Familien-SUV mit supersportlichen Fahrleistungen: Einführung nur auf Probe?

Kürzlich stellte Tesla die Plaid-Version des Model S in allen Details vor, doch das entsprechende Model X wurde von Elon Musk mit keinem Wort erwähnt. Wird das Model X Plaid also gar nicht eingeführt? Nein, ganz so düster sind die Zukunftsaussichten für das Van-artige SUV dann doch nicht.

Auf der deutschen Tesla-Seite jedenfalls ist die 1.020-PS-Version nach wie vor konfigurierbar. Zwei Varianten stehen zur Wahl:

  Reichweite 0-100 km/h / Spitze Preis
Model X Long Range 652 km 3,2 Sek. / 250 km/h 87.970 Euro
Model X Plaid 628 km 2,1 Sek. / 322 km/h 127.970 Euro

Positive Zukunftsaussichten für das Model X Plaid bringt außerdem die Tatsache mit sich, dass die Topversion auch bei dem Delivery Event in Fremont durchaus präsent war, wie unter anderem folgender Tweet beweist:

 

Allerdings könnte das Model X Plaid auf der Abschussliste stehen, wie unser Kollege von InsideEVs USA, Steven Loveday, zu Recht meint. Erstens ist der Hauptgrund, ein Model X zu kaufen (und kein Model S), wohl der, dass das Auto mehr Platz für Menschen und Material bietet. Mit anderen Worten: Die Familienkompatibilität ist höher. Aber will die Familie wirklich in 2,6 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt werden? Oder wer fährt mit 322 km/h über die Autobahn, wenn zwei Kinder im Fond sitzen?

Insofern könnte dem Model X Plaid ein ähnliches Schicksal drohen wie konventionell angetriebenen Sport-Vans à la Opel Zafira OPC: Der 240 PS starke und 231 km/h schnelle Kompaktvan mit Dachspoiler und Doppelauspuff wurde 2010 nach nur fünf Jahren wieder eingestellt. 

Auch wenn SUVs in den USA mindestens so beliebt sind wie in Deutschland: Das Model X war bisher dort kein Verkaufshit. So hat Tesla Anfang dieses Jahres überhaupt kein Model X gebaut (übrigens auch kein Model S), und dennoch neue Auslieferungsrekorde aufgestellt. Model 3 und Y mit ihren massenkompatiblen Preisen verkaufen sich einfach besser.

Die Plaid-Version des Model S kommt laut Elon Musk auf den Markt, weil er zeigen möchte, dass Elektroautos beim Sprint mehr leisten können als konventionell angetriebene Autos. Aber gerade in dieser Hinsicht ergibt eine Limousine mehr Sinn als ein SUV. Nicht umsonst sprintet das Model X Plaid eine halbe Sekunde langsamer als das Model S Plaid.

Unser US-Kollege mutmaßt, Tesla werde das Model X Plaid "eine Zeit lang verkaufen, um zu sehen, wie beliebt es ist". Wenn die Zahlen nicht stimmen, könnte Musk auf Twitter behaupten, dass niemand ein Supersport-SUV brauchen – in einem ähnlich abrupten Schritt, wie er das Model S Plaid+ gestrichen hat (das für das Model X niemals zur Debatte stand).

Tesla ist für seine sprunghafte Produktpolitik bekannt: Preisänderungen um mehrere Tausend Euro, neue Varianten, gestrichene Varianten und sogar das Absagen zukünftiger von Autos, für die man bereits Anzahlungen entgegengenommen hat.