Porsche steckt wegen Fokus auf Elektrifizierung in der Krise
Erst mit Voll"gas" in die E-Mobilität, nun steckt man in Schwierigkeiten ...
Porsche gerät unter Druck. Die Nachfrage nach Elektroautos stagniert, insbesondere in China, dem einstigen Hoffnungsmarkt der Branche. Für Porsche wird genau das jetzt zum Problem – und zwar ein hausgemachtes. Die Marke, die lange als Paradebeispiel für hohe Margen und durchdachte Produktplanung galt, läuft plötzlich der Realität hinterher.
Der Zeitplan für die Einführung neuer E-Modelle wackelt: Der elektrische 718 Boxster und Cayman sowie ein geplanter dreireihiger SUV lassen auf sich warten. Grund sind laut Automotive News strukturelle Probleme in der Strategie. Porsche habe sich zu früh und zu einseitig auf batterieelektrische Fahrzeuge festgelegt – ohne genug Spielraum für Alternativen wie Plug-in-Hybride. Analyst Fabio Hölscher von Warburg Research sieht darin den Kern des Problems. Das Ziel, bis 2030 weltweit 80 Prozent der Verkäufe mit reinen E-Autos zu erzielen, sei zu ambitioniert und zu starr.
"Weil Porsche mit der Einführung seiner Elektroautos hinterherhinkt, müssen nun zusätzliche Verbrennermodelle entwickelt werden, um die Lücke zu füllen", sagt Hölscher gegenüber Automotive News. Das verschärft nicht nur die Lage in China, sondern auch die Unsicherheit rund um US-Exporte. Porsche reagierte bereits im Februar mit dem Abbau von 1.900 Stellen in Entwicklung und Produktion. Begründung: Der verzögerte Hochlauf der Elektromobilität. Doch das war offenbar erst der Anfang. Laut Automobilwoche sollen die Umsatzprognosen für 2025 um rund zwei Milliarden Euro gesenkt werden, zudem stehen bis zu 8.000 weitere Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Parallel läuft Porsche Gefahr, in China vollständig den Anschluss zu verlieren. Der Absatz ist dort im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent eingebrochen. Der Markt hat sich rasant verändert. Statt deutscher Premiummarken dominieren chinesische Elektroautos mit brutalen Leistungswerten und massivem Technologieeinsatz – zu Preisen, die Porsche nicht mitgehen kann. Fahrzeuge wie der Xiaomi SU7 Ultra oder der Yangwang U9 bringen vierstellige PS-Zahlen, aktives Fahrwerk und Hightech-Innenräume auf die Straße – zu einem Bruchteil der Porsche-Konditionen.
"Chinas Markt ist derzeit das größte Problem für Porsche", sagt Pedro Pacheco, Vizepräsident für Forschung bei Gartner, gegenüber Automotive News Europe. Inzwischen denkt der Konzern laut CEO Blume offen darüber nach, sich komplett aus dem Markt zurückzuziehen.
Um nicht weiter ins Schlingern zu geraten, hat Porsche begonnen, die Führung neu aufzustellen. Michael Steiner, bislang Entwicklungsvorstand im VW-Konzern, wurde zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bei Porsche befördert. Auch die Posten in Finanzen und Vertrieb wurden im Februar neu besetzt. Es ist der Versuch, das Steuer herumzureißen – bevor die Marke endgültig an der eigenen Strategie zerschellt.
Porsche steht für Sportlichkeit, Exklusivität und technische Präzision. Doch die aktuelle Gemengelage aus überambitionierten Elektrifizierungsplänen, wachsender China-Konkurrenz und einem global eingetrübten Marktumfeld bringt selbst diesen Mythos ins Wanken. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Porsche den Kurs korrigieren kann – oder ob die einstige Ikone Opfer der eigenen Vision wird.
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