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Das erste VW-Fahrzeug mit Festkörperakku ist ein Motorrad

Eine modifizierte Ducati V21L wurde mit den QSE-5-Zellen von VW-Partner Quantumscape bestückt.

Die Ducati V21L mit Festkörperbatterie
Bild von: Volkswagen

If you can make a bike, you can make a car: Nach dieser Devise präsentiert der VW-Konzern sein erstes Fahrzeug mit Festkörperbatterie. Es ist weder eine Designstudie noch ein Serienmodell, sondern ein Proof of Concept: Mit dem Elektromotorrad auf Basis einer Ducati-Serienmaschine zeigt man, dass es geht. Beziehungsweise fährt: Bei dem gestrigen VW-Technik-Workshop fuhr Ducati-Entwicklungschef Roberto Canè damit schon auf die Bühne. 

Die VW-Batteriesparte PowerCo, die zum Konzern gehörende Motorradmarke Ducati und Audi haben ein elektrisches Motorrad mit der Festkörperbatterie von QuantumScape ausgerüstet. Das Bike basiert auf der rein elektrisch angetriebenen Ducati V21L (Ducati-Website), wurde aber umfassend modifiziert. Die normale V21L ist ein Rennbike, die in der MotoE-Meisterschaft eingesetzt wird. Hier ein Video dazu: 

Vor allem wurde das Batteriesystem auf die Anforderungen der Festkörperbatterie ausgelegt. Zu den Herausforderungen gehört, dass die Zellen beim Laden und Entladen "atmen", also größer und kleiner werden. Auch die Kühlung ist anspruchsvoll. So wird der Akku in dem Technologieträger von beiden Seiten gekühlt.

Die wichtigsten Kennzahlen der Quantumscape-Zellen

Die wichtigsten Kennzahlen der Quantumscape-Zellen

Bild von: InsideEVs

Die Batterie besteht aus 980 Zellen, von denen 196 in Serie geschaltet werden. Das legt nahe, dass es sich wie der normalen V21L um 800-Volt-Technik handelt. Denn 196 Lithium-Ionen-Zellen – letztlich ist auch die Quantumscape-Zelle nichts anderes – in Serie geschaltet dürften rund 600 bis 700 Volt ergeben.

Es handelt sich um die QSE-5-Zelle; das ist die neueste Bauart. Dabei werden ein Keramik-Separator und eine Lithium-Metall-Anode eingesetzt. Die Zelle bietet Vorteile bei Energiedichte, Schnellladefähigkeit, Sicherheit sowie Lebensdauer. Quantumscape verspricht eine Energiedichte von 844 Wattstunden pro Liter, eine Schnellladung von 10 auf 80 Prozent in etwas mehr als 12 Minuten und kontinuierliche Entladeraten von 10 C.

Der Chef von Volkswagen Group Components, Thomas Schmall, sagte: "Die Feststoffbatterie hat das Potenzial, zu einem Gamechanger in der E-Mobilität zu werden. Gemeinsam mit unserem Partner QuantumScape wollen wir die Technologie jetzt industrialisieren und den nächsten Schritt in Richtung Serie machen. Mit der Einheitszelle haben wir dafür ideale Voraussetzungen geschaffen: Sie ist Solid State-ready und ermöglicht einen schnellen Technologietransfer in die Fahrzeuge des Konzerns, sobald die Feststoffbatterie bereit ist.“

Quantumscape-Chef Siva Sivaram ergänzte: "Heute ist die Feststoffbatterie von QuantumScape näher an die wirtschaftliche Realität herangerückt. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeiten wir eng mit dem Volkswagen-Konzern zusammen, um unsere bahnbrechende Technologie voranzutreiben und die von E-Auto-Kunden gewünschten Reichweiten, Ladezeiten und Sicherheitsstandards zu bieten. Unser Fokus liegt jetzt darauf, diese Technologie auf den Markt zu bringen und neu zu definieren, was leistungsstarke Elektromobilität ausmacht."

Die Projektpartner wollen die Technologie in den kommenden Monaten weiter erproben und vorantreiben. Der nächste Meilenstein ist die Entwicklung eines renntauglichen Motorrads für Tests auf der Rennstrecke. Parallel arbeiten PowerCo und QuantumScape bereits an der Integration der Feststofftechnologie in die PowerCo-Einheitszelle und damit ins Auto. Die Serieneinführung ist für Ende des Jahrzehnts geplant.

Bildergalerie: Ducati V21L mit Festkörperakku

Unter dem Strich

Die Festkörperbatterie kommt allmählich mehr und mehr auf die Straße. Mercedes und BMW erproben bereits entsprechende Prototypen, und manche chinesische Hersteller bieten die Technik sogar schon in Serienautos an. Mit der umgebauten Ducati V21L hat nun auch die Volkswagen Group einen Prototypen.

Dabei hat sich der Konzern eine besonders schwierige Fahrzeugart ausgesucht, denn bei einem Motorrad sind Platz und Gewicht wirklich sehr knapp. Warum man kein Auto damit bestückt hat und warum die Innovation nicht so laut hinausposaunt wird wie die Konkurrenten? Vielleicht traut man der Technologie von Quantumscape noch nicht so recht.