Xpeng L03 (2027) im ersten Test: Mit viel Komfort für wenig Geld gegen Tesla Model Y
Xpeng greift mit dem neuen L 03 selbstbewusst in der SUV-Mittelklasse an und bietet viel Komfort zum kleinen Preis. Wo ist der Haken?
Manchmal reichen schon wenige Kilometer, um zu wissen, dass ein Auto den eigenen Geschmack trifft. Beim neuen Xpeng L03 ist das so. Der chinesische Elektro-SUV verbindet ein bemerkenswert hochwertiges Interieur mit viel Platz, reichlich Leistung und einem Komfort, der mich auf meiner ersten Ausfahrt rund um Köln nachhaltig beeindruckt hat. Und das zu Preisen, die bei gerade einmal 35.600 Euro beginnen.
Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Ganz ohne Schwächen ist der neue Xpeng natürlich nicht. Trotzdem habe ich mich lange nicht mehr auf Anhieb in einem Auto so wohlgefühlt. Warum das so ist, zeigt dieser erste Fahrbericht mit dem 431 PS starken L03 AWD Performance Ultra.
Bildergalerie: XPeng L03 (2026) Test
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Laden | Preis | Fazit
| Schnelle Daten | XPeng L03 AWD Performance Ultra |
| Antrieb | Allrad, zwei Elektromotoren, 317 kW (431 PS) |
| 0-100 km/h | 4,5 Sekunden |
| Batterie | 71,1 kWh brutto / 70,4 kWh netto |
| Reichweite (WLTP) | 440 km |
| Verbrauch (WLTP) | 18,4 kWh/100 km |
| DC-Ladeleistung | bis 236 kW |
| Preis Testversion | 46.600 Euro |
| Basispreis Baureihe | ab 35.600 Euro |
Karosserie/Design
Mit 4,65 Meter Länge, 1,92 Meter Breite und 1,60 Meter Höhe bewegt sich der L03 mitten im Revier von Tesla Model Y und Ford Mustang Mach-E. XPeng bezeichnet ihn als SUV-Coupé, was angesichts der geschwungenen Dachlinie durchaus passt. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,228 erklärt, weshalb die Karosserie so glatt und rund ausfällt.
Langweilig ist sie deshalb noch lange nicht. Die kräftig modellierten vorderen Kotflügel und die ausgeprägten Kanten der Motorhaube verleihen dem L03 einen eigenständigen Auftritt. Schön auch, dass sich die vorderen Fahrzeugkanten vom Fahrersitz aus noch erkennen lassen. Das erleichtert die Orientierung im Alltag.
Hinten wird es etwas beliebiger. Ein durchgehendes Leuchtenband gehört mittlerweile schließlich fast zur automobilen Grundausstattung. Die kräftig ansteigende Gürtellinie und das große Panoramadach, das optisch in die Heckscheibe übergeht, sorgen dennoch für Wiedererkennungswert. Insgesamt ein progressives, aber erfreulich unaufgeregtes Design. Mir gefällt es, ist aber natürlich stets Geschmackssache.
| Abmessungen & Gewichte | XPeng L03 AWD Performance Ultra |
| Länge / Breite / Höhe | 4.650 / 1.920 / 1.600 mm |
| Radstand | 2.850 mm |
| cW-Wert | 0,228 |
| Leergewicht | 2.040 kg |
| Kofferraum | 367 bis 1.131 Liter |
| Frunk | 44 Liter |
| Anhängelast gebremst | 1.500 kg |
Innenraum
Hier spielt der XPeng seine größte Stärke aus. Ich habe mich tatsächlich lange nicht mehr auf Anhieb in einem Auto so wohlgefühlt. Helle Flächen, weiche Kunstlederoberflächen, eine ausgesprochen stimmige Ambientebeleuchtung und ein Armaturenbrett, das eher nach modernem Wohnraum als nach klassischem Automobilbau aussieht. Alles wirkt sorgfältig gestaltet und erstaunlich hochwertig.
