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Stellantis-Chef Tavares bereit, unrentable Marken zu streichen

Erfolgreicher Opel-Sanierer macht Kehrtwende wegen Gewinneinbruch

DS 3 E-Tense (2023) in Rot

Liest Stellantis-Chef Carlos Tavares InsideEVs? Vermutlich eher nein, aber kurz nachdem wir in einem Artikel geschrieben hatten, dass sich bei manchen der 14 Konzernmarken die Frage stelle, ob sich der Aufwand lohnt, macht der Konzernlenker nun einen Zug in eben diese Richtung.

Am Donnerstag musste Tavares schlechte Zahlen melden. Im ersten Halbjahr 2024 sank der Absatz um 12 Prozent auf 3,0 Millionen Autos. Aber vor allem brach der Nettogewinn um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. In der Folge stürzte der Aktienkurs um 10 Prozent ab, meldete Reuters. Schon davor schwächelte die Aktie: Im Frühjahr 2024 wurden rund 27 Euro je Anteil gezahlt, inzwischen sind es nur noch 16 Euro – ein Minus von rund 40 Prozent.

Im Angesicht dieses Schlamassels ist der Konzernchef nun auch bereit, unrentable Marken zu opfern: "Wenn sie kein Geld verdienen, werden wir sie schließen", so Tavares. Man könne es sich "nicht leisten, Marken zu haben, die kein Geld einbringen." Mit den Äußerungen vollzog der Firmenchef eine Kehrtwende, denn bisher sprach er immer davon, dass alle 14 Marken eine Zukunft hätten.

DS 3 E-Tense (2023) in Rot

DS 3 E-Tense: Nur 28 Stück wurden im 1. Halbjahr in Deutschland verkauft

Fiat E-Ulysse (2024): Das Exterieur

Fiat E-Ulysse: 18 Stück im ersten Halbjahr in Deutschland

Welche Marken von der Streichung bedroht sind, sagte Tavares nicht, aber es gibt einige, die nur wenige Autos absetzen, darunter Chrysler, DS, Lancia und Maserati. Zahlen zum Gewinn veröffentlicht Stellantis nicht, mit einer Ausnahme: Maserati meldete im ersten Halbjahr einen Verlust von 82 Millionen Euro.

Der Stellantis-Konzern entstand 2021 durch den Zusammenschluss von PSA (Opel, Peugeot, Citroen) und Fiat Chrysler (Fiat, Alfa Romeo, Jeep, Maserati). 14 Marken gehören dazu: Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroen, DS, Dodge, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, Peugeot, Ram und Vauxhall. Im Herbst soll mit Leapmotor noch eine weitere Marke starten, wobei freilich nur eine Kooperation vereinbart ist, keine Übernahme.

Besonders schwierig ist die Lage von Stellantis in Nordamerika. Tavares will nun mit seinem US-Team Lösungsansätze erarbeiten. Europa ist dagegen kaum oder gar nicht betroffen: "Wir meinen, dass die Arbeit in Europa erledigt ist", sagte der Tavares. "In den USA ist die Arbeit noch nicht erledigt und wir werden uns jetzt um diese Arbeit kümmern." Allgemein hat Stellantis in Nordamerika zu hohe Lagerbestände, was auf eine Absatzschwäche hindeutet. Deshalb will man die Produktion reduzieren und die Preise senken.

Der 2017 gestartete Chrysler Pacifica ist der Nachfolger des Town & Country, der hierzulande Chrysler Voyager hieß

Chrysler Pacifica: Das einzige Modell der Marke beerbte den Town & Country, der hierzulande Chrysler Voyager hieß

Chrysler hat nach der Einstellung des 300C nur noch ein einziges Modell, den schon arg angejahrten Pacifica. Ein Pluspunkt sind dagegen Ram und Jeep wegen ihrer hohen Margen, wobei hier der Modellwechsel beim Pick-up Ram 1500 vorübergehend belasten könnte. Dodge schließlich leidet wohl unter der Einstellung des Challenger, während der Charger zumindest als Elektroauto weiterlebt

Opel Grandland (2024)

Der Opel Grandland Electric ist das Äquivalent zum Peugeot E-3008

Fiat Grande Panda (2024)

Der Fiat Grande Panda Elektro soll weniger als 25.000 Euro kosten

Trotz der finanziellen Misere hat der Konzern große Pläne. Im Jahr 2024 soll es gleich 20 neue Modelle geben. Das jüngste Projekt in Sachen Elektromobilität sind die neuen Fahrzeuge auf der Smart Car Platform, darunter der Fiat Grande Panda Elektro, der Opel Frontera Electric und der Citroen e-C3 mitsamt seinem Aircross-Derivat. Bis 2026 sind 13 Modelle auf Basis der Billig-Architektur geplant, wobei nicht alle in Europa angeboten werden. 

Zudem starten mit dem Peugeot E-3008 und E-5008, dem Opel Grandland Electric, dem Jeep Wagoneer S und dem Dodge Charger Daytona die ersten Autos auf Basis der STLA-Plattformen. Auch stehen mit dem Alfa Romeo Junior Elettrica und dem Lancia Ypsilon Elettrica neue Derivate der altbekannten eCMP-Plattform in den Startlöchern.

Unter dem Strich

Stellantis machte im ersten Halbjahr 2024 deutlich weniger Gewinn als im Vorjahreszeitraum. Das nagt an Konzernchef Tavares, der seit der erfolgreichen Sanierung von Opel einen guten Ruf in Sachen Kostenminimierung hat. Nun ist der Konzernchef auch bereit, heilige Kühe zu schlachten. So könnte es zum Beispiel Chrysler an den Kragen gehen, denn in Nordamerika ist der Konzern besonders margenschwach.