Welches ist die beste Elektro-Antriebsvariante für schwere Lastwagen? Oberleitung oder ein Akku im Fahrzeug selbst? Mercedes will das nun wissen und macht den Technologievergleich im Nordschwarzwald: Der batterieelektrischer eActros 600 für den Fernverkehr tritt gegen Oberleitungs-Lkw an.

Seit Kurzem ist ein batterie-elektrischer Mercedes-Benz eActros 600 auf der B 462 im Nordschwarzwald für die Logistikfirma Fahrner unterwegs. Im Rahmen des Projekts "eWayBW" unter Federführung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg wird der seriennahe E-Lkw-Prototyp für einen Technologievergleich neben den Oberleitungs-Lkw eines anderen Herstellers eingesetzt.

Bildergalerie: Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Dabei transportiert der eActros 600 Papiererzeugnisse auf der gut 18 Kilometer langen Strecke von den Papiermühlen in Gernsbach-Obertsrot zum Logistik-Standort von Fahrner in Kuppenheim und legt täglich rund 220 km zurück. Geladen wird der eActros 600 über Nacht an einer Ladesäule, die für die Dauer des Projektes auf dem Depot von Fahrner installiert wurde.

Daimler Truck selbst plant keine Oberleitungs-Lkw. Der Hersteller setzt in seiner Fahrzeugstrategie auf die Batterie sowie auf Wasserstoff und damit auf flexibel einsetzbare lokal CO2-neutrale Antriebstechnologien.

Martin Daum, CEO Daimler Truck AG: "Wir konnten in den letzten Jahren bereits mehr als 6.000 E-Lkw auf die Straße bringen, die Tag für Tag bei unseren Kunden im Einsatz sind. Der eActros 600, der auch für den Technologievergleich mit der Oberleitung herangezogen wird, ist unser erster batterie-elektrischer Lkw für den Fernverkehr. Seit Verkaufsstart Ende letzten Jahres haben wir bereits über 1.000 feste Bestellungen. Das zeigt, dass wir mit unserer Antriebsstrategie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir sind überzeugt, dass sich unser eActros 600 im Murgtal hervorragend beweisen wird."

Daimler Truck ist bereits seit 2019 auf der B462 unabhängig von "eWayBW" mit verschiedenen Generationen des batterie-elektrischen eActros – vom ersten Prototyp bis hin zur Serienversion der Verteilerverkehr-Variante eActros 300 – erfolgreich im Praxiseinsatz bei der Firma Logistik Schmitt.

Bildergalerie: Mercedes eActros 600 mit 1.000 kW aufgeladen

Die hohe Batteriekapazität von über 600 Kilowattstunden – daher die Typbezeichnung 600 – sowie eine neue, besonders effiziente elektrische Antriebsachse aus eigener Entwicklung, sollen eine Reichweite des E-Lkw von 500 Kilometern ohne Zwischenladen ermöglichen. So wird der Mercedes eActros 600 deutlich über 1.000 Kilometer am Tag zurücklegen können. Zwischenladen während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpausen - selbst ohne Megawattladen (MCS) - macht dies möglich.

Der eActros 600 wird neben dem CCS-Laden mit bis zu 400 kW später auch das Megawattladen ermöglichen. Im April dieses Jahres haben Entwickler von Mercedes-Benz Trucks erstmals einen Prototyp des eActros 600 an einer Ladesäule mit einer Leistung von einem Megawatt im unternehmenseigenen Entwicklungs- und Versuchszentrum in Wörth am Rhein erfolgreich geladen.

Kunden können für MCS eine Vorrüstung bestellen. Sobald die MCS-Technologie verfügbar und herstellerübergreifend standardisiert ist, soll sie für diese Modelle des eActros 600 nachrüstbar sein. Die Batterien können an einer entsprechenden Ladesäule mit etwa einem Megawatt Leistung in ca. 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen werden.

Bei der Profitabilität für Flottenbetreiber soll der Elektro-Truck neue Maßstäbe setzen, womit er langfristig die Mehrheit der Diesel-Lkw im wichtigen Fernverkehrs-Segment ablösen kann. Kern des Konzepts von Mercedes-Benz Trucks für den batterieelektrischen Fernverkehr ist, Kunden eine gesamtheitliche Transportlösung aus Fahrzeugtechnologie, Beratung, Ladeinfrastruktur und Services zu bieten.

Der Start der Serienproduktion ist für Ende 2024 vorgesehen. Der eActros 600 wird von Anfang an als Sattelzugmaschine sowie als Pritschenfahrgestell-Variante produziert, was den Kunden zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten im vollelektrischen Transport bietet.