Das gilt auch für die Details. Dekorative Torx-Schrauben im Armaturenbrett erfüllen zwar keinen erkennbaren Zweck, sehen aber einfach gut aus. Dazu kommen metallisch wirkende Lautsprechergitter, angenehm unterschäumte Oberflächen und gepolsterte Türablagen. Sogar unter der schwebenden Mittelkonsole findet sich eine weiche Ablagefläche. Hier hat jemand mitgedacht.
Die hellen Sitze mit ihren farblich abgesetzten Kedern passen perfekt zum Ambiente. Sie sind ausgesprochen weich gepolstert, bieten aber dennoch ordentlichen Seitenhalt. Auch mit 1,87 Meter Körpergröße fehlt es mir nicht an Oberschenkelauflage. Im gefahrenen Performance Ultra gibt es außerdem Sitzheizung, Belüftung und eine bemerkenswert kräftige Massagefunktion.
Viel Platz, kleiner Kofferraum
Auch hinten herrschen nahezu fürstliche Platzverhältnisse. Selbst hinter dem auf meine Größe eingestellten Fahrersitz bleibt reichlich Knieraum. Der Boden liegt elektroautotypisch etwas hoch, die Sitzposition ist aber keineswegs unangenehm. Dazu gibt es viel Kopffreiheit und eine um fünf Grad neigungsverstellbare Rücksitzlehne.
Beim Gepäckabteil sieht die Sache weniger großzügig aus. 367 Liter sind für ein 4,65 Meter langes SUV kein Ruhmesblatt. Immerhin ist der Kofferraum gut geschnitten und fasst bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.131 Liter. Vorne bietet das Allradmodell zusätzlich einen 44-Liter-Frunk, die Hecktriebler sogar 89 Liter. Nur der Range Extender muss darauf verzichten.
Digital, aber erstaunlich alltagstauglich
Das digitale Cockpit besteht aus einem 15,6 Zoll großen Zentralbildschirm, einem 8,88-Zoll-Instrumentendisplay und einem riesigen Head-up-Display mit 26,8 Zoll Projektionsdiagonale. Die Darstellung ist gestochen scharf, die Menüs sind ansprechend gestaltet und die Bedienung funktioniert für ein derart digitalisiertes Auto erstaunlich gut.
Besonders gelungen ist die Navigation. XPeng verwendet eine eigene Benutzeroberfläche mit integrierten Google-Maps-Daten. Das sieht hervorragend aus und funktioniert auf meiner Fahrt überzeugend. Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord. Allerdings werden die Navigationshinweise von CarPlay offenbar nicht ins Head-up-Display übernommen. Das funktioniert nur mit der bordeigenen Navigation.
Eine echte Offenbarung ist die 360-Grad-Kamera. Mit einem einzigen Tastendruck am Lenkrad lassen sich detaillierte Ansichten sämtlicher Fahrzeugseiten und Räder aufrufen. Selbst während der Fahrt. Beim Rangieren in engen Straßen ist das eine enorme Erleichterung. So etwas würde ich mir tatsächlich in jedem Auto wünschen.
Ähnlich begeistert bin ich von der Einblendung der Totwinkelkameras direkt im Head-up-Display. Beim Blinken erscheint das entsprechende Kamerabild unmittelbar im Sichtfeld. Besser lässt sich diese Funktion kaum integrieren.
Natürlich gibt es auch Schwächen. Die Schrift im Instrumentendisplay ist viel zu klein, ebenso manche Symbole auf dem Zentralbildschirm. Zwar lässt sich dort die Schriftgröße verändern, nicht aber im Fahrerdisplay. Und dass die Außenspiegel über Lenkradtasten eingestellt werden müssen, bleibt eine unnötige Spielerei.
Dafür besitzt der L03 ein ganz normales mechanisch zu öffnendes Handschuhfach und klassische Türöffner. Man freut sich inzwischen über solche Selbstverständlichkeiten. Eine griffgünstige, belüftete 50-Watt-Ladeschale fürs Smartphone rundet den guten Eindruck ab.
