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Porsche Cayenne Electric als Erlkönig – fast ohne Tarnung

Fünf-Meter-SUV dürfte auf PPE basieren und 800-Volt-Technik haben. Zudem sind bis zu 735 kW und 600 km Reichweite zu erwarten.

Porsche Cayenne Electric als Erlkönig
Bild von: Automedia

Lohnt es sich überhaupt noch, über einen Erlkönig des Porsche Cayenne zu berichten? Kürzlich hat Porsche einen Prototypen mit spärlicher, blauvioletter Tarnung gezeigt. Außerdem steht der Wagen ja schon in drei Wochen auf der IAA, wie der Hersteller bereits offiziell mitgeteilt hat. Nun gelangen den Spezialisten von Automedia neue Bilder direkt vor dem Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach bei Stuttgart. Sehen wir sie uns genauer an und prüfen, was sie Neues bieten.

Die eigentlich eher kleinen Scheinwerfer des Cayenne Electric wurden bei dem Erlkönig durch Aufkleber optisch vergrößert. Von den offiziellen Aufnahmen aus Großbritannien wissen wir jedoch, wie die Leuchten aussehen. Der Grill ist bei dem Erlkönig offen und wurde nur mit einer Folie zugeklebt. Beim Serienmodell dürfte die Fläche geschlossen sein wie bei den blau-violett getarnten Fahrzeugen aus England.

Porsche Cayenne Electric als Erlkönig

Erlkönig: Die großen Scheinwerfer sind gefaked

Bild von: Automedia
Porsche Cayenne Electric

Das Serienmodell hat relativ kleine Scheinwerfer

Bild von: Porsche

Gut zu sehen sind auf unseren Bildern die Lufteinlässe ganz links und rechts außen. Sie haben eine andere Form als bei den blau-violetten Autos. Vermutlich entspricht die unterschiedliche Optik verschiedenen Motorisierungen. Die Öffnungen dürften dazu dienen, den Luftstrom als Vorhang ("air curtain") an den Rädern vorbeizuleiten, oder sie leiten Kühlluft zu den vorderen Bremsen. Die Luftzufuhr für den Kühler, den Elektroautos in Phasen hoher Leistungsabgabe und beim Schnellladen benötigen, geschieht über aktive Klappen ganz unten, die sich je nach Bedarf öffnen oder schließen. Sie sich auf unseren Fotos gut erkennbar.

Laut Automedia rollt der Wagen auf 20-Zöllern; das müssen wir glauben, denn die Reifenbeschriftung ist für uns nicht lesbar. Wie die blau-violetten Fahrzeuge hat auch unser Erlkönig Bügelgriffe – genau wie der Macan Electric. Da scheint Porsche ganz traditionell oder sicherheitsorientiert zu denken. Die Radläufe und der Schweller werden durch schwarze Kunststoffabdeckungen geschützt; beim Serienmodell dürfte das wählbar sein wie beim aktuellen Cayenne.

Wie beim Auslaufmodell gibt es ganz hinten ein feststehendes, annähernd dreieckiges Seitenfenster. Überhaupt ändert sich an der Silhouette des Modells recht wenig, wie unsere Vergleichsbilder zeigen. Kein Wunder, denn der Cayenne verkauft sich gut, nur der 911 ist zeitweise noch beliebter bei der Kundschaft.

Porsche Cayenne Electric als Erlkönig

Porsche Cayenne Electric als Erlkönig

Bild von: Automedia
Aktueller Porsche Cayenne (2023) als Verbrenner

Aktueller Porsche Cayenne (2023) als Verbrenner

Bild von: Porsche

Das ungefähre Aussehen der Rückleuchten kennen wir schon von den blau-violett getarnten Autos, hier sind sie aber deutlicher erkennbar. Sie bestehen aus drei Zeilen von Lichtelementen, wie wiederum in etliche Spalten gegliedert sind – ein Rücklicht für Excel-Fans sozusagen. Jeweils eine Spalte davon liegt außerhalb der Heckklappe auf der Hauptkarosserie. Weiter unten am Heck gibt es ein Element mit zahlreichen horizontalen Rillen. Links und rechts davon liegen senkrechte Luftauslässe, die hier ebenfalls deutlicher erkennbar sind als bei den offiziellen Fotos.

