Der Auto-Zulieferer Schaeffler aus dem fränkischen Herzogenaurach will den Elektroantriebs-Spezialisten Vitesco übernehmen. Er bietet 91 Euro je Vitesco-Aktie. Damit liege das Angebot rund 20 Prozent über dem Börsenkurs, teilte das Unternehmen am Montag mit. Insgesamt bietet Schaeffler damit 3,64 Milliarden Euro für Vitesco.

Vitesco hatte sich im September 2021 durch Abspaltung der Antriebssparte von Continental gebildet. Das Regensburger Unternehmen bietet Systemlösungen und Komponenten für Verbrennungs-, Hybrid- und Elektroantriebe an. Die Familie Schaeffler hielt schon bisher knapp 50 Prozent der Vitesco AG; nun soll offenbar auch der Rest übernommen werden.  

Schaeffler strebt einen "einvernehmlichen Zusammenschluss" an, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Allerdings sind die Pläne nicht mit dem Vitesco-Vorstand abgestimmt. 

Vitesco sei ein "erstklassiger E-Mobilitäts-Anbieter mit erheblichem Wachstumspotential". Mit dem Zusammenschluss entstünde eine "führende Motion Technology Company" mit einem Umsatz von ungefähr 25 Milliarden Euro und 120.000 Beschäftigten. Die Synergien könnten den Gewinn von Schaeffler um 600 Millionen Euro jährlich steigen lassen, glaubt das Unternehmen. Zunächst entstehen allerdings Kosten von bis zu 665 Millionen Euro, die über verschiedene Banken finanziert werden.

Im Zuge der Vitesco-Übernahme will die Schaeffler AG auch ihre Aktionärsstruktur vereinfachen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Vorzugsaktien sollen in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt werden. Damit würden die normalen Aktionäre mit der Schaeffler-Familie gleichgestellt, die bisher alle Stammaktien besitzen. Die Abgabe von Stimmrechten sei ein "einschneidender Schritt", den man im Interesse des Unternehmens mache, sagte Aufsichtsratschef Georg Schaeffler.

Für Schaeffler würde sich eine Übernahme von Vitesco durchaus lohnen, schreibt die Automobilwoche. Denn der Zulieferer sei beim Umbau in Richtung Elektromobilität noch nicht so weit wie Vitesco. So wollte der Automotive-Vorstand von Schaeffler, Matthias Zink, kürzlich nicht sagen, wann man mit der E-Mobilität Geld verdienen würde. Vitesco dagegen will den Break-even bei den Elektrokomponenten schon 2024 erreichen. Das Geschäft mit Invertern, Batteriemanagement-Systemen (BMS) und E-Achsen werde allmählich ähnlich profitabel wie das klassische Verbrenner-Geschäft, so Vitesco-Chef Andreas Wolf.

Wenn Vitesco und seine Aktionäre dem Deal zustimmen, würde Schaeffler auch von den Partnerschaften profitieren, die Vitesco dieses Jahr mit den Siliciumcarbid-Spezialisten Onsemi und Rohm abgeschlossen hatte. Damit hat sich die Firma die Belieferung mit SiC-Halbleitern langfristig gesichert. Schaeffler hat bisher keine solchen Partner. Siliciumcarbid-Chips sind wichtig für hochwertige Inverter.

Unser Titelbild zeigt das Hauptquartier von Vitesco in Regensburg.