Antrieb/Fahreindrücke
Mein Testwagen trägt die Bezeichnung AWD Performance Ultra. Dahinter verbergen sich zwei Elektromotoren mit zusammen 317 kW (431 PS) und 451 Nm Drehmoment. Der Sprint auf Tempo 100 dauert gerade einmal 4,5 Sekunden, bei 180 km/h ist Schluss. Die 71,1 kWh große LFP-Batterie (70,4 kWh netto) ermöglicht laut WLTP bis zu 440 Kilometer Reichweite.
Leistungsmangel? Ganz sicher nicht. Der L03 schießt bei Bedarf vehement nach vorne, bleibt dabei aber angenehm kontrollierbar. Besonders gefällt mir das spontane Ansprechverhalten. Anders als beim kürzlich gefahrenen P7+ muss man das Fahrpedal nicht erst tief durchtreten, um ordentlich Vortrieb zu bekommen.
Weniger überzeugend ist die Rekuperation. Selbst in der stärksten Einstellung gibt es keinen echten One-Pedal-Modus. Vor allem setzt die Verzögerung nach dem Lupfen des Fahrpedals mit einer spürbaren Verzögerung ein. Das verhindert jenes präzise Spiel mit dem rechten Fuß, das gutes One-Pedal-Driving so angenehm macht.
Komfort ist seine Kernkompetenz
Die Lenkung bietet drei Abstimmungen namens Leicht, Moderat und Stark. In der leichtesten Einstellung erinnert sie ein wenig an eine Playstation, immerhin mit definierter Mittellage und einem Hauch Rückmeldung. Die strafferen Einstellungen erhöhen die Lenkkräfte, echte Kommunikation mit der Vorderachse entsteht dadurch aber kaum.
Das passt allerdings zum Charakter dieses Autos. Der L03 will kein Kurvenräuber sein, sondern ein komfortabler Reisebegleiter. Und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten souverän weg, ohne übermäßig schaukelig zu wirken. Nur gelegentlich dringt ein leichtes Poltern durch, möglicherweise eine Folge der großen 20-Zoll-Räder.
Ganz ohne Nebenwirkungen bleibt die weiche Abstimmung nicht. In Kurven neigt sich die Karosserie deutlich zur Seite. Beim Beschleunigen hebt sich die Front, beim Bremsen taucht sie kräftig ein. Ein bisschen Bootsfahrt ist also durchaus dabei. Zusammen mit den wunderbar bequemen Sitzen ergibt das dennoch ein herrlich entspanntes Fahrerlebnis.
Auch die Bremsen überzeugen mich mit klarem Druckpunkt, kräftiger Wirkung und unauffälligem Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Verzögerung. Der Geräuschkomfort ist ebenfalls sehr gut. Trotz rahmenloser Seitenscheiben bleibt es angenehm ruhig, wobei ich höhere Autobahngeschwindigkeiten kaum ausprobieren konnte.
| Technische Daten | XPeng L03 AWD Performance Ultra |
| Antrieb | Zwei Elektromotoren, Allradantrieb |
| Systemleistung | 317 kW (431 PS) |
| Maximales Drehmoment | 451 Nm |
| 0-100 km/h | 4,5 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| Batterietyp | Lithium-Eisenphosphat (LFP) |
| Batteriekapazität brutto / netto | 71,1 / 70,4 kWh |
| Reichweite (WLTP) | 440 km |
| Verbrauch (WLTP) | 18,4 kWh/100 km |
| AC-Ladeleistung | 11 kW |
| DC-Ladeleistung | bis 236 kW |
| DC-Ladezeit 10-80 % | 20 Minuten |
| Vorderachse | MacPherson-Federbeine |
| Hinterachse | Fünflenkerachse |
| Bereifung | 20 Zoll |
Verbrauch/Laden
Auch beim Verbrauch hinterlässt der kräftige Allradler einen erfreulichen Eindruck. Im Stadtverkehr kam ich mit etwa 16 kWh/100 km aus, auf den kurvigen und hügeligen Straßen des Bergischen Landes blieb ich unter 20 kWh. Selbst nach einigen kräftigen Beschleunigungen und einem kurzen Autobahnabschnitt zeigte der Bordcomputer noch rund 18 kWh/100 km an.
