mehrmals wöchentlich zum Schnelllader fahren und einen Kaffee trinken, während der Wagen geladen wird.
Zumindest bei uns in München gibt es jedoch in der Innenstadt kaum Schnelllader – die Bodenpreise sind bekanntlich hoch. Also landen die Leute oft am Stadtrand, und dort bei immer den gleichen Säulen, die dann auch sehr gut ausgelastet sind. Andere sind dagegen sehr wenig frequentiert und lohnen sich für die Anbieter kaum. Mit flexiblen Kilowattstunden-Preisen ließen sich Angebot und Nachfrage besser aneinander anpassen.
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