Opel Frontera Electric im Kurztest: Zu billig, um gut zu sein?
Mit 4,39 m ist das Elektroauto so groß wie ein Kompakt-SUV, mit Preisen ab 29.000 Euro aber ziemlich günstig
Der Opel Frontera Electric ist mit 4,40 Meter Länge ein Kompakt-SUV, aber der Basispreis von rund 29.000 Euro ist günstiger als bei so manchem Kleinwagen-SUV à la Opel Mokka Electric. Klar, da musste gespart werden. So hat der Wagen nur 83 kW Antriebsleistung und eine Reichweite von rund 300 km. Auf was muss man hier sonst noch verzichten? Und vor allem: Ist das Ergebnis noch akzeptabel und für wen? Wir haben den Wagen getestet.
Der Opel Frontera ist Mitglied der Smart Car Family des Stellantis-Konzerns, die eigens auf günstige Preise hin entwickelt wurde. Zu dieser Familie gehören sowohl Modelle mit etwa vier Meter Länge (Citroen e-C3 und Fiat Grande Panda) als auch größere mit 4,40 m Länge wie der Citroen e-C3 Aircross und eben der Frontera Electric. Alle haben die besagten 83 kW. Hier sind die wichtigsten Daten unseres Modells:
| Opel Frontera Electric 44 kWh | |
| Antrieb | FWD 83 kW, 125 Nm |
| 0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | 12,1 Sek. / 143 km/h |
| Akku brutto /netto | 45 / 44 kWh |
| WLTP-Reichweite | 305 km |
| Ladeleistung AC/DC | 7 (opt. 11 kW) einphasig / 100 kW |
| Länge / Höhe | 4,39 m / 1,66 m |
| Kofferraum | 460-1.600 Liter |
| Preis (Ausstattung) | 28.990 Euro (Edition) |
Die besagten 83 kW reichten uns im Verkehr rund um Frankfurt aus. Klar, Duelle mit Sportwagen darf man sich bei einem Sprintwert von 12,2 Sekunden nicht liefern. Und das Drehmoment von 125 Nm ist sogar niedriger als bei der schwächeren Mildhybridversion, die mit 81 kW sogar weniger Systemleistung bietet, aber 205 Nm Drehmoment hat. Und die 140 km/h Spitze reichen locker; die meisten Elektroautos werden sowieso nur mit maximal 120 km/h gefahren, zumal in dieser Klasse.
Als Energiespeicher baut Opel einen LFP-Akku mit 45 kWh brutto und 44 kWh netto ein. Die Reichweite von 305 km nach WLTP ist arg niedrig. Mehr als ein Zweitwagen für den Transport von Kindern, Omas und Einkäufen ist das Auto damit nicht. Aber auch diese Art von Fahrzeugen wird gebraucht.
Bildergalerie: Opel Frontera Electric (2025, Bilder zum Test)
Was aber wirklich befremdet, ist der hohe Verbrauch von 18,2-18,5 kWh/100 km. Das wird deutlich, wenn man mit der neuen Version des Elektro-Frontera mit größerer Batterie (54 kWh netto) und 400 km Reichweite vergleicht: Die braucht rund zwei kWh weniger. Obwohl sie schwerer ist und den gleichen Motor hat. Die neue 54-kWh-Batterie gebe die Energie effizienter ab, heißt es bei Opel – Genaueres konnte man uns nicht sagen, wir vermuten, dass es am Wirkungsgrad des Inverters liegt.
Außerdem bietet der Opel Frontera mit der kleinen Batterie nur einen einphasigen Bordlader – während die 54-kWh-Version serienmäßig einen dreiphasigen 11-kW-Lader besitzt. Opel gibt die Ladeleistung mit 7,4 kW an, aber dieser Wert wird bei 230 Volt nur mit 32 Ampere erreicht – die deutsche Schieflastverordnung erlaubt unseres Wissens aber nur 20 Ampere auf einer Phase, also 4,6 kW. Und damit dürfte eine Komplettladung fast zehn Stunden dauern. Empfehlenswert also, den optionalen 11-kW-Bordlader für 400 Euro mit zu ordern.
Am Schnelllader wird mit bis zu 100 kW geladen, was 26 Minuten dauern soll – allerdings bei einem Ladehub von 20 bis 80 Prozent. Daraus errechnet sich eine Ladegeschwindigkeit von 44 kWh x 0,6 / 26 min = 1,0 kWh/min. Kein guter Wert, aber für ein Stadtauto durchaus akzeptabel – auch ein Elektro-Mini lädt nicht schneller.
Opel Frontera Electric (2025): Das Cockpit der Version GS
Eine Vorkonditionierung gibt es beim Frontera aber nicht, genauso wenig wie eine Wärmepumpe. Auch Verbrauchsanzeige, Fahrmodi und Abstandstempomat (ACC) fehlen. Der Frontera wird außerdem noch per Zündschlüssel gestartet. Natürlich geht es auch so, aber wer Elektroautos gewöhnt ist, findet das arg antiquiert: Außer dem Billigheimer Dacia Spring Electric fällt uns kein Modell ein, das noch einen Zündschlüssel hat. Immerhin ist die Handbremse elektrisch ausgeführt – der Dacia hat noch eine manuelle Handbremse.