Porsche Cayenne Electric als Erlkönig

Zeilen und Spalten: Die Rückleuchten des neuen Cayenne. Gut zu sehen sind die Luftauslässe

Bild von: Automedia
Porsche Cayenne Electric bei britischem Bergrennen

Auf den offiziellen Fotos waren die Luftauslässe kaum erkennbar

Bild von: Porsche

Während der BMW iX3 und der Mercedes GLC EQ, die ebenfalls auf der IAA Premiere feiern, technisch schon recht genau bekannt sind, gilt das für den Cayenne Electric keineswegs. Autocar schreibt, das Modell soll länger und höher werden als das aktuelle Modell, das 4,93 m lang und 1,70 m hoch ist. Auch der Radstand (bislang 2,90 m) soll wachsen. Außerdem erhält der Wagen einen großen Frunk.

Die britische Zeitschrift erwartet die Motorisierungen Cayenne, Cayenne S und Cayenne Turbo, allesamt mit Allradantrieb und zwei Motoren. Die Leistungen sollen bei 295, 440 bzw. 735 kW liegen. Zum Vergleich: Beim aktuellen Modell liegen die Leistungen zwischen 260 und 544 kW. Wie groß die Batterie sein wird, geht aus dem Artikel nicht hervor. Beim Macan wird stets ein 95-kWh-Akku eingebaut, mit dem bis zu 641 km möglich sind. Laut Autocar strebt Porsche beim Cayenne 600 km Reichweite an. Außerdem bekommt der Wagen angeblich einen künstlichen Sound, der an einen V8-Motor erinnert.

Alle Versionen bekommen einstellbare Dämpfer; zumindest die Topmodelle sollen eine Hinterradlenkung erhalten, damit der Wagen trotz des gewachsenen Radstands handlich bleibt. Wie der Innenraum aussehen wird, ist noch streng geheim. Aber vermutlich wird das Auto drei Displays haben wie der Macan Electric. Hoffen wir, dass der Touchscreen ein wenig größer ausfällt als beim Macan – dort misst er nur 10,9 Zoll, während es zum Beispiel beim VW ID.7 schon 15 Zoll sind. 

Porsche Macan 4S (2025) im Test

Der Macan hat ein gebogenes 12,6-Zoll-Instrumentendisplay, einen 10,9-Zoll-Touchscreen und optional ein Beifahrerdisplay mit ebenfalls 10,9 Zoll 

Bild von: InsideEVs

Auf welcher Plattform der elektrische Cayenne basiert, ist noch nicht bekannt. In Frage kommen grundsätzlich die Verbrennerversion und die Premium Platform Electric (PPE). Wir gehen davon aus, dass der Neuling auf PPE basiert. Dafür spricht auch, dass Cayenne-Electric-Fachmann Sascha Niesen gegenüber Autocar sagte, dass es im Vergleich zum Macan EV "keine Überraschungen" beim Grundlayout gebe. 

Neben dem neuen Cayenne Electric soll der Verbrenner weiter verkauft werden; dafür bekommt er 2026 ein Facelift. Laut Automedia sollen sich die beiden Antriebsversionen jedoch optisch deutlich unterscheiden.

Zu den Rivalen des Porsche Cayenne Electric werden andere 800-Volt-Fahrzeuge der Fünf-Meter-Klasse gehören. Im Premiumsegment sind sie noch nicht sehr zahlreich. Dazu gehören der Lotus Eletre und der Mercedes EQS SUV, sobald dieser auf die hohe Spannung umgestellt wurde. Der BMW iX dagegen arbeitet nach wie vor mit 400 Volt, der Audi Q6 e-tron ist deutlich kleiner und ein Nachfolger des ausgelaufenen Q8 e-tron noch nicht in Sicht. 

Bildergalerie: Porsche Cayenne Electric als Erlkönig (8/25)

Unter dem Strich

Nach dem Taycan und dem Macan ist der Cayenne das dritte Elektromodell von Porsche. Wenn das Modell auf PPE basiert, wie wir vermuten, sind technisch keine absoluten Neuheiten zu erwarten. Die Leistungen werden etwas höher sein, die Batterie vielleicht sogar die gleiche. Wie der Macan wird wohl auch der Cayenne mit 800 Volt Spannung arbeiten. Mehr erfahren wir wohl Anfang September zur IAA oder spätestens bei einem Technik-Workshop Ende September, an dem wir teilnehmen werden.