CO2: Abgeschwächte Grenzwerte ersparen VW eine Milliardenstrafe
BMW dagegen hielt seine CO2-Emissionsziele im Jahr 2025 ein, und das sogar ohne Pool.
Eigentlich waren die CO2-Flottenziele für 2025 längst festgelegt, doch Ende 2025 entschied sich die EU, die Emissionsvorschriften doch noch zu lockern: Die Ziele für 2025 müssen nach der Änderung nur im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027 eingehalten werden. Volkswagen kann besonders dankbar dafür sein, denn ohne die Abschwächung hätte der Konzern rund 1,7 Milliarden Euro Strafe zahlen müssen.
Durch die neue Abgasregelung können Autobauer, die ihre Ziele 2025 verfehlt haben, dies durch niedrige Emissionen in den Folgejahren ausgleichen. Das ist bei Volkswagen besonders nötig, denn nach Berechnungen des Automarkt-Spezialisten Dataforce kam VW letztes Jahr auf CO2-Flottenemissionen von 101,3 Gramm pro Kilometer. Damit überschritt der Konzern die Zielvorgabe von 95,4 Gramm um 5,9 Gramm, wie die Automobilwoche berichtet. Für jedes Gramm CO2 zu viel wären 95 Euro Strafe fällig geworden, und zwar für jedes in der EU verkaufte Auto.
Mit rund 314 Millionen Euro die zweithöchsten Strafzahlungen wären auf Renault zugekommen: Der französische Konzern verfehlte sein Ziel von 97 Gramm um 2,7 Gramm. Der Hyundai-Konzern lag um 2,2 Gramm über dem Ziel, was eine Strafzahlung von 175 Millionen Euro zur Folge gehabt hätte. Allerdings hätten die Konzerne ihre Flottenemissionen noch senken können, zum Beispiel durch starke Rabatte auf Elektroautos gegen Ende des Jahres oder durch Bildung von Pools mit Elektroauto-Herstellern.
Nur durch eine solche Pool-Bildung hat Stellantis seine CO2-Ziele erreicht. Der Konzern, zu dem Marken wie Fiat, Opel, Citroën und Peugeot gehören, tat sich mit dem Elektroauto-Bauer Tesla zusammen. Er verfehlte seine Vorgabe um 6,6 Gramm. Von dem gleichen Pool profitierten Ford sowie die japanischen Hersteller Mazda, Suzuki, Subaru und Honda. Toyota erreichte seine Vorgabe dank seiner hohen Hybridquote. Mercedes bildete einen Pool mit Geely und dürfte so von der Elektroautomarke Smart profitiert haben. Die Stern-Marke überschritt ihre Zielvorgabe um 12,5 Gramm und hätte damit rund 700 Millionen Euro Strafe zahlen müssen.
Trotz der Zielverfehlungen ist das Bild nicht so trübe, wie es vielleicht wirkt. Denn die CO2-Flottenemissionen haben sich 2025 um stolze 9,6 Gramm verringert. Das war mehr als in den drei Jahren davor, in denen sie insgesamt nur um 7,7 Gramm sanken. Ermöglicht hat dies vor allem der steigende Elektroauto-Absatz. Die BEV-Quote in Europa stieg 2025 von 15 auf 19 Prozent, wie der ICCT berichtet. Nach Daten der Umwelt-Analyse-Organisation haben sich auch die BEV-Anteile der einzelnen Marken deutlich verbessert:
| Konzern | BEV-Anteil 2025 | BEV-Anteil 2024 |
| BMW | 27 % | 22 % |
| Hyundai | 20 % | 12 % |
| Volkswagen | 19 % | 12 % |
| Mercedes | 18 % | 18 % |
| Renault | 13 % | 8 % |
| Stellantis | 13 % | 10 % |
| Toyota | 4 % | 2 % |
Die höchste BEV-Quote hatte danach die BMW Group. Sie schnitt auch am besten von den großen Konzernen ab: Der Münchner Hersteller unterbot sein Ziel schon 2025 deutlich, und das ohne einen Pool.
Andere Konzerne können durch ihre angekündigten Elektroautos optimistisch in die Zukunft schauen. Der VW-Konzern wird seinen BEV-Anteil wohl durch volumenstarke Elektro-Kleinwagen wie den VW ID. Polo steigern. Bei Stellantis dürften die günstigen Modelle der Smart Car Family (Citroën e-C3, Fiat Grande Panda, Opel Frontera etc.) helfen, bei Renault der neue Twingo Electric. Mit diesen Modellen könnte es den Konzernen gelingen, ihre zu hohen 2025er-Emissionen zu kompensieren.
Unter dem Strich
Die abgeschwächten CO2-Ziele haben Volkswagen, Renault und Hyundai vor saftigen Strafzahlungen an die EU bewahrt. Die BMW Group dagegen dürfte düpiert sein, denn der Münchner Konzern stellte sich brav auf die Ziele ein und erfüllte sie dank einer sehr hohen Elektroquote. So werden durch die Abschwächung letztlich die Falschen belohnt. Aber das alles ist nun Schnee von gestern. Hoffen wir, dass die Elektroquote 2026 auch bei Nachzüglern wie Toyota, Stellantis und Renault steigt. Die angekündigten Modelle geben Anlass zu Optimismus.
Quelle: Automobilwoche (Paywall), ICCT
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