Das ist angesichts von Leistung und Fahrzeuggröße absolut in Ordnung. Ein repräsentativer Testverbrauch ist es allerdings nicht. Dafür waren die Strecke zu kurz und die Autobahnanteile zu gering.
Anders als die größeren XPeng-Modelle setzt der L03 auf eine 400-Volt-Architektur. Dennoch verspricht der Hersteller für den Testwagen bis zu 236 kW DC-Ladeleistung. Von zehn auf 80 Prozent soll es in 20 Minuten gehen, von 20 auf 80 Prozent sogar in 18 Minuten. An der Wallbox sind 11 kW möglich. Testen konnte ich das aufgrund der Kürze der Ausfahrt nicht.
Preis
Bereits für 35.600 Euro gibt es den L03 Standard Range mit 222 PS und 445 Kilometern WLTP-Reichweite. Der Long Range mit 249 PS und bis zu 520 Kilometern kostet 38.600 Euro. Für 41.600 Euro folgt der 431 PS starke AWD Performance, der besonders üppig ausgestattete Ultra steht mit 46.600 Euro in der Liste.
| XPeng L03 Variante | Leistung | WLTP-Reichweite | Preis |
| RWD Standard Range | 163 kW (222 PS) | 445 km | 35.600 € |
| RWD Long Range | 183 kW (249 PS) | 520 km | 38.600 € |
| AWD Performance | 317 kW (431 PS) | 440 km | 41.600 € |
| AWD Performance Ultra | 317 kW (431 PS) | 440 km | 46.600 € |
| PowerX Long Range REEV | 183 kW (249 PS) | 215 km elektrisch / 1.017 km gesamt | 38.600 € |
Interessant ist auch der PowerX Long Range für 38.600 Euro. Er kombiniert einen 249 PS starken Heckmotor mit einer 37,2-kWh-Batterie und einem 1,5-Liter-Benziner als Stromgenerator. Rein elektrisch sind laut XPeng 215 Kilometer möglich, insgesamt sollen es 1.017 Kilometer sein. Eine spannende Alternative für Langstreckenfahrer, die ich unbedingt noch ausprobieren möchte.
Die Konkurrenz ist groß. Das Tesla Model Y beginnt offiziell bei 39.990 Euro, der Kia EV5 bei 45.990 Euro. Für den Ford Mustang Mach-E werden mindestens 55.800 Euro fällig, während der Zeekr 7X ab 54.990 Euro angeboten wird. Damit positioniert sich der XPeng ausgesprochen selbstbewusst. Vor allem die umfangreiche Serienausstattung, die siebenjährige Fahrzeuggarantie bis 160.000 Kilometer und das hochwertige Interieur machen ihn zu einem interessanten Angebot.
Fazit
Der XPeng L03 hat mich ausgesprochen positiv überrascht. Selten habe ich mich auf Anhieb in einem Auto so wohlgefühlt. Sein moderner, hochwertiger Innenraum, die durchdachte digitale Technik und der wunderbare Fahrkomfort treffen genau meinen Geschmack. Natürlich gibt es Schwächen, vor allem bei der Rekuperation und einigen Bedienungsdetails. Doch das Gesamtpaket stimmt.
Der L03 verkörpert für mich ziemlich genau das, was ein modernes Elektroauto heute sein sollte. Und das zu einem erstaunlich vernünftigen Preis. Dieser erste Eindruck macht jedenfalls mächtig Lust auf mehr. Einen ausführlichen Test mit Reichweiten- und Lademessungen werden wir nachholen.
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