Trotz Konjunkturschwäche ist der Trend zur Elektromobilität international ungebrochen. So wurden zwischen Januar und September 2023 in China, USA und Deutschland rund 5,5 Millionen Elektroautos (BEVs) neu zugelassen. Das war ein Plus von stattlichen 29 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2022.

China bleibt der wichtigste Elektroauto-Markt der Welt. Hier wurden in den ersten neun Monaten 4,2 Millionen BEVs neu zugelassen, so ein Bericht des Center of Automotive Management (CAM). In den USA waren es nur 0,9 Millionen und in Deutschland 0,4 Millionen.

  • BEV-Anteil in China: 23 Prozent
  • BEV-Anteil in Deutschland: 18 Prozent
  • BEV-Anteil in den USA: 8 Prozent

Der Elektroauto-Markt in China wuchs in den neun Monaten um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der BEV-Anteil am gesamten Autoabsatz liegt dort bei stolzen 23 Prozent. 

Tesla Model Y in Deep Blue Metallic: Das Exterieur

Tesla ist in den USA mit einem Marktanteil von 60 Prozent klarer Marktführer (Bild: Model Y)

In den USA nimmt die Elektromobilität, zeitlich verzögert und vorrangig vom
US-Hersteller Tesla getrieben
, an Fahrt auf und verzeichnet starke Zuwächse, so die CAM-Studie. Bis einschließlich September wurden im laufenden Jahr schätzungsweise 873.000 BEVs verkauft. Das entspricht einem Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch liegt der BEV-Anteil in den USA nur bei rund 8 Prozent.

Deutschland kommt in den ersten neun Monaten auf 387.000 neu zugelassene BEVs, was einem Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum entspricht. Hierzulande beträgt der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge mittlerweile etwas über 18 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es nur etwa 15 Prozent.

BEV-Neuzulassungenund Marktanteile in drei Kernregionen (Januar bis September 2023)

BEV-Neuzulassungen und BEV-Anteile in China, USA und Deutschland (Januar bis September 2023)

Für das Gesamtjahr 2023 rechnet das CAM global weiterhin mit knapp 10 Millionen BEV-Neuzulassungen (+35 Prozent gegenüber 2022), davon etwa 6 Millionen in China, 2 Millionen in Europa und 1,3 Millionen in den USA. Deutschland könnte bis zum Jahresende rund 460.000 BEV-Neuzulassungen erreichen, so die Prognose.

Was die einzelnen Autohersteller angeht, so sind Tesla und der BYD-Konzern mit weitem Abstand Marktführer. Tesla steigerte seine Auslieferungen in den ersten drei Quartalen um 46 Prozent auf nunmehr 1,3 Millionen Einheiten. BYD holt zunehmend auf und steigerte seine BEV-Verkäufe deutlich auf über 1 Million Stück (+80 Prozent). 

BEV-Neuzulassungen von ausgewählten Herstellern (Januar bis September 2023)

BEV-Neuzulassungen von ausgewählten Herstellern (Januar bis September 2023)

Deutlich abgeschlagen auf Platz drei liegt die VW Group mit rund 530.000 Stück. Die Steigerung lag hier bei 45 Prozent; da Tesla und BYD stärker wuchsen, kann der Wolfsburger Konzern den Abstand zu den Marktführern nicht verkürzen. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist vor allem auf das Abarbeiten älterer Bestellungen zurückzuführen. Die neuen Bestellungen lassen dagegen zu wünschen übrig. Insgesamt steigt der BEV-Anteil im VW-Konzern jedoch inzwischen bei 7,9 Prozent (Januar-September 2022: 6,1 Prozent).

Der  VW-Konzern kam im ersten bis dritten Quartal auf rund 530.000 Auslieferungen, der BMW-Konzern schaffte etwa 248.000 Stück und Mercedes verkaufte laut CAM etwa 175.000 E-Autos.

BMW verbuchte höhere Elektroverkäufe als Erzkonkurrent Mercedes. Die Münchener lieferten im laufenden Geschäftsjahr rund 248.000 BEVs aus (+93 Prozent), während die Stuttgarter laut CAM auf 175.000 Einheiten (+90 Prozent, Pkw inkl. Vans) kamen.

Auch der chinesische SAIC-Konzern hat wegen der schwächelnden Nachfrage nach dem Bestseller Hongguang Mini EV (unser Titelbild) zu kämpfen. Die BEV-Verkäufe sollen laut CAM um 4 Prozent auf rund 500.000 Einheiten zurückgegangen sein. Die weiteren chinesischen Konzerne GAC (Guangzhou Automobile Corporation) und Geely steigerten ihre BEV-Absätze auf jeweils rund 351.000 Stück, wobei GAC deutlich schneller wuchs.

Beim Hyundai-Konzern prognostizieren die Fachleute eine Steigerung auf etwa 370.000 BEVs (Hyundai inkl. Kia). Stellantis dürfte mit schätzungsweise 280.000 abgesetzten BEVs noch dahinter liegen.

Die Elektromobilität zeige global weiter starkes Wachstum, sagte CAM-Studienleiter Stefan Bratzel. Allerdings müssten nun vermehrt auch preissensible Kunden angesprochen werden. Deshalb wären die Hersteller gezwungen, Produkte in preisgünstigeren Segmenten anzubieten. Zusätzlich müssten sie die Preise senken, weil Tesla einen Preiskampf angezettelt hat. "Damit steigt der Kosten- und Konsolidierungsdruck, da die Margen der Elektromobilität bei vielen etablierten Volumenherstellern gering oder negativ sind", so der Experte.