Ansonsten kann man mit dem Frontera leben. Das Fahrwerk wirkt bei Unebenheiten manchmal etwas hölzern, aber lange Autobahnstrecken sind wegen der Reichweite ohnehin kontraindiziert. Im Cockpit gibt es bei der Basisausstattung Edition statt eines Touchscreens nur eine Smartphone-Halterung. Es wird also per Handy navigiert. Wie gut das klappt, kann ich nicht sagen, da ich die höherwertige Version GS für 32.490 Euro gefahren habe. Aber vermutlich braucht man sowieso nur selten ein Navi, denn der Frontera wird wohl vor allem in der näheren Umgebung gefahren, wo man sich auskennt.
Die Außenspiegel werden bei allen Varianten über die gewohnten Wippen in den Türen eingestellt und es gibt vier Tasten für die vier Fensterheber – was beides nicht mehr selbstverständlich ist.
Zu den Stärken des Frontera gehört das Platzangebot: Im Fond ist mehr als genug Platz für Erwachsene, zumindest für meine Körpergröße von 1,76 Metern. Der Kofferraum ist mit 460 bis 1.600 Liter größer als etwa beim Volvo EX40, der 410-1.286 Liter bietet, und auch beim Hyundai Kona Electric (466-1.310 Liter). Der praktische Einlegeboden ist bei allen Frontera an Bord. Außerdem ist die Verarbeitung zumindest akzeptabel. Das merkt man zum Beispiel beim Umlegen der Rücksitze: Während die Rückbank des Dacia Spring arg billig und labbrig wirkt, ist sie bei unserem Opel ordentlich verarbeitet.
Opel Frontera Electric: Geteilt umklappbare Rücksitze, Einlegeboden und Vertrauen erweckende Materialien
Dacia Spring: Die dünne Fondlehne wird im Ganzen umgeklappt und wirkt nicht gerade hochwertig
Welche Alternativen gibt es zum Opel Frontera Electric? Am nächsten kommt ihm natürlich das Schwestermodell Citroen e-C3 Aircross, das man schon ab 26.490 Euro erhält, also für 2.500 Euro weniger als unseren Opel. Auch hier gibt es in der Basisversion nur eine Handyhalterung und einen 7,4-kW-Lader. Serie bei beiden Modellen sind eine manuelle Klimaanlage, elektrisch einstellbare Außenspiegel, 16-Zoll-Stahlräder, LED-Scheinwerfer und Parkpiepser hinten. Aber offenbar hat nur der Opel serienmäßig vier elektrische Fensterheber, der Citroen hat sie in der Basisversion nur vorne. Eine Sitzheizung gibt es bei beiden Autos nur optional.
Die nächsthöhere Ausstattung bei Citroen ist mit 28.690 Euro immer noch günstiger als die Einstiegsversion des Opel; zudem gibt es noch eine dritte Version für 30.890 Euro. Bei Opel werden nur zwei Ausstattungen offeriert. Die gefahrene GS-Variante kostet bereits 32.490 Euro. Für die 3.500 Euro Aufpreis gibt es vor allem den Touchscreen, 17-Zoll-Aluräder, Parkpiepser auch vorne, eine Rückfahrkamera, elektrisch beheiz- und anklappbare Außenspiegel und eine Klimaautomatik – aber keine Sitzheizung.
Neben dem Orangeton auf unseren Bildern gibt es für den Frontera noch "unbunte" Lackierungen in Weiß, Silber und Schwarz sowie ein Blau und ein Grün. Citroen bietet ebenfalls attraktive Farben an: Neben Weiß, Grau und Schwarz gibt es ein Hellblau, ein Rot und ein Dunkelgrün; die rote und die grüne Version haben hier ein Dach in Kontrastfarbe.
Unter dem Strich
Wer ein günstiges Elektroauto als Zweitauto sucht, das vor allem viel Kofferraum und genug Platz im Fond bieten soll, kommt am Opel Frontera Electric kaum vorbei. Es sei denn, man nimmt das technisch praktisch identische Schwestermodell Citroen e-C3 Aircross, das es bei ähnlichen Ausstattungsumfängen für etwa 2.500 Euro weniger gibt. Ein Kollege berichtete beim Fahrevent, dass der Citroen ein deutlich weicheres und komfortableres Fahrwerk hat – wer hier empfindlich ist, sollte also möglichst beide Modelle testen.
Was den Opel Frontera Electric angeht, so würden wir es bei der Basisversion belassen – ein Navi braucht man bei einem Zweitauto sowieso selten. Aber den 11-kW-Bordlader und eine Sitzheizung würden wir dazubestellen. Dann landet man bei etwas mehr als 30.000 Euro. Dann kommen aber auch Alternativen in Betracht, und zwar umso mehr, je mehr Extras man haben möchte. So gibt es den etwas kleineren Renault 4 Electric ab 29.400 Euro, den BYD Atto 2 für rund 32.000 Euro oder den Smart #1 für etwa 32.500 Euro, wenn man den Herstellerrabatt von 4.500 Euro einbezieht.
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