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Elektroautos warnen bei ganz unterschiedlichen Akkuständen

Bei niedrigem Ladestand warnen manche Autos schon bei 18 Prozent SoC, andere erst bei 4 Prozent.

Warnkaskaden von verschiedenen Elektroautos bei niedrigem Akkustand
Bild von: ADAC

Wann werden Sie nervös: Schon bei einem Akkustand von 20 Prozent, bei 10 oder gar erst bei 5 Prozent? Da sind die Antworten unterschiedlich, sie hängen wohl auch davon ab, ob man negative Erfahrungen gemacht hat, ob man vielleicht sogar schon mal mit leerer Batterie liegen geblieben ist. Auch die Warnungen verschiedener Elektroautos beginnen bei ganz unterschiedlichen Akkuständen.

Während der Kia EV6 bereits warnt, wenn der Akku noch zu 18 Prozent gefüllt ist, tut der BYD Seal das erst bei vier Prozent, wie der Automobilclub ADAC bei Tests herausgefunden hat. Der ID.3 warnt bereits bei 15 Prozent Ladestand (SoC) zum ersten Mal, das Tesla Model Y bei 14 Prozent und der Nio EL6 bei 11 Prozent. Ähnlich wie der BYD Seal ist auch der Volvo EX40 eher ein Auto für Wagemutige: Er warnt erst bei sechs Prozent SoC.

Die Warnhinweise selbst sind jedoch recht ähnlich. Zunächst kommt ein optisches Signal, meist begleitet von einem eingeblendeten Text; bei manchen Autos färbt sich zudem das Batteriesymbol orange. Je weiter sich der Akku leert, desto energischer werden die Warnungen: Akustische Signale kommen hinzu.

Außerdem wird die Antriebsleistung reduziert, allerdings erst bei Ladeständen im einstelligen Prozentbereich. Beim BYD Seal wird die Leistung sogar schon reduziert, bevor eine Ladeaufforderung erfolgt. Hier wird bei einem SoC von sechs Prozent die Leistung reduziert, aber erst bei 4 Prozent gewarnt (siehe unser Titelbild). Der Nio reduziert die Leistung erst beim Erreichen von null Prozent.

ADAC-Infografik: Jedes der sechs getesteten Elektroautos hat eine Notlaufreserve

ADAC-Infografik: Jedes der sechs getesteten Elektroautos hat eine Notlaufreserve

Bild von: ADAC

Aber auch wenn ein Ladestand von null Prozent angezeigt wird, bleibt keines der sechs vom ADAC getesteten Elektroautos sofort stehen. Jedes Modell hat eine Reserve, die mit 15 bis 21 Kilometern etwas unterschiedlich ausfällt. Man sollte man auch bedenken, dass sich die Reserve-Reichweite bei ungünstigem Wetter oder Steigungen reduziert. Auch können ältere Fahrzeuge kleinere Restreichweiten erreichen. Deshalb sollte man die Reserve wirklich nur im Notfall nutzen, empfiehlt der Automobilclub. Spätestens im Notlaufbetrieb bei niedrigem Akkustand wird auch die Leistung reduziert, und zwar in mehreren Stufen. 

Wer mit dem Elektroauto liegenbleibt, der sollte nicht etwa versuchen, das Elektroauto zu schieben oder selbst abzuschleppen. Denn der Motor kann dabei per Induktion Spannung erzeugen, wodurch die Elektronik im Fahrzeug beschädigt werden kann. Außerdem kann die Getriebeschmierung ausfallen, wenn der Motor nicht arbeitet, wobei schwere Getriebeschäden zu befürchten sind, wie der Versicherer DA direkt auf seiner Website ausführt. So bleibt nur eine mobile Lademöglichkeit oder der Abschleppservice. Wenn man beim Pannendienst oder beim Hersteller anruft, sollte man angeben, dass es sich um ein Elektroauto handelt, denn der Wagen muss in diesem Fall verladen werden.

Alles in allem besteht eigentlich kaum die Gefahr, mit dem Elektroauto versehentlich liegenzubleiben. Dafür müsste man schon mehrere und teils sehr energische Warnungen ignorieren, so der ADAC. Auch bieten Elektroautos immer höhere Reichweiten und laden immer schneller. Komplette Sorglosigkeit ist aber auch falsch. Spätestens wenn das Auto zum ersten Mal warnt, sollte man eine Ladestation ansteuern. 

Unter dem Strich

Bei einbrechender Nacht ist mit Dunkelheit zu rechnen: Dieser legendär-lapidare Satz, der angeblich aus einer Bundeswehr-Dienstvorschrift stammt, lässt sich dem sinngemäß auf Elektroautos übertragen: Wenn der Ladestand unter einen kritischen Wert sinkt, sollte man ans Laden denken. Das wissen wohl alle. Allgemeine Hinweise und Ratschläge gibt nun der ADAC. Aber was genau beim eigenen E-Auto passiert und wann, das erprobt man vielleicht am besten selbst. Und zwar nicht auf der Urlaubsfahrt nach Schottland, sondern schön vorsichtig in Nähe einer Ladesäule oder der heimischen Wallbox ...