Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik ist der Freund des Elektroauto-Redakteurs: Auf der MIIT-Website erscheinen regelmäßig Daten und Bilder zu brandneuen Modellen, die noch nicht offiziell vorgestellt wurden. Nun wurden dort Angaben zum neuen Smart #5 veröffentlicht.

Der Smart #5 wurde erst kürzlich als Studie präsentiert. Während der Smart #1 und der Smart #3 zu den Kompakt-SUVs gehören, wagt sich das Joint Venture von Geely und Mercedes mit dem Hashtag-5 erstmals in die Mittelklasse vor. Und erstmals bei Smart hat der Neuling auch ein 800-Volt-System für schnelles Laden. Auf der MIIT-Seite finden sich nun genauere Angaben, wie CarNewsChina berichtet.

Bei der Präsentation der Studie blieb Smart die Maße schuldig, auf der MIIT-Website werden sie nun genannt: Mit 4.705 mm Länge, 1.920 mm Breite und 1.705 mm Höhe passt der Wagen genau in die Mittelklasse. Das Auto ist damit etwa so lang wie ein Ford Mustang Mach-E, BMW iX3 oder Tesla Model Y. Wie der Smart #1 ist aber auch der #5 ziemlich hoch: Der Ford ist fast 10 cm niedriger, ein Kia EV6 sogar rund 15 cm. Das erinnert an den Smart #1, der ebenfalls sehr hoch aufragt. Der Radstand wird mit 2.900 mm angegeben, was genau dem Radstand des EV6 entspricht.

Motor-Akku-Kombinationen des Smart #5 in China
Antrieb RWD 250 kW RWD 267 kW AWD 437 kW
(165+267 kW)
AWD 475 kW
(165+310 kW)
Akku (Chemie) LFP LFP NMC NMC

Der Smart #5 erhält in China wahlweise vier Antriebsstränge. Wie man sieht, sind die Antriebe andere als beim #1 und #3. Statt einem 200-kW-Heckantrieb und einem 315-kW-Allradsystem gibt es hier zwei Hecktriebler und zwei Allradler. Los geht es bei einem 250-kW-Heckantrieb; die 267-kW-Version dürfte die gleiche Motor-Hardware haben. Vermutlich wird die Leistung hier durch die Batterie begrenzt, die bei der 267-kW-Variante wohl größer ist und damit auch mehr Leistung abgeben kann.

Die Speicherkapazitäten gehen aus den Angaben nicht hervor, doch die Studie hatte einen 100-kWh-Akku für 550 km Reichweite. Ein Foto vom Instrumentendisplay des Concept #5 legte nahe, dass es daneben noch eine Version mit rund 330 bis 400 km Reichweite geben könnte.

Während die Hecktriebler Lithiumeisenphosphat-Akkus (LFP) erhalten, bekommen die beiden Allradler NMC-Batterien (mit Nickel, Mangan, Cobalt an der Kathode). Hier wird ein 165-kW-Motor vorne und je nach Version eine 267 oder 310 kW starke Maschine hinten eingesetzt. Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 200 km/h begrenzt, die Top-Motorisierung erreicht 210 km/h.

Den 100-kWh-Akku der Studie sollte man in weniger als 15 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen können. Das entspricht einer Laderate von 4C oder anders ausgedrückt einer Ladegeschwindigkeit von 100 kWh *0,7 / 15 min= 4,7 kWh/min. Das sind auch für ein 800-Volt-System hohe Werte. Zum Vergleich: Beim gelifteten Porsche Taycan ergibt sich eine Ladegeschwindigkeit von bis zu 3,8 kWh/min.  

Smart Concept #5: Das Exterieur

Schon das Smart Concept #5 hatte vier waagerechte Schlitze an der Front

Die Karosserieformen sind sehr ähnlich wie bei der Studie, die ja auch schon seriennah wirkte. Vorne und hinten hat die chinesische Version jeweils vier waagerechte Schlitze, die entfernt an die markentypischen sieben Kühlerrippen von Jeep erinnern. Dazu kommen durchgehende Lichtleisten vorne und hinten, und wie bei der Studie gibt es zwei waagerechte LED-Elemente an den Scheinwerfern. Innen dürfte das Auto gleich drei Displays erhalten; denn auch das Cockpit der Studie sah schon serienfertig aus: 

Smart Concept #5: Das Interieur

Smart Concept #5: Das Interieur

Wann der Smart #5 offiziell vorgestellt wird und wann er auf den Markt kommt, ist offen.  In China soll der Marktstart gegen Ende des Jahres erfolgen.

Unter dem Strich

Mit dem Smart #5 steht ein interessanter Newcomer im Startblock. Elektrische Mittelklasse-SUVs gibt es zwar wie Sand am Meer, aber nur wenige haben 800-Volt-Technik. Damit wird das Auto zur Alternative des Hyundai Ioniq 5 und Xpeng G6. Wir hoffen nur, dass die EU wieder von ihren Strafzöllen ablässt, denn die könnten Smart von einer Einführung in Europa abhalten oder die Preise in die Höhe treiben – denn bisher werden alle Smart-Modelle in China gebaut.