"Aus vom Verbrenner-Aus": Emissionen sollen nur um 90 % sinken
Die restlichen 10 % müssen durch grünen Stahl und E-Fuels ausgeglichen werden.
Die EU-Kommission will tatsächlich ein "Aus vom Verbrenner-Aus". Die CO2-Flottenemissionen sollen nach dem Vorschlag ab 2035 nur noch um 90 Prozent sinken, nicht um 100 Prozent. Die restlichen 10 Prozent sollen durch CO2-Einsparungen an anderen Stellen kompensiert werden. Außerdem will die Kommission eine neue Klasse leichter Elektroautos und Elektroquoten für Firmenflotten.
Die genannten Minderungsquoten beziehen sich auf das Referenzjahr 2021, als durchschnittlich 95 Gramm je Kilometer erlaubt waren. Wenn die Flottenemissionen um 90 Prozent sinken, bedeutet das offenbar eine Senkung auf 9,5 Gramm je gefahrenem Kilometer. Das sind allerdings Werte nach dem alten NEFZ-Zyklus, wie die Automobilwoche erklärt. Dieser Zyklus ist großzügiger ist als WLTP, nach dem es offenbar etwa 11,5 Gramm wären. Zur Orientierung: Der Plug-in-Hybrid-Kombi VW Passat Variant 1.5 eHybrid emittiert nach WLTP 29 Gramm pro Kilometer.
Nach dieser Regelung wäre es auch nach 2035 möglich, Plug-in-Hybride, Range-Extender-Fahrzeuge, Hybride und reine Verbrenner zuzulassen. Allerdings müssen die Hersteller durchschnittlich unter 9,5 Gramm bleiben, das heißt, die höheren Emissionen von beispielsweise Benzinern müssten durch Elektroautos ausgeglichen werden. Auch die übrig bleibenden 9,5 Gramm müssen ausgeglichen werden. Dazu können sich die Hersteller die Verwendung von grünem Stahl oder E-Fuels anrechnen lassen.
Die EU-Kommission möchte zudem eine neue Kategorie kleiner E-Autos aus Europa gründen, die bei der Berechnung der Flottengrenzwerte besonders berücksichtigt werden. Entsprechende Fahrzeuge sollen 1,3-fach gewertet werden. Für eine solche Lösung hatte sich vor allem Stellantis starkgemacht.
Zusätzlich plant die Kommission auch noch Elektroquoten für die Firmenflotten. Diese machen in Europa etwa 60 Prozent der Pkw-Neuzulassungen aus. Die Quoten unterscheiden sich von Land zu Land. Für Deutschland sollen 2030 mindestens 77 Prozent der gewerblich zugelassenen Autos entweder reine Elektroautos oder Brennstoffzellenmodelle (Zero-Emissions-Fahrzeuge) sein oder weniger als 50 Gramm CO2 je Kilometer (Low-Emission-Fahrzeuge) emittieren. Ab 2035 steigt das Ziel dann auf 100 Prozent.
2021 und 2022 hatten die verschiedenen Gremien ein Verbrenner-Aus beschlossen. Danach sollten die CO₂-Flottenemissionen im Jahr 2035 auf null Gramm sinken. Verschiedene EU-Regierungen und mehrere Autohersteller hatten sich jetzt aber um eine Streichung dieses "Verbrennerverbots" bemüht. Manfred Weber, der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, hatte schon Ende letzter Woche den wichtigsten Punkt aus dem Kommissionsvorschlag – die Verminderung der CO₂-Flottenemissionen um 90 Prozent – verkündet.
Offenbar hat die Kommission ihre Vorschläge vorab mit dem Fraktionsführer abgesprochen. Denn es bei allen genannten Punkten handelt es sich nur um einen Vorschlag. Dem müssen noch das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten zustimmen – dieses Verfahren wird als Trilog bezeichnet.
Unter dem Strich
Die EU-Kommission will offenbar ein "Aus vom Verbrenner-Aus". Wie kürzlich vom EVP-Fraktionschef Manfred Weber angekündigt, sollen die Flottenemissionen bis 2035 nicht um 100, sondern nur um 90 Prozent sinken. Das würde bedeuten, dass die Flottenemissionen dann bei maximal 9,5 Gramm liegen dürfen. Viel ist das nicht, zumal auch diese Emissionen noch ausgeglichen werden müssen – durch grünen Stahl oder E-Fuels. Beides ist bekanntlich auch nicht billig. All das klingt nicht nach einem radikalen Schwenk.
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