Konduktives Laden mit Bodenplatte statt induktivem Laden?
Audi, Nissan und Vojah wollen Matrix Charging vom österreichischen Spezialisten Easelink als Industriestandard etablieren.
Ein Konsortium aus den drei Elektroauto-Herstellern Audi, Nissan und Vojah will einen Industriestandard für das sogenannte konduktive Laden festlegen, also für das Laden über eine Bodenplatte mit leitendem Kontakt zum Auto. Dafür hat man die Lösung des österreichischen Spezialisten Easelink mit der Bezeichnung Matrix Charging ausgewählt.
Normalerweise werden Elektroautos per Kabel geladen. Alternativ gibt es das kabellose Laden per Induktion, das Porsche nun für den Cayenne anbietet. Eine dritte Möglichkeit ist das sogenannte konduktive Laden. Dabei gibt es eine Bodenplatte in der Garage oder an einem sonstigen Parkplatz, über der das Auto automatisiert abgestellt wird. Dann fährt aus dem Boden des Autos eine Art Rüssel aus, der den Kontakt zur Bodenplatte herstellt. Zu den Vorteilen gehören der Komfortgewinn gegenüber dem Laden per Kabel und die geringeren Verluste im Vergleich zum induktiven Laden.
Auf seiner Website beschreibt Easelink, wie das Ganze funktioniert: Ein Positionierungssystem mit Ultrabreitband-Technik (UWB) hilft beim Finden der idealen Parkposition. Danach senkt sich der sogenannte Connector ab, verbindet sich mit dem Matrix Charging Pad am Boden. Der Ladevorgang startet dann automatisch. Man soll bis zu 22 kW Wechselstrom oder bis zu 50 kW Gleichstrom übertragen. Den Wirkungsgrad gibt der Anbieter mit über 99 Prozent an. Außerdem soll die Technik auch fürs bidirektionale Laden geeignet sein. Übrigens: Ganz neu ist das Ganze nicht, wir haben das System bereits 2019 auf Motor1 vorgestellt.
Bildergalerie: Matrix Charging von Easelink
Die Technik, die Argumente und den Stand des Projekts erklärt Firmenchef Hermann Stockinger im folgenden Video vom Ecosummit im Juni 2025, allerdings auf Englisch:
Damit das konduktive Laden bei allen Elektroautos oder zumindest vielen funktioniert, wird ein Standard benötigt. Deshalb haben sich nun Audi, Nissan und Vojah zur Matrix Charging Interest Group zusammengeschlossen, wobei Vojah die Nobelmarke des chinesischen Dongfeng-Konzerns darstellt. Ebenfalls interessierte Firmen werden zur Mitarbeit eingeladen. Das Ziel der drei Firmen ist, dass Matrix Charging zum globalen Standard für automatisiertes Laden wird.
Unter dem Strich
Das induktive Ladesystem von Porsche ist teuer: Bodenplatte und die nötige Empfängerplatte unter dem Auto sollen zusammen etwa 7.000 Euro kosten. Bei einem über 100.000 Euro teuren Oberklassemodell wie dem Cayenne mag das angehen. Aber wer für sein Auto sagen wir mal 30.000 bis 50.000 Euro bezahlt hat, wird kaum bereits sein, soviel für die Ladeeinrichtung zu bezahlen.
Außerdem ist die Effizienz begrenzt: Porsche gibt einen Wirkungsgrad von 90 Prozent an, das heißt, der Verlust beträgt zehn Prozent. Das konduktive Laden soll günstiger und effizienter sein. Aber noch ist nicht klar, wer sich der Initiative anschließt.
Quelle: Easelink
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